Scalable nennt erste Konditionen
Staat zahlt bis zu 540 Euro fürs ETF-Sparen: Altersvorsorgedepot wird konkret

| Redaktion 
| 23.08.2026

Ab 2027 bekommt die private Altersvorsorge in Deutschland ein neues Modell: Mit dem Altersvorsorgedepot fördert der Staat erstmals ein Vorsorgeprodukt, bei dem Sparer:innen gezielt über Fonds und ETFs am Kapitalmarkt investieren können. Wer die maximale Eigenleistung erbringt, erhält bis zu 540 Euro staatliche Zulage pro Jahr. Nun werden auch die ersten Angebote der Finanzbranche konkret.

Die private Altersvorsorge in Deutschland steht vor einem größeren Umbau. Zum 1. Januar 2027 soll das neue Altersvorsorgedepot an den Start gehen. Bundestag und Bundesrat haben die Reform der privaten Altersvorsorge bereits im Frühjahr beschlossen. Förderberechtigte können ihr Geld dabei kapitalmarktorientiert anlegen. Der Staat unterstützt die Einzahlungen mit Zulagen – bei voller Ausschöpfung sind bis zu 540 Euro pro Jahr möglich.

Für Banken, Broker und Fondsgesellschaften entsteht damit ein neuer Markt. Gut vier Monate vor dem geplanten Start zeigt sich nun erstmals, was die neuen Vorsorgeprodukte tatsächlich kosten könnten. Wie das Wirtschaftsmagazin Capital berichtet, hat Scalable Capital als einer der ersten großen Anbieter konkrete Konditionen für sein geplantes Altersvorsorgedepot genannt. Beim Standarddepot will der Neobroker unter anderem auf Gebühren für Depotführung und Sparpläne verzichten.

Altersvorsorgedepot: Bis zu 540 Euro vom Staat

Besonders relevant ist die Konstruktion der staatlichen Förderung. Wer förderberechtigt ist, muss mindestens 120 Euro im Jahr selbst einzahlen. Auf die ersten 360 Euro Eigenbeitrag legt der Staat 50 Prozent drauf. Das entspricht einer Zulage von 180 Euro. Für weitere Einzahlungen bis zu einem Eigenbeitrag von insgesamt 1.800 Euro jährlich beträgt die Förderung 25 Prozent.

Wer monatlich 150 Euro und damit 1.800 Euro pro Jahr einzahlt, schöpft die Grundzulage vollständig aus. Zu den eigenen 1.800 Euro kommen dann 540 Euro vom Staat. Zusätzlich können Kinderzulagen sowie ein Bonus für junge Sparer hinzukommen. Das angesparte Vermögen ist allerdings langfristig gebunden und darf grundsätzlich erst im Rentenalter verbraucht werden.

Das neue Altersvorsorgedepot soll Sparer:innen ermöglichen, staatlich gefördert in Aktien, Fonds und ETFs zu investieren. Beim sogenannten Standarddepot ist zugleich vorgesehen, das Risiko automatisch zu reduzieren, je näher der Ruhestand rückt.

Scalable setzt erste Preismarke

Während die Grundzüge der Förderung bereits feststehen, hielten sich potenzielle Anbieter bei den Kosten bislang weitgehend zurück. Für das Standarddepot gilt zwar ein gesetzlicher Kostendeckel von einem Prozent pro Jahr. Entscheidend für den Wettbewerb dürfte jedoch sein, wie deutlich Banken und Broker darunterbleiben.

Scalable Capital hat nun erste Zahlen genannt. Nach Angaben von Scalable-Chef Erik Podzuweit sollen beim Standarddepot weder Gebühren für die Depotführung noch für Sparpläne, Ein- und Auszahlungen sowie Käufe und Verkäufe anfallen. Die laufenden Kosten der eingesetzten Fonds sollen höchstens 0,15 Prozent pro Jahr betragen. Im ersten Jahr will das Unternehmen diese Fondskosten sogar auf null reduzieren. Bei einem Depotvermögen von 10.000 Euro würden 0,15 Prozent laufende Fondskosten maximal 15 Euro im Jahr entsprechen. Beim gesetzlichen Höchstsatz von einem Prozent wären es 100 Euro.

Neben dem Standardprodukt plant Scalable Capital auch ein frei zusammenstellbares Altersvorsorgedepot. Depotführung und Sparpläne sollen dort ebenfalls kostenlos sein. Je nach gewähltem Anlageprodukt fallen allerdings Fondskosten an, die laut Unternehmen dauerhaft bei 0,03 Prozent pro Jahr beginnen sollen. Für einzelne Käufe und Verkäufe sind im kostenlosen Tarif 99 Cent vorgesehen. Im kostenpflichtigen "Prime“-Modell für 4,99 Euro im Monat sollen diese Transaktionen gebührenfrei sein.

Wettbewerb um einen möglichen Milliardenmarkt

Scalable Capital ist nicht der einzige Anbieter, der sich auf den Start vorbereitet. Auch Smartbroker und Comdirect planen Angebote für das neue Altersvorsorgedepot. Smartbroker rechnet mit einem intensiven Wettbewerb. Unternehmenschef Thomas Soltau kündigte an, mit einem günstigen Angebot in den Markt gehen zu wollen. Die konkreten Konditionen sollen noch folgen.

Auch Comdirect will zum 1. Januar sowohl ein Standarddepot als auch eine frei zusammenstellbare Variante anbieten. Comdirect-Chefin Sabine Schoon-Renné erklärte gegenüber Capital, beim Standarddepot deutlich unter dem gesetzlichen Kostendeckel von einem Prozent bleiben zu wollen. Trade Republic äußerte sich bislang nicht zu den geplanten Preisen für das Altersvorsorgedepot.

Dass sich Banken und Neobroker bereits Monate vor dem Start positionieren, liegt am möglichen Volumen des neuen Marktes. Nach einer von Capital zitierten Schätzung von S&P Global könnten künftig jährlich zwischen 26 und 56 Milliarden Euro in Altersvorsorgedepots fließen. Hinzu kommt bestehendes Vorsorgevermögen: Ende 2025 gab es nach Angaben des Bundesarbeitsministeriums noch knapp 14,7 Millionen Riester-Verträge. Allein die knapp drei Millionen Riester-Fondssparverträge verwalteten Ende 2024 laut Fondsverband BVI rund 49 Milliarden Euro.

Bestehende Riester-Verträge bleiben auch nach der Reform erhalten. Sparer:innen sollen ab 2027 jedoch freiwillig in das neue System wechseln und ihr angespartes Kapital grundsätzlich übertragen können. Damit dürfte sich der Wettbewerb um die private Altersvorsorge weiter verschärfen. Die staatlichen Förderregeln stehen bereits fest – nun entscheidet sich, mit welchen Preisen und Angeboten Banken und Broker um die künftigen Altersvorsorgedepots konkurrieren.

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