Damit wird aus den zuletzt bekannt gewordenen Übernahmegesprächen ein konkreter Milliardendeal. Für Uber bedeutet die Transaktion einen erheblichen Ausbau des internationalen Liefergeschäfts. Delivery Hero wiederum wird Teil eines Konzerns, der neben seiner Mobilitätsplattform mit Uber Eats bereits einen eigenen Essenslieferdienst betreibt.
Uber bietet 41,50 Euro je Delivery-Hero-Aktie
Wie ntv.de unter Berufung auf die Nachrichtenagenturen dpa und Reuters berichtet, hat Uber den Aktionär von Delivery Hero ein Angebot über 41,50 Euro je Aktie vorgelegt. Daraus ergibt sich eine Unternehmensbewertung von knapp 13 Milliarden Euro.
Die neue Summe liegt damit etwas über den zuvor kursierenden Angaben. Nach einem früheren Bericht der Financial Times war zunächst von 41 Euro je Aktie und einer Bewertung von rund 12,5 Milliarden Euro die Rede gewesen. Dieser Stand ist durch das nun bestätigte Angebot überholt.
Delivery Hero hatte bereits am Dienstagabend erklärt, sich in fortgeschrittenen Gesprächen mit Uber über eine mögliche Übernahme zu befinden. Ein konkreter Angebotspreis wurde zu diesem Zeitpunkt noch nicht genannt. Die Spekulationen hatten die Delivery-Hero-Aktie bereits vorbörslich steigen lassen.
Das Papier hatte allerdings schon seit Mitte April deutlich an Wert gewonnen. Damals war bekannt geworden, dass Uber seinen Anteil an dem Berliner Lieferdienstkonzern weiter erhöht hatte.
Prosus verkauft seinen Anteil an Delivery Hero
Uber war schon vor dem jetzt angekündigten Zusammenschluss einer der wichtigsten Anteilseigner von Delivery Hero. Zuletzt hielt der US-Konzern knapp 25 Prozent der Aktien. Hinzu kamen Finanzinstrumente, die sich auf weitere knapp zwölf Prozent bezogen.
Eine wichtige Rolle bei der Übernahme spielt auch der niederländische Technologie- und Beteiligungskonzern Prosus. Das Unternehmen hielt zuletzt knapp 17 Prozent an Delivery Hero und hat diesen Anteil nun verkauft.
Prosus hatte sich im Zusammenhang mit der Übernahme von Just Eat Takeaway dazu verpflichtet, seine Beteiligung an Delivery Hero zu reduzieren. Just Eat Takeaway ist unter anderem die Muttergesellschaft des in Deutschland aktiven Lieferdienstes Lieferando.
Durch den Verkauf des Prosus-Anteils dürfte Uber seine Position bei Delivery Hero weiter absichern. Ob noch weitere Großaktionär ihre Beteiligungen abgeben, geht aus der aktuellen Meldung nicht hervor.
Hauptsitz von Delivery Hero bleibt in Berlin
Ein zentraler Bestandteil der Vereinbarung betrifft den Standort Berlin. Uber verpflichtet sich nach Angaben von Delivery Hero dazu, den Hauptsitz des Unternehmens in der deutschen Hauptstadt zu erhalten.
Zudem soll es bis mindestens 2029 keine Änderungen an der Berliner Belegschaft geben. Damit setzt Uber ein Signal an die Beschäftigten und an den Unternehmensstandort.
Delivery Hero hat seinen Hauptsitz zwar weiterhin in Berlin, ist im deutschen Liefergeschäft jedoch nicht mehr selbst operativ tätig. Das Deutschlandgeschäft wurde bereits an Just Eat Takeaway verkauft. International zählt Delivery Hero dennoch zu den größten Essenslieferdiensten.
Das Unternehmen ist insbesondere in Asien, Südeuropa, Afrika und auf der Arabischen Halbinsel stark vertreten. Zum Portfolio gehören verschiedene regionale Marken sowie Angebote aus dem sogenannten Quick Commerce. Dabei werden Lebensmittel und andere Waren innerhalb kurzer Zeit direkt an Kund geliefert.
Uber betreibt mit Uber Eats ebenfalls eine internationale Lieferplattform. Der Dienst ist auch in zahlreichen deutschen Städten verfügbar. Durch die Übernahme bündelt Uber sein bestehendes Liefergeschäft mit den internationalen Aktivitäten und lokalen Marken von Delivery Hero.
Uber will internationales Liefergeschäft ausbauen
Uber-Chef Dara Khosrowshahi verwies im Zusammenhang mit dem Zusammenschluss auf die Marktpositionen von Delivery Hero. Das Unternehmen habe mit seinen lokalen Marken führende Positionen in mehreren schnell wachsenden Liefermärkten aufgebaut.
Delivery-Hero-Mitgründer und CEO Niklas Östberg sieht in der Kombination beider Unternehmen ebenfalls strategische Vorteile. Die globale Mobilitäts- und Lieferplattform von Uber und die bestehenden Strukturen von Delivery Hero sollen demnach gemeinsam weiterentwickelt werden.
Im Mittelpunkt steht dabei auch die sogenannte Everyday-App-Strategie. Delivery Hero will Kund nicht nur Restaurantbestellungen, sondern zunehmend auch Lebensmittel und weitere Produkte des täglichen Bedarfs über seine Plattformen anbieten.
Für Uber eröffnet der Kauf den Zugang zu Märkten, in denen Delivery Hero bereits über etablierte Marken und eine starke operative Präsenz verfügt. Gleichzeitig kann Delivery Hero auf die technologische Infrastruktur, die Reichweite und die finanziellen Möglichkeiten des US-Konzerns zurückgreifen.
Kartellbehörden dürften den Deal prüfen
Trotz der bestätigten Vereinbarung dürfte die Übernahme noch von den zuständigen Wettbewerbsbehörden geprüft werden. Uber Eats und Delivery Hero sind in mehreren europäischen Märkten gleichzeitig aktiv.
Zu den Ländern, in denen beide Unternehmen direkt miteinander konkurrieren, zählen laut den vorangegangenen Medienberichten unter anderem Polen, Portugal, Spanien und Schweden. Überschneidungen in diesen Märkten könnten im weiteren Verfahren eine Rolle spielen.
Bereits vor der Bestätigung des Deals wurde berichtet, Uber könne zur Ausräumung kartellrechtlicher Bedenken einzelne Geschäftsbereiche verkaufen. Dazu sollen die türkische Delivery-Hero-Tochter Yemeksepeti sowie weitere europäische Aktivitäten gehören. Die aktuelle Meldung nennt dazu jedoch keine neuen Vereinbarungen.
Delivery Hero war zudem bereits Gegenstand eines europäischen Kartellverfahrens. Die EU-Kommission verhängte 2025 wegen wettbewerbswidriger Absprachen mit der spanischen Tochter Glovo eine Geldstrafe.
Der angekündigte Zusammenschluss gehört dennoch schon jetzt zu den größten Transaktionen in der europäischen Lieferdienstbranche. Mit der bestätigten Offerte endet die Phase der Spekulationen. Im nächsten Schritt wird entscheidend sein, wie viele Aktionär das Angebot annehmen und welche Vorgaben die Wettbewerbsbehörden für die Übernahme festlegen.
Hinweis: Dieser Artikel wurde am 16. Juli 2026 nach der Bestätigung der Übernahme und der Veröffentlichung des Angebotspreises vollständig aktualisiert.
Kommentar veröffentlichen