Digital Fatigue
Studie: Digitale Erschöpfung bewegt immer mehr Menschen zum Social-Media-Rückzug

| Redaktion 
| 15.07.2026

Die Ära der permanenten digitalen Selbstdarstellung stößt an ihre Grenzen: Eine Studie des Datenschutzdienstleisters Incogni zeigt einen Trend zum Social-Media-Rückzug. Getrieben von Stress, Kommunikationsdruck und Datenschutzbedenken reduzieren 55 Prozent der Nutzer ihre Aktivität drastisch. Besonders die Gen Z und Millennials ziehen die Reißleine und löschen Apps aufgrund von Stress.

Soziale Netzwerke verlieren für einen stetig wachsenden Teil der Bevölkerung ihren Reiz als Orte des lockeren Austauschs und der Unterhaltung. An die Stelle von digitaler Nähe tritt ein permanenter, unsichtbarer Kommunikationsdruck.

Die Untersuchung des Datenschutzdienstleisters Incogni zeichnet ein klares Bild dieser Entwicklung. Die Mehrheit der Nutzer löscht ihre Accounts zwar nicht direkt vollständig, zieht sich aber in eine Art „stillen Beobachterstatus“ zurück.

  • Eingeschränkte Interaktion: 55 Prozent der Befragten beteiligen sich kaum noch an öffentlichen Diskussionen und veröffentlichen immer seltener eigene Beiträge.
  • Flucht in die Anonymität: 53 Prozent haben ihre Privatsphäre-Einstellungen verschärft, um die Sichtbarkeit ihrer Profile für Fremde und Algorithmen radikal einzuschränken.

Gen Z und Millennials: Die digitale Reißleine

Die Generationen, die mit dem Smartphone aufgewachsen sind, leiden am stärksten unter der permanenten Erreichbarkeit. Die Daten zeigen hier ein deutliches Generationengefälle, das vor allem HR-Verantwortlichen und Recruitern zu denken geben sollte:

  • Die Gesamtbevölkerung: Im Schnitt haben 47 Prozent der Befragten bereits mindestens eine Social-Media- oder Messenger-App aufgrund von Stress, Überlastung oder Angstgefühlen gelöscht.
  • Die junge Zielgruppe: Bei den Millennials und Vertretern der Generation Z explodiert dieser Wert auf 61 Prozent.

Der Grund dafür liegt im gefühlten Arbeitscharakter der Freizeit-Plattformen. Mehr als jeder zweite Befragte empfindet das Beantworten von Direktnachrichten und das Mitverfolgen endloser Diskussionen als zusätzliche, unbezahlte Verpflichtung. In der Gen Z teilen sogar 60 Prozent diese Einschätzung – für sie ist Social Media oft kein Spaß mehr, sondern Arbeit.

Algorithmen-Frust und KI-Spam als Katalysatoren

Neben der persönlichen Überforderung spielen auch gesellschaftliche und technische Entwicklungen eine entscheidende Rolle für den Rückzug:

  • Politische Polarisierung: 44 Prozent meiden Plattformen bewusst, um der zunehmend aggressiven Debattenkultur zu entkommen.
  • Datenschutz & Sicherheit: Für 51 Prozent sind Sicherheitsbedenken der Hauptgrund, ein Konto dauerhaft zu schließen.
  • Qualitätsverlust durch KI: Kritisiert wird zudem die aggressive Mechanik der Algorithmen, die künstlich um jeden Millisekunde Aufmerksamkeit buhlen, sowie die rasant steigende Flut an qualitativ minderwertigen, KI-generierten Inhalten im Feed.

Ruhe vs. FOMO

Die Reduzierung der digitalen Bildschirmzeit zeigt bei den Betroffenen sofortige, positive Effekte auf die mentale Gesundheit. 27 Prozent der Befragten berichten von spürbar mehr innerer Ruhe, weitere 21 Prozent fühlen sich im Alltag entspannter.

Dem gegenüber steht jedoch das bekannte Phänomen der „Fear of Missing Out“ (FOMO). Die Angst, wichtige gesellschaftliche Entwicklungen oder den Anschluss an den Freundeskreis zu verpassen, betrifft weiterhin 22 Prozent aller Befragten. In der ohnehin gestressten Generation Z liegt dieser Wert sogar bei 34 Prozent.

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