Die Fitnessbranche hat im deutschsprachigen Raum ein neues Rekordniveau erreicht. Laut der aktuellen Studie "Eckdaten der Fitnesswirtschaft DACH 2026" trainieren inzwischen mehr als 15 Millionen Menschen in Fitness- und Gesundheitsanlagen in Deutschland, Österreich und der Schweiz.
Insgesamt zählt die Branche 15,16 Millionen Mitglieder und 12.495 Anlagen. Auch die Umsätze steigen in allen drei Ländern. Damit wird der Fitnessmarkt für Betreiber, Investoren, Verbände und politische Entscheidungsträger relevanter.
Die Entwicklung zeigt vor allem eines: Fitness wird nicht mehr nur als Freizeitangebot verstanden. Immer mehr Menschen verbinden Training mit Gesundheit, Prävention, mentaler Stärke und langfristiger Leistungsfähigkeit. Für die Branche eröffnet das neue Chancen – stellt Anbieter aber auch vor höhere Erwartungen.
Deutschland bleibt der Leitmarkt
Deutschland ist innerhalb der DACH-Region weiterhin der größte Fitnessmarkt. 12,36 Millionen Menschen trainieren dort laut Studie in Fitness- und Gesundheitsanlagen. Das entspricht einem Plus von 5,6 Prozent.
Auch wirtschaftlich liegt Deutschland klar vorne. Der Umsatz stieg auf 6,25 Milliarden Euro. Damit entfällt der größte Teil des DACH-Markts auf Deutschland. Für Betreiber und Investoren bleibt der deutsche Markt damit der zentrale Bezugspunkt.
Österreich und die Schweiz entwickeln sich ebenfalls positiv. In Österreich stieg die Mitgliederzahl um 5,8 Prozent auf 1,35 Millionen. Der Umsatz erreichte 697,9 Millionen Euro. In der Schweiz legte die Zahl der Mitglieder ebenfalls um 5,8 Prozent auf 1,45 Millionen zu. Der Umsatz lag dort bei 1,362 Milliarden Schweizer Franken.
Auffällig ist, dass alle drei Märkte wachsen. Die Fitnesswirtschaft profitiert also nicht von einem einzelnen Ausreißer, sondern von einer breiteren Entwicklung im gesamten DACH-Raum. Das macht die Daten besonders relevant für Unternehmen, die den Markt länderübergreifend betrachten.
Was hinter dem Wachstum steckt
Die steigenden Mitgliederzahlen sind nur ein Teil der Geschichte. Entscheidend ist, warum mehr Menschen Fitness- und Gesundheitsanlagen nutzen. Die Studie verweist auf einen grundlegenden Wandel in der Nachfrage.
Training wird stärker mit Gesundheit, Prävention und Wohlbefinden verbunden. Viele Mitglieder suchen nicht mehr nur Geräte, Kurse oder flexible Öffnungszeiten. Sie erwarten Angebote, die zu ihren persönlichen Zielen passen – etwa mehr Leistungsfähigkeit, bessere Beweglichkeit, mentale Stabilität oder langfristige Gesundheit.
Besonders jüngere Generationen denken Fitness breiter. Körperliche Leistungsfähigkeit, mentale Gesundheit, Wohlbefinden und Longevity werden zunehmend als zusammenhängende Themen verstanden. Dadurch verschiebt sich die Rolle von Fitnessanlagen. Sie werden stärker zu Orten, an denen Menschen regelmäßig in ihre Gesundheit investieren.
Dass Gesundheit und Longevity längst über den klassischen Fitnessmarkt hinausreichen, zeigt auch der Blick auf Longevity in der Hotellerie, wo entsprechende Konzepte zunehmend Teil neuer Geschäftsmodelle werden.
Für Anbieter bedeutet das: Ein reines Flächen- oder Preisversprechen reicht immer seltener aus. Wer langfristig wachsen will, muss erklären können, welchen konkreten Nutzen sein Angebot bietet.
Der Markt wird anspruchsvoller
Mit 12.495 Fitness- und Gesundheitsanlagen ist das Angebot im DACH-Raum groß. Zugleich wird der Markt vielfältiger. Gesundheitsorientierte Konzepte, leistungsbezogene Trainingsangebote und lifestyleorientierte Formate sprechen unterschiedliche Zielgruppen an.
Diese Vielfalt kann Wachstum ermöglichen. Sie macht den Wettbewerb aber auch komplexer. Anbieter müssen klarer zeigen, wofür sie stehen. Ein Studio mit Fokus auf Prävention braucht eine andere Ansprache als ein Anbieter, der Performance, Lifestyle oder Community in den Mittelpunkt stellt.
Genau hier entsteht einer der wichtigsten Punkte der Studie: Die Fitnessbranche wächst nicht nur. Sie muss sich auch stärker ausdifferenzieren. Sichtbarkeit, Vertrauen und nachvollziehbare Qualität werden wichtiger.
Das betrifft auch die Kommunikation. Wer Gesundheitsnutzen verspricht, muss glaubwürdig bleiben. Pauschale Aussagen reichen nicht aus. Mitglieder, Partner und politische Akteure erwarten klare Leistungsversprechen und eine transparente Positionierung.
Prävention wird zum strategischen Thema
Der wachsende Stellenwert von Gesundheit und Prävention könnte für die Branche zu einem entscheidenden Hebel werden. Denn Fitnessanlagen erreichen bereits Millionen Menschen regelmäßig. Damit verfügen sie über eine Reichweite, die für Gesundheitsförderung relevant sein kann.
Gleichzeitig ist die Einordnung der Branche im Gesundheitskontext noch nicht abgeschlossen. Fitnessstudios und Gesundheitsanlagen müssen stärker vermitteln, welchen Beitrag sie tatsächlich leisten können. Es geht dabei nicht nur um mehr Mitglieder, sondern auch um gesellschaftliche Anerkennung und politische Sichtbarkeit.
Prof. Sarah Kobel, Leiterin Wissenschaft und Forschung der Deutschen Hochschule für Prävention und Gesundheitsmanagement, sieht in der gemeinsamen Betrachtung der drei Ländermärkte eine wichtige Grundlage. Die Studie zeige die Stärken der einzelnen Märkte. Zusammengedacht entstehe daraus eine gemeinsame Richtung für die Branche. Wirtschaftliches Wachstum, Qualität und Vertrauen seien zentrale Säulen einer professionellen und gesellschaftlich wie politisch anerkannten Fitness- und Gesundheitsbranche.
Auch Janosch Marx, Vorstandsmitglied des DSSV e.V. in Deutschland, verweist auf die Bedeutung klarer Differenzierung. Eine transparente Positionierung der Anbieter sei entscheidend für mehr Sichtbarkeit, Glaubwürdigkeit und politische Stärke im deutschsprachigen Raum.
Was die Zahlen für den Markt bedeuten
Für Unternehmer, Betreiber und Investoren liefern die Zahlen mehrere Hinweise. Erstens wächst die Nachfrage in allen drei Ländern. Zweitens steigen die Umsätze. Drittens nimmt der Wettbewerb zu, weil sich Angebote stärker nach Zielgruppen und Nutzenversprechen unterscheiden müssen.
Damit wird der Markt professioneller. Erfolgreich werden vor allem jene Anbieter sein, die ihre Positionierung schärfen und ihre Qualität verständlich machen. Das gilt für große Ketten ebenso wie für spezialisierte Studios oder gesundheitsorientierte Anbieter.
Auch für Verbände und politische Akteure sind die Ergebnisse relevant. Mehr als 15 Millionen Mitglieder zeigen, dass die Branche breite Teile der Bevölkerung erreicht. Daraus kann mehr Gewicht in Debatten rund um Prävention, Bewegung und langfristige Gesundheitsförderung entstehen.
Christian Hörl, Branchensprecher Fitness aus Österreich, betont in diesem Zusammenhang die Bedeutung fundierter Markt- und Konsumentenstudien. Gerade in einem wachstumsstarken Markt seien belastbare Daten notwendig, um Entwicklungen sichtbar zu machen und die Branche strategisch, gesellschaftlich und politisch weiterzuentwickeln.
Marcus Schwedhelm, Präsident von swiss active in der Schweiz, verweist ebenfalls auf den wachsenden Stellenwert gesundheitsorientierter Angebote. Die DACH-Studie mache deutlich, dass qualifizierte Betreuung im gesamten deutschsprachigen Raum an Relevanz gewinnt.
Studie schafft Vergleichbarkeit im DACH-Raum
Die "Eckdaten der Fitnesswirtschaft DACH 2026" wurden unter wissenschaftlicher Leitung der Deutschen Hochschule für Prävention und Gesundheitsmanagement und der SAFS Hochschule erstellt. Sie bündeln Mitglieder-, Umsatz-, Anlagen- und Strukturkennzahlen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz.
Der besondere Wert liegt in der harmonisierten Betrachtung. Die drei Märkte lassen sich dadurch besser vergleichen. Für Unternehmen, Verbände und Entscheidungsträger entsteht eine gemeinsame Datenbasis, die über nationale Einzelbetrachtungen hinausgeht.
Die zentrale Erkenntnis lautet: Die Fitnessbranche steht im DACH-Raum auf Rekordniveau. Doch die eigentliche Entwicklung liegt nicht nur in höheren Mitgliederzahlen. Der Markt verändert seine Rolle – vom klassischen Trainingsanbieter hin zu einem relevanten Teil der Gesundheitswirtschaft.
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