Löwen in der Krise
TSV 1860 München: Alfons Schuhbecks Insolvenzverwalter übernimmt

| Redaktion 
| 25.06.2026

Der TSV 1860 München steht vor dem tiefsten Einschnitt seiner jüngeren Vereinsgeschichte: Nach dem verpassten Erhalt der Drittliga-Lizenz und dem endgültigen Bruch zwischen Verein und Investor Hasan Ismaik hat die Profiabteilung Insolvenz angemeldet. Mit Dr. Max Liebig begleitet dabei offenbar ein Insolvenzverwalter die Sanierung, der bereits einen anderen bundesweit beachteten Fall betreut hat.

Als Münchner Fußballfan ist man existenzbedrohende Krisen durchaus gewohnt – zumindest, wenn das eigene Herz für die Löwen und nicht für den Rekordmeister schlägt. Während es vor 20 Jahren jener FC Bayern war, der TSV 1860 München durch den Ankauf von Stadionanteilen aus der Patsche geholfen hat, kam dem Traditionsverein im Jahre 2011 der Einstieg von Investor Hasan Ismaik zur Rettung.

Anderthalb Jahrzehnte später ist es diese Zusammenarbeit, die am Dienstagabend zum Insolvenzantrag geführt hat, den die TSV München von 1860 GmbH & Co. KGaA mehreren Medienberichten zufolge beim Münchner Amtsgericht eingereicht hat.

In den Wochen zuvor durchliefen die Löwen eine dramatische Abwärtsspirale: Statt des ursprünglich erhofften Aufstiegs aus der 3. Liga stand am Saisonende der Zwangsabstieg in die Regionalliga Bayern, da 2,7 Millionen Euro Liquidität für die Drittliga-Lizenz fehlen.

Tischtusch zwischen Verein und Investor zerschnitten

Kern der Krise ist ein langjähriger Konflikt zwischen Verein und Investor. Im Mai kündigte Hasan Ismaik (beziehungsweise seine Holding HAM) mehrere bestehende Darlehensverträge, wobei Verstöße der Geschäftsführung gegen Berichterstattungspflichten oder mangelnde Transparenz unter anderem zur Begründung angeführt wurden.

Ismaik knüpfte weitere Unterstützung an diverse Bedingungen, zu denen unter anderem der Verzicht des Vereins auf Vorkaufsrechte bei Anteilen gehörte. Anfang des Monats löste 1860 den Kooperationsvertrag aus wichtigem Grund mit sofortiger Wirkung auf und kündigte an, sich auf die Regionalliga vorzubereiten.

Erneut stehen den Fans von 1860 angespannte Zeiten bevor (Bild: Brauer Photos / G. Nitschke)
Erneut stehen den Fans von 1860 angespannte Zeiten bevor (Bild: Brauer Photos / G. Nitschke)

In einem langen Instagram-Posting vom Mittwoch, das keinen direkten Bezug auf den Insolvenzantrag nimmt, fordert der Hasan Ismaik "eine vollständige und transparente rechtliche Aufarbeitung" – die Causa dürfte Verein und Investor insgesamt noch eine Weile beschäftigen.

Max Liebig ist zuständiger Insolvenzverwalter

Wie es kurzfristig bei den Löwen weitergeht, fasst sechzger.de zusammen. Zunächst hat das unabhängige Fanportal in Erfahrung gebracht, dass das Münchner Amtsgericht mit Dr. Max Liebig einen durchaus prominenten Diplom-Kaufmann als Insolvenzverwalter bestellt hat. Demnach sollen erste Gespräche mit den Vereinsverantwortlichen bereits gesucht worden sein.

Gewisse Bekanntheit über seine Branche hinaus erlangte Liebig, als er in selber Funktion beim Insolvenzverfahren von Alfons Schuhbeck zum Einsatz kam. Auch in Gerichtsverfahren zur Sache tauchte Liebig auf; der berühmte Gastronom wiederum wurde unter anderem wegen Insolvenzverschleppung und Subventionsbetrug zu knapp über vier Jahren Haft verurteilt.

Gefängnisaufenthalte stehen im vorliegenden Fall von 1860 München zumindest nach aktuellem Stand nicht zur Debatte. Stattdessen berichtet sechzger.de, dass der Vereine bereits eine Mantel-GmbH erworben hat – eine Methode zur Zeitersparnis, da eine neue Firma für den Profibetrieb nicht von Grund auf hochgezogen werden muss, sondern in diesen Tagen kurzfristig neugestaltet und umbenannt werden kann.

Unter welchem Geschäftsführer oder Namen die sportliche Zukunft in der Regionalliga und unter Insolvenzverwaltung der KGaA gerettet werden soll, ist aktuell noch nicht durchgesickert.

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