KI in der Arbeitswelt
Botsitting statt Produktivität? Mitarbeiter verlieren jede Woche 6,4 Stunden an KI

Künstliche Intelligenz sollte uns Arbeit abnehmen. Stattdessen verbringen viele Beschäftigte inzwischen einen beträchtlichen Teil ihrer Arbeitszeit damit, die KI zu überwachen. Für dieses neue Phänomen gibt es bereits Buzzword: Botsitting.

Gemeint ist die Betreuung von KI-Systemen, die eigentlich selbstständig arbeiten sollen. Nutzer liefern zusätzliche Informationen, korrigieren Fehler, überprüfen Ergebnisse und greifen ein, wenn die Maschine in die falsche Richtung läuft.

Laut einer aktuellen Untersuchung des Softwareunternehmens Glean unter 6.000 Vollzeitbeschäftigten in den USA, Großbritannien und Australien investieren Angestellte dafür durchschnittlich 6,4 Stunden pro Woche – fast einen kompletten Arbeitstag.

Die KI arbeitet – der Mensch kontrolliert

Die ursprüngliche Vision war klar: KI sollte Routineaufgaben übernehmen und Menschen mehr Freiraum für kreative und strategische Tätigkeiten verschaffen. In der Praxis sieht das oft anders aus.

Viele Beschäftigte berichten, dass sie einen erheblichen Teil ihrer Zeit damit verbringen, Prompts zu verfeinern, Ergebnisse zu kontrollieren oder KI-generierte Inhalte nachzubessern. Statt selbst zu arbeiten, beaufsichtigen sie die Arbeit ihrer digitalen Helfer. Das Problem: Je komplexer KI-Agenten werden, desto wichtiger wird die menschliche Kontrolle.

Wenn die KI müde macht

Parallel dazu beobachten Forscher ein weiteres Phänomen: mentale Erschöpfung durch intensive KI-Nutzung.

Eine Untersuchung der Boston Consulting Group (BCG) unter rund 1.500 US-Beschäftigten zeigt, dass viele Nutzer über Konzentrationsprobleme, mentale Überlastung und Kopfschmerzen klagen. In Fachkreisen kursiert dafür bereits der Begriff "AI Brain Fry".

Der Grund: Wer ständig zwischen verschiedenen KI-Tools wechselt, Ergebnisse überprüft und neue Anweisungen formuliert, beansprucht sein Gehirn dauerhaft. Ausgerechnet Technologien, die Arbeit erleichtern sollen, können dadurch zusätzlichen Stress erzeugen.

Produktiver – aber nicht unbedingt effizienter

Besonders bemerkenswert ist ein weiteres Ergebnis der Glean-Studie.

Zwar gaben 75 Prozent der Befragten an, durch KI schneller arbeiten zu können. Gleichzeitig sahen jedoch nur 13 Prozent eine tatsächliche Verbesserung der Produktivität ihres Unternehmens. Mit anderen Worten: Viele Mitarbeiter sparen Zeit bei einzelnen Aufgaben. Der große Effizienzsprung für Organisationen bleibt bislang jedoch oft aus.

Gesundheitswesen als Vorzeigebeispiel

Ganz anders fällt das Bild im Gesundheitsbereich aus. Der Philips Future Health Index 2026 zeigt, dass medizinische Fachkräfte deutlich stärker von KI profitieren. Fast die Hälfte der befragten Anwender spart durch den Einsatz entsprechender Systeme jährlich rund 132 Arbeitsstunden – das entspricht etwa 16 Arbeitstagen.

Viele nutzen die gewonnene Zeit für die Betreuung zusätzlicher Patienten. Gleichzeitig berichten zahlreiche Fachkräfte von weniger Stress und einer höheren Sicherheit bei Diagnosen und Behandlungen.

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