Hitze am Arbeitsplatz
Arbeiten bei 40 Grad? Wenn Hitze im Job zum Belastungstest wird

| Redaktion 
| 22.06.2026

Deutschland steht vor einer außergewöhnlich heißen Woche. Meteorolog:innen erwarten regional Temperaturen von bis zu 40 Grad. Die angekündigte Hitzewelle könnte damit zu den intensivsten des bisherigen Jahres zählen. Mit den steigenden Temperaturen wächst die Belastung nicht nur für Beschäftigte, sondern auch für Unternehmen. Von sinkender Produktivität über gesundheitliche Risiken bis hin zu arbeitsrechtlichen Fragen stellt die Extremhitze viele Betriebe vor Herausforderungen, auf die sie vorbereitet sein müssen.

Die bevorstehende Hitzewelle dürfte in zahlreichen Regionen Deutschlands den Arbeitsalltag beeinflussen. Während klimatisierte Büros vergleichsweise gut auf hohe Temperaturen reagieren können, geraten Baustellen, Produktionshallen, Lagerzentren und andere Arbeitsplätze ohne ausreichende Kühlung zunehmend unter Druck. Für Unternehmen geht es dabei längst nicht mehr nur um das Wohlbefinden der Belegschaft. Hitze kann die Leistungsfähigkeit beeinträchtigen, Unfallrisiken erhöhen und betriebliche Abläufe erschweren.

Wenn Hitze zum Wirtschaftsrisiko wird

Extreme Temperaturen haben unmittelbare Auswirkungen auf die Arbeitswelt. Arbeitsmediziner:innen weisen seit Jahren darauf hin, dass Konzentration, Belastbarkeit und Leistungsfähigkeit bei großer Hitze nachlassen können. Gleichzeitig steigt das Risiko für Erschöpfung, Kreislaufprobleme und Arbeitsunfälle.

Besonders betroffen sind:

  • Bauwirtschaft und Handwerk
  • Logistik- und Transportunternehmen
  • Industrie- und Produktionsbetriebe
  • Pflege- und Gesundheitsberufe
  • Außendienst und kommunale Dienste
  • Büros ohne Klimatisierung oder ausreichenden Sonnenschutz

Für viele Unternehmen wird die Hitzewelle damit auch zu einer wirtschaftlichen Herausforderung. Arbeitsabläufe müssen angepasst, Pausen neu organisiert und teilweise sogar Einsatzpläne verändert werden. Hinzu kommt, dass längere Hitzeperioden inzwischen keine Ausnahme mehr darstellen, sondern zunehmend Teil des betrieblichen Alltags werden.

Welche Regeln am Arbeitsplatz gelten

Ein generelles Recht auf Hitzefrei gibt es in Deutschland nicht. Ebenso existiert keine gesetzlich festgelegte Höchsttemperatur, ab der Beschäftigte automatisch die Arbeit einstellen dürfen. Arbeitgeber sind jedoch verpflichtet, Gefährdungen für Sicherheit und Gesundheit möglichst zu vermeiden. Konkretisiert wird dies unter anderem durch die Technischen Regeln für Arbeitsstätten (ASR A3.5).

Die häufig genannten Temperaturgrenzen dienen dabei vor allem als Orientierung:

  • Ab 26 Grad Celsius werden Maßnahmen empfohlen.
  • Ab 30 Grad Celsius sollten zusätzliche Schutzmaßnahmen geprüft werden.
  • Ab 35 Grad Celsius kann ein Raum ohne weitere Schutzvorkehrungen als ungeeignet gelten.

Wichtig ist jedoch: Die Arbeitsstättenverordnung und die ASR schreiben Unternehmen nicht für jede Temperatur konkrete Maßnahmen vor. Welche Schritte ergriffen werden, hängt von den jeweiligen Arbeitsbedingungen und der Gefährdungsbeurteilung ab. Betriebe verfügen dabei über Gestaltungsspielräume, müssen aber den Gesundheitsschutz ihrer Beschäftigten sicherstellen.

Zu den häufig empfohlenen Maßnahmen zählen Sonnenschutz an Fenstern, zusätzliche Getränke, angepasste Lüftungskonzepte, flexible Arbeitszeiten oder zusätzliche Erholungspausen.

Beschäftigte im Freien stehen vor besonderen Belastungen

Besonders herausfordernd ist die Situation für Menschen, die überwiegend im Freien arbeiten. Dazu zählen etwa Beschäftigte auf Baustellen, in der Zustellung, im Straßenbau oder im kommunalen Bereich.

Seit 2025 gelten ergänzende Empfehlungen des Ausschusses für Arbeitsstätten (ASTA) für Arbeitsplätze im Freien. Dabei wird nicht allein die Lufttemperatur berücksichtigt. Auch Sonneneinstrahlung, Luftfeuchtigkeit und Wind spielen eine Rolle. Empfohlen werden unter anderem Schattenplätze, ausreichende Trinkwasserversorgung, angepasste Pausenregelungen und die Verlagerung körperlich belastender Tätigkeiten in die kühleren Morgenstunden.

Die aktuelle Hitzewelle zeigt, dass gerade für diese Berufsgruppen die Auswirkungen extremer Temperaturen weit über eine Frage des Komforts hinausgehen.

Manche Unternehmen denken bereits weiter

Während die aktuelle Hitzewelle vielerorts kurzfristige Maßnahmen erforderlich macht, investieren einige Unternehmen bereits in langfristige Lösungen. Begrünte Dächer, verschattete Innenhöfe, moderne Kühlsysteme oder intelligente Gebäudesteuerungen sollen dazu beitragen, Arbeitsplätze auch bei extremen Temperaturen nutzbar zu halten.

Zu den Maßnahmen, die zunehmend umgesetzt oder geprüft werden, gehören:

  • Dach- und Fassadenbegrünungen
  • zusätzliche Grünflächen auf Firmengeländen
  • moderne Beschattungssysteme
  • hitzeresistente Bauweisen bei Neubauten
  • intelligente Belüftungs- und Kühlsysteme
  • flexible Arbeitszeitmodelle während Hitzeperioden

Für viele Betriebe geht es dabei nicht nur um den Arbeitsschutz. Ebenso relevant sind Produktivität, Energieeffizienz, Mitarbeiterzufriedenheit und die Frage, wie Standorte langfristig widerstandsfähiger gegenüber Extremwetterlagen werden können.

Hitzeschutz wird zur Managementaufgabe

Die aktuelle Wetterlage zeigt, dass Unternehmen sich zunehmend auf häufigere und intensivere Hitzeperioden einstellen müssen. Was lange als kurzfristiges Sommerproblem galt, entwickelt sich für viele Betriebe zu einer dauerhaften Managementaufgabe.

Dabei geht es nicht allein um die Einhaltung rechtlicher Rahmenbedingungen. Ebenso relevant sind Fragen der Produktivität, der Mitarbeitergesundheit und der Arbeitgeberattraktivität. Unternehmen, die frühzeitig auf geeignete Schutz- und Anpassungsmaßnahmen setzen, können Ausfallzeiten reduzieren und ihre Belegschaft besser durch extreme Wetterlagen führen.

Die aktuelle Hitzewelle zeigt, dass Unternehmen sich zunehmend auf häufigere und intensivere Hitzeperioden einstellen müssen. Was lange als kurzfristiges Sommerproblem galt, entwickelt sich für viele Betriebe zu einer dauerhaften Managementaufgabe. Die Temperaturen dieser Woche werden wieder sinken. Die Frage, wie Unternehmen mit immer häufigeren Hitzeperioden umgehen, dürfte jedoch bleiben.

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