Dort, wo Internet aus dem All die einzige alltagstaugliche Lösung ist, mussten viele Kunden steigende Preise oder verringerte Leistungen bislang einfach hinnehmen. Doch nun steht die Konkurrenz in den Startlöchern.
Amazon Leo plant seinen Launch für den Privatkundenmarkt noch in diesem Jahr. Der Konzern stellt höhere Download- und Upload-Geschwindigkeiten sowie günstigere Preise als Starlink in Aussicht.
Bis zu 1Gbit/s Download mit Amazon Leo angekündigt
Die geplanten Angebote von Amazon Leo könnten Starlink tatsächlich in den Schatten stellen. Aktuell stellt der US-Konzern drei Optionen in Aussicht. Für nicht allzu anspruchsvolle Kunden in Sachen Internetgeschwindigkeit soll es das Nano-Paket geben mit 100 Mbit/s Download.
Das nächstgrößere Paket bei Amazon Leo ist Pro mit 400 Mbits/s im Download. Und das aktuell stärkste Angebot soll ganze 1Gbit/s im Download und 400 Mbit/s im Upload bieten. Damit dürfte Amazon nicht nur Starlink weit hinter sich lassen, sondern auch eine ernsthafte Konkurrenz oder Alternative zu den stärksten Glasfaser-Angeboten in Deutschland werden.
Die meisten Haushalte kommen in der Regel aber mit deutlich weniger Geschwindigkeit zurecht, ohne mit langen Ladezeiten oder Ähnlichem konfrontiert zu werden. Selbst für Home Office mit vereinzelten Videokonferenzen oder regelmäßiges Streaming reichen für die meisten Menschen 200 bis 300 Mbit/s durchaus aus.
Mehr wird allerdings oft benötigt, wenn viele Personen im Haushalt gleichzeitig hohe Ansprüche an das Internet stellen. Eine Person arbeitet im Home Office, lädt große Dateien in die Cloud oder nimmt an einer Videokonferenz teil.
Gleichzeitig startet jemand anderes ein großes Software Update oder lädt ein neues Spiel herunter. Dadurch kann die verfügbare Verbindung spürbar stärker belastet werden.
Kommt gleichzeitig noch Online Gaming hinzu oder werden anspruchsvolle Online Slots wie Razor Shark gespielt, während parallel eine Serie in hoher Auflösung gestreamt wird, entstehen mehrere datenintensive Vorgänge zur selben Zeit.
In solchen Momenten sorgt eine höhere Geschwindigkeit nicht nur für kürzere Ladezeiten, sondern vor allem für mehr Stabilität im gesamten Haushalt.
Ungefragt heruntergestuft: Verärgerung bei vielen Starlink-Kunden
Vielerorts wird Amazon Leo aber nicht nur wegen der besonders hohen Geschwindigkeit sehnlichst erwartet. Viele Starlink-Kunden erwägen bereits jetzt, auf Amazon Leo umzusteigen, obwohl der Dienstleister noch nicht mal seine Preise bekannt gegeben hat. Grund dafür ist eine im Frühjahr dieses Jahres erfolgte Umstellung bei Starlink.
Der Tech-Gigant rund um Elon Musk hat nämlich seine Produkte neu platziert und harte Grenzen für die Geschwindigkeit festgelegt. Wie genau Kunden betroffen sind, variiert von Land zu Land. In Deutschland gab es vorher einen Standardtarif mit variabler Geschwindigkeit zwischen 100 und 400 Mbit/s je nach Standort und Auslastung.
In anderen Ländern, beispielsweise in Italien, gab es Residential Light mit 100 Mbit/s und Residential Standard mit 400 Mbit/s. Nun vereinheitlicht Starlink seine Angebote mehr und bietet drei Produkte: 100 Mbit/s, 200 Mbit/s und 400 Mbit/s. Die 400 Mbit/s sind nun nur noch im teuersten Max-Paket verfügbar.
Außerhalb von Deutschland wurden Kunden ungefragt heruntergestuft, von 400 Mbit/s auf 200 Mbit/s, ohne dass der Preis ihres bestehenden Abos groß geändert wurde. Praktisch gab es einen Nachlass von 1 € pro Monat. Wer nun die gleiche Geschwindigkeit nutzen möchte wie vorher, muss sein Abo upgraden und gut 25 € mehr im Monat zahlen.
Für viele der Betroffenen gibt es aktuell keine Alternative zu Starlink. In einschlägigen Foren und Gruppen in den sozialen Medien wird daher hitzig über die Umstellung diskutiert und gleichzeitig dem Start von Amazon Leo entgegengefiebert.
Mehr als 3.000 Satelliten von Amazon geplant
Für sein Internet aus dem All hat Amazon große Pläne. Nach einer leichten Verzögerung beim Start hat Amazon inzwischen bereits mehrere Hundert Satelliten im Orbit platziert. Bis Ende Juli soll zirka die Hälfte aller Satelliten, 1.618 an der Zahl, um die Erde schweben. Insgesamt sind zunächst 3.236 Internet-Satelliten geplant.
Damit liegt Amazon Leo zunächst noch deutlich hinter Starlink, welcher aktuell zwischen 8.000 und 10.000 aktive Satelliten im Einsatz hat. Zu den ersten Kunden von Amazon Leo könnten insbesondere Geschäftskunden gehören. Laut Amazon hätten bereits verschiedene Unternehmen und staatliche Stellen Interesse signalisiert.
Dazu zählen die US-Fluglinien Delta Air Lines und JetBlue, die US-Raumfahrtbehörde NASA, die Telekommunikationsunternehmen AT&T und Vodafone sowie das australische National Broadband Network.
Kommt das Zeitalter des Satelliten-Internets?
Doch auch Privatkunden sollen so schnell wie möglich Zugang zu Amazon Leo erhalten. Aktuell können sich Interessenten auf der Website des Dienstes für die Liste anmelden, um zunächst aktuelle Updates per E-Mail zu erhalten. Wann die genauen Abos und Preise für Privatkunden vorgestellt werden, ist noch nicht bekannt.
Insgesamt wird das Internet aus dem All als Alternative jedoch zunehmend beliebter. Wer eher ländlich lebt oder auch mit dem eigenen Camper auf Reisen ist, findet mit dem Satelliten-Internet eine praktische und potenziell mobile Lösung für schnelles Internet.
Darüber hinaus haben Produkte wie Starlink oder Amazon Leo noch einen weiteren klaren Vorteil. Ausfälle sind äußerst selten und wer parallel auf Solarbetrieb setzt, kann auch im Falle von flächendeckenden Stromausfällen weiterhin verbunden bleiben.
Allerdings verbrauchen die Router und Flachantennen von Starlink deutlich mehr Strom als beispielsweise eine Standard-Fritzbox. Je nach Modell werden 30 bis 75 Watt verbraucht, während ein klassisches Modem eher bei 8 bis 12 Watt liegt.
Mit einer solarbetriebenen Power Station, wie beispielsweise bei einem sogenannten Balkon-Kraftwerk, kann man die Geräte dennoch ohne Probleme über mehrere Stunden betreiben, auch bei gleichzeitig angeschlossenem Laptop.
Wettbewerb belebt das Geschäft
Ein echter Massenmarkt wird Satelliten-Internet aber erst dann, wenn Preis, Leistung und Verfügbarkeit dauerhaft zusammenpassen. Der zu erwartende Wettbewerb zwischen Starlink und Amazon Leo dürfte diese Entwicklung stark befeuern.
Starlink hat den Markt aufgebaut und bewiesen, dass schnelles Internet aus dem All im Alltag funktioniert. Amazon Leo muss nun zeigen, ob es diese Leistung günstiger, schneller oder stabiler anbieten kann. Für Verbraucher wäre echter Wettbewerb in jedem Fall ein Gewinn.
Denn sobald es mehr als einen starken Anbieter gibt, steigt der Druck auf Preise, Servicequalität und technische Weiterentwicklung. Davon profitieren am Ende vor allem Haushalte, die bislang kaum Alternativen haben.