Miss Germany 2026
Wieso Rosemondy miese TV-Quoten egal sein können

| Redaktion 
| 08.03.2026

Bei der diesjährigen Wahl der Miss Germany hat sich Dua "Rosemondy" Fares aus Herne gegen mehr als 2600 Bewerberinnen durchgesetzt – nicht zuletzt dank ihrer Reichweite als aufstrebende Twitch-Streamerin. Gerade angesichts mauer Zuschauerzahlen im linearen Fernsehen wird dadurch auch unterstrichen, wie sie mediale Relevanz immer stärker in den digitalen Raum verlagert.

Nach über 20 Jahren im Europa-Park wurde Rust am vergangenen Samstagabend als Austragungsort des Miss-Germany-Finales abgelöst: In den Bavaria Studios nahe München machten die letzten neun aus insgesamt über 2600 Bewerberinnen das Rennen um den traditionsreichen Titel untereinander aus.

Anders als einst versteht sich Miss Germany seit einer grundlegenden Reformierung vor sieben Jahren nicht mehr als Schönheitswettbewerb, sondern als Plattform für Frauen, die sich etwa durch soziale Projekte, Aktivismus oder Unternehmertum auszeichnen. Entsprechend selektierte eine Fachjury zunächst drei Siegerinnen in separaten Kategorien:

  • Female Founder: Amelie Reigl aus Würzburg gründete ein Biotech-Projekt zur laborbasierten Züchtung menschlicher Hautmodelle, um Tierversuche zu ersetzen

  • Female Leader: Anne Bäumler aus Assenheim verantwortet als Führungskraft bei einer Drogeriekette ein Team von über 800 Mitarbeitenden

  • Female Mover: Rosemondy aus Herne ist als Streamerin auf Twitch aktiv und fällt dort als aufstrebende weibliche Persönlichkeit mit Gaming-Bezug auf

Die letztliche Miss Germany wurde durch ein Voting unter dem TV-Publikum bestimmt. Hier dürfte sich als Vorteil für Rosemondy erwiesen haben, dass sie fast achtmal so viele Twitch-Abonnenten hat wie das Miss-Germany-Finale lineare Zuschauer:

DWDL berichtet, dass etwa 40.000 Menschen zur besten Sendezeit auf Sixx dabei waren, von denen wiederum nur ein Viertel in die Gruppe der  besonders werberelevanten 14- bis 49-jährigen fällt. Der Marktanteil für die Übertragung beläuft sich entsprechend auf "sehr überschaubare 0,2 Prozent".

In jedem Fall wurde die sichtlich gerührte Rosemondy zur diesjährigen Miss Germany gekürt, die sich in einer ersten Reaktion "überrempelt" und "einfach voller Emotionen" beschrieb. Gänzlich fremd sind ihr Auszeichnungen keinesfalls, schließlich wurde sie erst im vergangenen Dezember als Beste Newcomerin bei den Streamawards 2025 geehrt.

Während Siegerinnen vergangener Jahre ihren Miss-Germany-Gewinn mitunter als Sprungbrett in neue Karrierebereiche nutzten, scheint die Lage inzwischen beinahe umgekehrt: Der Triumph von Rosemondy dürfte dem Wettbewerb gerade auf digitaler Ebene deutlich mehr (positive) Aufmerksamkeit beschert haben, als er ohne das Interesse der deutschen Streaming-Community genossen hätte.

Für Rosemondy spielt die schlechte TVQuote derweil keine allzu große Rolle, weil ihr Erfolg vor allem von jener Online-Gemeinschaft und ihrer digitalen Reichweite abhängt. Die MissGermanyWahl dient aus geschäftlicher Sicht primär als viraler Boost für die eigene Persönlichkeitsmarke, durch den sich mit Leichtigkeit neue Follower oder Kooperationen generieren lassen dürften.

Das ist Rosemondy

Wie angedeutet versammelt Rosemondy, die bürgerlich Dua Fares heißt, fast 280.000 Follower auf Twitch, wo sie üblicherweise montags, mittwochs und sonntags streamt.

Sie wurde in Syrien geboren und ist inzwischen in Herne zuhause, wo ihre unternehmerischen Ambitionen rund um einen Kosmetiksalon durch die Corona-Ausnahmezustände ausgebremst wurden. Daraufhin wandte sie sich vermehrt dem Streaming zu.

Viele Übertragungen der 26-jährigen fallen in die Just Chatting-Kategorie; sprich Streams, in denen lose Interaktion mit dem eigenen Publikum im Fokus steht.

Mit "Minecraft", "Fortnite", "World of Warcraft" oder "Among Us" gehören ihre am häufigsten gespielten Videospiele nicht unbedingt zu jenen, die unumstößlich als Männerdomäne gelten – Rosemondys Ausführungen zu wahrgenommenem Sexismus in ihrem Branchenumfeld haben sie für die zuständige Jury offenbar dennoch zur hervorragenden Repräsentantin gemacht.

"Ein Mann darf ehrgeizig und direkt sein und ist dann der Big Boss", gab Rosemondy am Samstag auf der Bühne der Bavaria Studios zu bedenken. "Und wir Frauen? Wir sind dann nicht der Big Boss, sondern die Big Diva. Wisst ihr, was wir Frauen sind? Wir sind stark. Wir arbeiten hart. Wir schenken Leben und geben alles. Und wofür? Wir werden nicht mal nach unserer Leistung bewertet, sondern anhand unseres Aussehens", zitiert die Bild beispielweise.

Schon 2024 nahm Rosemondy im Übrigen am Miss-Germany-Wettbewerb teil, musste sich schlussendlich allerdings aus gesundheitlichen Gründen zurückziehen – ihr lange verfolgtes Ziel konnte sie am Samstag also mit etwas Verspätung endlich erreichen.

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