Autonomes Fahren
Mercedes wagt den Schritt ins Robotaxi-Geschäft

| Redaktion 
| 09.12.2025

Ein fahrerloses Premium-Taxi in der Wüste: Mercedes-Benz testet erstmals in Abu Dhabi eine autonome Version der S-Klasse im regulären Straßenverkehr. Unterstützt wird der Hersteller dabei vom chinesischen Tech-Unternehmen Momenta und dem lokalen Mobilitätsdienstleister Lumo.

Der gemeinsam mit Momenta entwickelte Robotaxi-Service in Abu Dhabi markiert einen neuen Schritt in der Erprobung hochautomatisierter Fahrsysteme nach SAE-Level 4. Zum Einsatz kommt die Mercedes-Benz S-Klasse, betrieben von Lumo, einer Tochter des Technologieunternehmens K2. Das Projekt ergänzt bestehende Initiativen in China und soll als Grundlage für weitere internationale Anwendungen dienen.

Pilotbetrieb auf öffentlichen Straßen

Im Rahmen einer ersten Pilotphase werden S-Klassen mit spezieller Sensorik in Abu Dhabi eingesetzt – zunächst auf ausgewählten Straßen unter kontrollierten Bedingungen. Der Fahrbetrieb erfolgt dabei vollständig fahrerlos: Die Fahrzeuge sind auf SAE-Level 4 ausgelegt und benötigen keinen menschlichen Eingriff, solange sie sich innerhalb definierter Betriebszonen bewegen.

Die eingesetzte Technologie kombiniert LiDAR, Radar, hochauflösende Kameras und eine softwarebasierte Entscheidungsarchitektur, die in Echtzeit auf Verkehrs- und Umgebungsdaten reagiert. Entwickelt wurde das System vom Mercedes-Benz Partner Momenta, der auf skalierbare Lösungen für autonomes Fahren spezialisiert ist. Die Datenauswertung erfolgt lokal im Fahrzeug – ein wichtiger Aspekt für schnelle Reaktionszeiten und Systemsicherheit.

Lokaler Partner übernimmt Betrieb und Logistik

Der operative Betrieb der Fahrzeuge liegt beim lokalen Anbieter Lumo, einer Tochtergesellschaft des Technologieunternehmens K2. Das Unternehmen verfügt über eine Zulassung für den Betrieb autonomer Fahrzeuge in den Vereinigten Arabischen Emiraten und übernimmt in Abu Dhabi die Flottenkoordination sowie Wartung und Einsatzplanung.

Die Partnerschaft mit Lumo ist strategisch bedeutsam: Sie ermöglicht es Mercedes-Benz, das System nicht nur technisch, sondern auch organisatorisch unter realen Bedingungen zu testen – inklusive Kundeninteraktion, städtischer Infrastruktur und behördlicher Regulierung.

Testregion mit optimalen Rahmenbedingungen

Die Vereinigten Arabischen Emirate, insbesondere Abu Dhabi, gelten als technologieoffen und bieten günstige Rahmenbedingungen für Innovationsprojekte im Mobilitätsbereich. Klare gesetzliche Regelungen für autonome Fahrzeuge, gute Infrastruktur und politisches Interesse an Zukunftstechnologien machen die Region attraktiv für internationale Pilotversuche.

Für Mercedes-Benz ist das Projekt Teil einer übergeordneten Strategie: Neben Testreihen in China – beispielsweise auf öffentlichen Straßen in Peking – sollen neue Märkte erprobt werden, um die globale Skalierbarkeit automatisierter Fahrdienste voranzutreiben.

"Mit einem S-Klasse Robotaxi legen wir die Messlatte für automatisierte Mobilität höher. Wir kombinieren dabei Sicherheit mit Komfort und setzen erneut neue Standards für die Branche weltweit", erklärt Jörg Burzer, Mitglied des Vorstands der Mercedes-Benz Group AG.

Perspektiven für internationale Skalierung

Ein konkreter Zeitplan für den Roll-out in Europa liegt bislang nicht vor. Allerdings prüft Mercedes-Benz laut eigenen Angaben auch weitere Einsatzmöglichkeiten in anderen Märkten. Parallel zur Zusammenarbeit mit Momenta verfolgt das Unternehmen auch Projekte auf Basis der Nvidia Drive AV Plattform sowie das hausinterne Betriebssystem MB.OS, das perspektivisch alle digitalen Funktionen in Mercedes-Fahrzeugen bündeln soll.

Die Wahl der S-Klasse als Plattform ist bewusst: Das Fahrzeug gilt als technologisches Flaggschiff und soll zeigen, dass autonomes Fahren nicht nur funktional, sondern auch im Premiumsegment realisierbar ist.

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