Architektonische Exzellenz
Shanghai Grand Opera House: Die neue Oper ist selbst die Sehenswürdigkeit

Ein Dach zum Spazierengehen, drei Bühnen und Platz für 4.200 Zuschauer: Shanghai hat ein Opernhaus eröffnet, das weit über sein Kulturprogramm hinaus Besucher anziehen soll. Der Entwurf von Snøhetta macht die Architektur zum öffentlichen Treffpunkt. Im November gastieren auch die Berliner Staatsoper und Christian Thielemann.

Wer Shanghais neues Opernhaus besucht, muss nicht unbedingt in den Zuschauerraum. Eine geschwungene Treppenanlage führt auf das Dach, wo eine weitläufige Landschaft zum Spazierengehen und zum Blick über den Huangpu-Fluss einlädt. Unten werden Opern gespielt, oben lässt sich die Stadt betrachten. Das Shanghai Grand Opera House soll beides ermöglichen: einen Abend auf der großen Bühne und einen Besuch, für den man sich nicht mit dem Spielplan beschäftigt haben muss.

Seit dem 17. Oktober 2026 ist das Haus am östlichen Ufer des Huangpu in Pudong eröffnet. Entworfen hat es das norwegische Architekturbüro Snøhetta gemeinsam mit dem East China Architectural Design & Research Institute (ECADI). Die Theaterplanung und Akustik übernahmen Theatre Projects und Nagata Acoustics.

Ein chinesischer Fächer wird zur Dachlandschaft

Die Form des Gebäudes greift einen aufgefalteten chinesischen Fächer auf. Helle Dachflächen laufen auseinander, eine spiralförmige Treppenanlage verbindet den Boden mit der oberen Ebene. Die öffentliche Dachplattform umfasst nach Angaben der Stadtverwaltung rund 10.000 Quadratmeter.

Sie ist ein wesentlicher Teil des Konzepts: Snøhetta sieht für die Dachlandschaft einen ganzjährigen öffentlichen Zugang rund um die Uhr vor. Restaurants, Ausstellungsflächen, Bildungsangebote und Verbindungen zum umliegenden Park ergänzen die Spielstätten. So soll das Gebäude auch dann genutzt werden, wenn auf den Bühnen gerade keine Vorstellung läuft. Die vorgesehene dauerhafte Zugänglichkeit der Dachlandschaft bedeutet allerdings keine durchgehende Öffnung sämtlicher Innenräume.

Drei Säle für unterschiedliche Formate

Im Inneren stehen insgesamt 4.200 Zuschauerplätze zur Verfügung. Sie verteilen sich auf drei Spielstätten:

  • Harmony Hall: Der größte Saal bietet 2.000 Plätze.
  • Soar Theatre: Die zweite Spielstätte verfügt über 1.200 Plätze.
  • Open Stage: Weitere 1.000 Plätze ergänzen das Angebot.

Hinzu kommt das Grand Atelier als Raum für Kunstvermittlung. Das Haus verbindet damit große Aufführungen und kleinere Veranstaltungsformate mit Angeboten, die einen breiten Zugang zu den darstellenden Künsten schaffen sollen.

Berlin gehört zum Eröffnungsprogramm

Für das deutsche Publikum bietet die erste Saison einen besonderen Anknüpfungspunkt: Die Staatsoper Unter den Linden bringt Richard Strauss’ Rosenkavalier nach Shanghai. Die Aufführungen unter der musikalischen Leitung von Christian Thielemann sind für den 8., 10. und 12. November 2026 angekündigt.

Bereits am 7. und erneut am 9. November stehen Rudolf Buchbinder und die Staatskapelle Berlin mit Beethovens fünf Klavierkonzerten auf dem Programm. Am 13. und 14. November folgen Yuja Wang und das Mahler Chamber Orchestra.

Die Eröffnungssaison "Born to Sing" läuft bis zum 20. Februar 2027. Angekündigt sind 47 Produktionen mit 82 Aufführungen sowie mehr als 100 Angebote zur Kunstvermittlung. Das Spektrum reicht von Oper und Konzert über Tanz bis zu traditionellen chinesischen Bühnenformen.

Ein Kulturhaus als Ziel für die ganze Stadt

Für die Stadtentwicklung ist vor allem die Symbiose der verschiedenen Nutzungen interessant: Wer wegen der Architektur kommt, kann eine Ausstellung besuchen oder verweilt in der Gastronomie. Wer eine Vorstellung gebucht hat, verbindet den Abend mit einem Spaziergang am Fluss. Das Haus schafft damit mehrere Anlässe für einen Besuch.

Laut Snøhetta sollen öffentliche Ebenen, Gastronomie, Ausstellungen und Bildungsangebote das Gebäude fest im Alltag der Metropole verankern. Der Spielplan ist ein hervorragender Grund, das Shanghai Grand Opera House zu besuchen – das Gebäude selbst ein weiterer.

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