Kampf um Gäste
Kreuzfahrt-Reedereien investieren Millionen in Frühbucher

| Redaktion 
| 21.09.2026

Der Kampf um Kreuzfahrtgäste beginnt so früh wie selten zuvor. Aida Cruises, TUI Cruises, MSC Cruises und Hurtigruten werben bereits mit Frühbuchervorteilen, flexiblen Konditionen und Extras um Reisende. Dahinter steht ein klarer Trend: Reisende entscheiden sich zunehmend früher für Kabine und Route – und machen die Frühbucherphase für die Branche immer wichtiger.

Die sogenannte Wave Season verändert sich. Statt einer klar begrenzten Buchungswelle zu Jahresbeginn werben Kreuzfahrt-Reedereien inzwischen bereits ab dem Spätsommer intensiv um Gäste für kommende Reisen. Gleichzeitig rücken Reisebüros stärker in den Mittelpunkt der Kampagnen.

Wie das Fachmedium touristik aktuell berichtet, investieren mehrere große Anbieter derzeit erheblich in Frühbucher- und Vertriebsmaßnahmen. MSC-Cruises-Vertriebschef Philipp Holzinger beschreibt die Wave Season mittlerweile als "weniger eine große Welle, sondern eher eine buchungsstarke Periode, in der Wellengänge stattfinden".

Der Trend trifft auf einen deutschen Kreuzfahrtmarkt, der zuletzt deutlich gewachsen ist. 2025 starteten rund 1,51 Millionen Menschen ihre Hochseekreuzfahrt von einem deutschen Hafen. Gegenüber dem Vorjahr entsprach das einem Plus von 4,1 Prozent.

MSC Cruises setzt auf Frühbucher

Ein Grund für den früheren Wettbewerb ist das Buchungsverhalten. Nach Angaben Holzingers entscheiden sich insbesondere Kund:innen bei höherwertigen Reisen früher. Neben dem Preis spielen dabei die gewünschte Kabinenkategorie und konkrete Routen eine Rolle.

MSC Cruises setzt bei seiner Frühbucherkampagne für Reisen von Sommer 2027 bis Sommer 2028 auf finanzielle Flexibilität. Bei Neubuchungen bis 22. Oktober sinkt die Anzahlung auf 50 Euro. Umbuchungen sind in fast allen Kategorien kostenfrei möglich. Bei einer Stornierung werden laut Unternehmen 50 Euro fällig.

Aida Cruises verbindet seine Frühbucheraktivitäten stärker mit dem Reisebürovertrieb. Der seit mehr als zehn Jahren durchgeführte "Super September" kombiniert Kundenansprache, Vertriebsaktivierung und Weiterbildung. Die Kampagne fällt in eine Phase, in der Aida Cruises nach 30 Jahren zugleich verstärkt in neue Antriebe, Digitalisierung und die Modernisierung seiner Flotte investiert.

Für Gäste gibt es beim "Super September" ein Bordguthaben von bis zu 300 Euro pro Kabine. Reisebüros können an einem Buchungswettbewerb teilnehmen. Rund 4.000 Agenturen registrierten sich bereits in der ersten Aktionswoche. Medienbudget und Gewinne liegen nach Unternehmensangaben im niedrigen siebenstelligen Euro-Bereich.

TUI Cruises erhöht Kampagnenbudget

Noch höher fällt die Investition bei TUI Cruises aus. Laut Vice President Commercial Clas Eckholt gibt die Reederei für ihre aktuelle Wave-Kampagne "mehr Geld denn je" aus. Das Gesamtbudget bewegt sich demnach im mittleren bis oberen einstelligen Millionenbereich.

Die wirtschaftliche Logik dahinter ist eine geringere Abhängigkeit vom kurzfristigen Geschäft. "Frühbuchung ist für uns weit mehr als ein Preisargument: Sie schafft Verlässlichkeit für unsere Gäste, unsere Vertriebspartner und für uns als Reederei", sagt Eckholt.

Bis zum Ende der Frühbucherphase am 30. September bewirbt TUI Cruises unter dem Motto "Jeder Moment eine Reise" Reisen für den Sommer 2027 im Nordland und Mittelmeer. Dazu gehören auch Fahrten mit der Mein Schiff Flow, die TUI Cruises 2026 als zweites Schiff der neuen InTUItion-Klasse an den Start gebracht hat. Als Testimonial der aktuellen Frühbucherkampagne setzt das Unternehmen auf Robbie Williams.

Parallel richtet sich die Aktion an Reisebüros. TUI Cruises stellt Material für die Schaufensterwerbung bereit und veranstaltet einen Buchungswettbewerb. Zu gewinnen gibt es eine Kreuzfahrt sowie Überraschungspakete mit Robbie-Williams-Merchandise.

Hurtigruten meldet mehr Vorausbuchungen

Auch Hurtigruten sieht einen deutlichen Trend zu früheren Buchungsentscheidungen. Marius Griego, Vice President Sales & Marketing DACH, spricht von einem "deutlich zweistellig prozentuellen Zuwachs" bei den Vorausbuchungen für 2027.

Die Reederei bewirbt deshalb bereits Abfahrten ab April kommenden Jahres. Die aktuellen Angebote umfassen Preisnachlässe von bis zu 25 Prozent auf Postschiff- und Signature-Reisen entlang der norwegischen Küste. Bei der Nordkap-Linie ist ein entsprechender Ausflug inkludiert, bei Spitzbergen-Reisen eine Hotel-Vorübernachtung in Bergen.

Die Kampagnen von Aida Cruises, TUI Cruises, MSC Cruises und Hurtigruten zeigen damit eine gemeinsame strategische Richtung: Die Kreuzfahrt-Reedereien versuchen, Nachfrage früher zu binden und gleichzeitig den Reisebürovertrieb zu aktivieren. Für Reisende bedeutet das, dass attraktive Kabinen, Routen und Konditionen immer früher in den Fokus rücken. Für Reisebüros steigt zugleich die Bedeutung der Frühbucherphase – und der Wettbewerb um Buchungen beginnt längst vor dem klassischen Jahresauftakt.

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