Electronic Arts vor Übernahme
Hinter dem Rekord-Deal steckt ein größerer Plan

| Redaktion 
| 17.07.2026

Die angedachte Übernahme von Electronic Arts für rund 55 Milliarden US-Dollar wird als größter fremdfinanzierter Unternehmenskauf überhaupt gehandelt und steht kurz davor, eine wichtige Hürde zu nehmen: Die EU will dem Deal offenbar ohne Auflagen zustimmen. Hinter dem Rekordgeschäft steht ein saudi-arabisch angeführtes Investorenkonsortium – und im Königreich verspricht man sich davon weit mehr als nur kommerziell erfolgreiche Games.

Bereits im vergangenen September sorgte die geplante Übernahme von Electronic Arts für Aufsehen: Ein Investorenkonsortium, angeführt vom saudi-arabischen Staatsfonds Public Investment Fund (PIF) und mit Beteiligung von Silver Lake oder Affinity Partners kündigte an, den 1982 in Kalifornien gegründeten Videospielkonzern für rund 55 Milliarden US-Dollar von der Börse nehmen zu wollen.

Zu den bekanntesten Marken des Unternehmens zählen der einst unter dem "FIFA"-Banner laufende Fußball-Marktführer "EA Sports FC", "Madden NFL", "Die Sims" oder populäre Online-Shooter wie die "Battlefield"-Reihe und "Apex Legends".

EU gibt grünes Licht

Nun bewältigt das Vorhaben offenbar eine weitere wichtige Hürde: Der Nachrichtenagentur Reuters zufolge will die Europäische Kommission die Übernahme sowohl nach den Vorschriften für ausländische Subventionen als auch im Rahmen der europäischen Fusionskontrolle ohne Auflagen genehmigen.

Noch bis zum Monatsende soll die Prüfung nach der Foreign Subsidies Regulation abgeschlossen werden; kartellrechtlich wird bereits in den kommenden Tagen mit einer Freigabe gerechnet. Hinweise auf eine vertiefte Untersuchung gibt es nicht.

Schon zur Ankündigung wurde ersichtlich, dass der Deal weit über eine gewöhnliche Unternehmensübernahme hinausgeht: Er markiert zum einen den bislang größten fremdfinanzierten Unternehmenskauf der Geschichte und ist zum anderen ein tragendes Element der ambitionierten Gaming-Strategie, die Saudi-Arabien verfolgt.

Es geht nicht nur ums Geld

Schließlich ist die treibende Kraft hinter den milliardenschweren Investitionen die sogenannte Saudi Vision 2030, mit der Saudi-Arabien seine starke Abhängigkeit vom Ölhandel verringern und zusätzliche Wirtschaftszweige etablieren möchte.

Der Public Investment Fund spielt dabei eine Schlüsselrolle: Mit einem hunderte Milliarden US-Dollar umfassenden Vermögen finanziert der Staatsfonds zahlreiche Zukunftsprojekte, die sich von Tourismus und Infrastruktur über Künstliche Intelligenz bis hin zu Sport und Unterhaltung erstrecken – also zumeist Felder, auf denen neben Geld auch Soft Power winkt.

Gaming nimmt innerhalb dieser Strategie eine besondere Stellung ein: Trotz zunehmender Schwierigkeiten auch bei Branchengrößen wird das Umfeld weiter mit starken Wachstumsmöglichkeiten assoziiert. Außerdem sprechen Videospiele generationsübergreifende Zielgruppen an und bündeln Disziplinen wie Softwareentwicklung, E-Sport oder digitale Dienstleistungen unter einem Dach.

Entsprechend investierte der PIF in der Vergangenheit schon in Unternehmen wie Nintendo, Take Two oder Activision Blizzard, übernahm mit seiner Videospieldivision namens Savvy Games Group unter anderem den Mobile-Gaming-Spezialisten Scopely ("Pokemon Go") und unterstützte den Aufbau internationaler E-Sport-Formate in Saudi-Arabien.

Soft Power auf den Schwingen einer Fußballsimulation?

Ziel ist es wie angedeutet nicht allein, Renditen zu erzielen: Das Königreich soll langfristig als bedeutender Standort der Games-Industrie im Bewusstsein der Weltbevölkerung verankert werden.

Vor diesem Hintergrund wäre Electronic Arts das bislang größte Puzzleteil der saudischen Gaming-Strategie. Mit der Übernahme ginge einer der weltweit größten Spielepublisher in die Kontrolle eines vom Staatsfonds PIF angeführten Investorenkonsortiums über, sodass Saudi-Arabien (anders als bei vielen bisherigen Minderheitsbeteiligungen) maßgeblichen Einfluss auf Strategie und Entwicklung eines globalen Branchenführers gewinnen würde.

Besonders attraktiv dürfte dabei das eingangs angesprochene Sportgeschäft sein: Mit "EA Sports FC", "Madden NFL", "UFC" oder auch "F1" verfügt Electronic Arts über langlebige Marken mit Millionen treuer Nutzer, die wiederkehrende Einnahmen aus Live-Services und Ingame-Käufen in Aussicht stellen.

Vor allem die hauseigene Fußballsimulation zählt zu den populärsten Videospielreihen der Welt und erreicht jedes Jahr eine rund um den Globus verteilte Community – ein Publikum, das perfekt zu Saudi-Arabiens milliardenschweren Bemühungen passt, sich als künftiges Zentrum für Sport und Gaming zu positionieren.  

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