Leere Hotelflure, verwaiste Einkaufszentren oder endlose Korridore: Sogenannte "liminal spaces" üben seit Jahren eine eigentümliche Faszination auf Internet-User aus. Spätestens seit dem weltweiten Kinoerfolg von "Backrooms" erlebt die Ästhetik des befremdlich Vertrauten neuen Auftrieb. Wer diese nicht nur auf dem Bildschirm erleben möchte, findet in der realen Welt passende Reiseziele – auch, wenn es sich mit der Zugänglichkeit teils ähnlich schwierig gestaltet.
Erst im Februar gelang Mark "Markiplier" Fischbach mit seiner eigenfinanzierten Videospiel-Adaption "Iron Lung" der Sprung vom YouTuber zum hochlukrativen Filmemacher.
Mithilfe des etablierten Studios A24 (unter anderem "The Whale" oder "Everything Everywhere all at once") hat Kane Parsons wiederum umso deutlicher suggeriert, dass die langlebige Video-Plattform als cineastische Talentschmiede ernstgenommen werden darf:
Dem gerade einmal 20-jährigen wurde die Regie von "Backrooms" anvertraut – eine auf Filmlänge gestreckte Ausarbeitung eines schaurigen Videos, das er als Teenager (wiederum auf Basis eines 4chan-Postings) gedreht und hochgeladen hat.
Mit Chiwetel Ejiofor und Renate Reinsve (aus dem Cannes-Siegerfilm "Fjord") in den Hauptrollen sowie einem Budget von unter zehn Millionen US-Dollar konnte "Backrooms" nach nicht einmal einem Monat im Kino mehr als eine Viertelmilliarde US-Dollar wieder einspielen. Damit stellt er schon jetzt den größten kommerziellen Erfolg in der bisherigen A24-Historie dar.
Statt Menschen oder Monster stehen in "Backrooms" die titelgebenden Räumlichkeiten im Mittelpunkt: Endlose gelbe Flure, flackernde Neonröhren, Büroteppiche und lange Zimmer ohne erkennbaren Zweck wirken auf den ersten Blick mehr oder minder alltäglich... und sind genau deshalb so verstörend: Die Szenerie wirkt vertraut, scheint sich gleichzeitig aber nicht vollständig mit unserer gewohnten Wahrnehmung zu decken.
Was sind "liminal spaces" eigentlich?
Im Internet werden solche Orte gern als "liminal spaces" bezeichnet. Das Wort "liminal" leitet sich dabei vom lateinischen Begriff "limen" ("Schwelle") ab und beschreibt Räume des Übergangs. Orte, die man normalerweise nur durchquert, aber nicht bewohnt: Hotelflure, Flughafenterminals, Treppenhäuser, Parkhäuser oder auch Einkaufszentren kurz vor Ladenschluss.
Die "Backrooms" treiben dieses Prinzip auf die Spitze, da sie fast ausschließlich aus solchen Übergangsräumen bestehen, denen ihr eigentlicher Zweck jedoch genommen wurde. Aus einem vermeintlich gewöhnlichen Flur wird so eine surreale Endlosschleife – und genau dieses Gefühl des "befremdlich Vertrauten" macht für manche Menschen den besonderen Reiz liminaler Orte aus.
Wer sich von dieser Ästhetik angezogen fühlt, findet auch in der echten Welt existierende Orte, die mitunter eine ganz ähnliche Stimmung erzeugen können. Hier folgen sechs Destinationen, die schaurig-schöne liminale Erlebnisse versprechen…
01Prypjat, nahe Tschernobyl (Ukraine)
Im 40. Jahr nach der Reaktor-Katastrophe im Kernkraftwerk Tschernobyl gilt die nahegelegene Stadt Prypjat vielerorts als Inbegriff eines liminalen Ortes: Klassenzimmer, Sporthallen und ganze Sowjet-Wohnblocks wurden von Zehntausenden fluchtartig verlassen.
Zurück blieb eine eingefrorene Alltagswelt aus leeren Häusern und überwucherten Straßenzügen, die das Jahr 1986 auf ewig zu konservieren versucht.
Gerade der Kontrast aus vertrauter Infrastruktur und vollständiger Abwesenheit menschlichen Lebens verleiht Prypjat seine beklemmende Faszination. Zumindest bis 2022 konnte die auch durch ihre fiktionalisierten Darstellungen ("Chernobyl", "Modern Warfare", "Stalker") unwirklich vertraut anmutende Region im Rahmen geführter Touren besucht werden – deren derzeitige Zwangspause ist ein weiterer Grund, auf ein baldiges Ende des Konflikts in der heutigen Ukraine zu hoffen.
Wie ein aus dem Meer aufgetauchter Betonkoloss erhebt sich die winzige Insel Hashima (auch „Gunkanjima“ genannt) vor der Küste Nagasakis. Jahrzehntelang lebten hier tausende Bergarbeiter mit ihren Familien auf engstem Raum, ehe die Erschöpfung der Kohlevorkommen in den 1970ern das Ende der Besiedlung einläutete.
Heute stehen zwischen einstigen Wohnhäusern, Schulen und Gemeinschaftseinrichtungen nur noch Ruinen, die Wind und Salzwasser langsam zurückerobern – eine unheimliche Verlassenheit, die dem kargen Flair von Prypjat nicht unähnlich scheint.
Vor allem die langen, menschenleeren Korridore und Treppenhäuser verleihen Hashima dementsprechend eine Atmosphäre, die den inneren Liminal-Sensor ausschlagen lassen sollte. Seit ihrer Ernennung zum UNESCO-Welterbe können zumindest Teile der Insel im Rahmen organisierter Bootsausflüge besucht werden.
Es müssen nicht unbedingt abgelegene, verlassene Orte sein: Unter den Straßen der kanadischen Millionenmetropole Montreal verbirgt sich mit RÉSO eine zweite, unterirdische Stadt – "Montréal souterrain" oder auch "Ville intérieure", wie der frankophone Teil der Bevölkerung sagt.
In jedem Fall handelt es sich um ein mehr als 30 Kilometer langes Netz aus Tunneln und Passagen, das U-Bahn-Stationen, Bürokomplexe, Hotels, Universitäten und Einkaufszentren miteinander verbindet. Es entstand ab den frühen 1960ern vor allem zum Schutz vor den oft eisigen Wintern Québecs; an gewöhnlichen Werktagen nutzen Hunderttausende Menschen die klimatisierten Gänge.
Abseits der Stoßzeiten offenbart das System eine andere Seite: Verwaiste Rolltreppen, endlose Neonkorridore und menschenleere Ladenpassagen vermitteln an vielen Ecken den Eindruck, eine verbotene Parallelwelt unter der Realität der Menschenmassen ausfindig gemacht zu haben. Wer Montreal besucht, kann große Teile des Systems kostenlos und ohne Führung erkunden – im Interesse des Liminalitäts-Tourismus idealerweise in den späten Abendstunden.
Kaum ein Bauwerk verkörpert die Idee eines Ortes des Übergangs so sehr wie ein Flughafen – und kaum ein Flughafen wirkt heute so eigentümlich wie Berlin-Tempelhof. Das monumentale Gebäude wurde in den 1930ern errichtet und spielte insbesondere während der Berliner Luftbrücke nach dem Zweiten Weltkrieg eine zentrale Rolle in der Geschichte der geteilten Stadt. Weite Teile des riesigen Komplexes sind nahezu unverändert erhalten geblieben, seit der reguläre Flugverkehr 2008 eingestellt wurde.
Im Rahmen verschiedener Führungen können Besucher heute historische Wartehallen, Hangars, lange Versorgungsgänge und andere, sonst unzugängliche Bereiche erkunden. Auch das einstige Flugfeld wird weiterhin intensiv genutzt – allerdings nicht mehr von Passagiermaschinen, sondern als öffentliche Parkanlage und gelegentlicher Veranstaltungsort für Konzerte und Festivals, darunter das Lollapalooza Berlin.
Gerade diese Umwidmung verleiht Tempelhof besonderen Charakter: Die Infrastruktur eines internationalen Flughafens ist noch vollständig erkennbar, wurde ihrer ursprünglichen Funktion aber vollständig beraubt. Als Ergebnis bleibt ein Ort, der zugleich vertraut und seltsam fehl am Platz anmutet.
Hätten die Backrooms nicht im Internetzeitalter, sondern in einer vormodernen Welt ihren Ursprung gefunden, hätte man sie womöglich wie ein subterranes Labyrinth beschrieben: Ein Ort ohne klare Oberflächenlogik, in dem sich Gänge und Räume schier endlos in den Fels fressen. Genau diesen Eindruck vermittelt die unterirdische Stadt Derinkuyu in der zentralanatolischen Landschaft Kappadokien. Über mehrere Ebenen erstreckt sich ein komplexes System aus Tunneln, Schächten und Kammern, das teils über 50 Meter tief in den vulkanischen Tuffstein reicht.
Während erste Elemente mutmaßlich bereits in der Antike angelegt wurden, sollen Christen vor allem ab dem sechsten Jahrhundert für die inzwischen bekannte Form von Derinkuyu gesorgt haben. Historiker gehen davon aus, dass hier zeitweise mehreren tausend Menschen Schutz vor Kriegen und Verfolgung geboten wurde.
Wohnräume, Vorratskammern, Stallungen, Kirchen und Belüftungsschächte sind dabei so miteinander verschachtelt, dass sich die Struktur eher wie eine organische Innenwelt als wie ein von langer Hand geplantes Bauwerk anfühlt. Erst 1963 wurde die Anlage zufällig wiederentdeckt, als ein Hausbesitzer bei Renovierungsarbeiten einen verborgenen Zugang freilegte.
In Kappadokien soll es rund 50 vergleichbare Stätten geben, wobei der Öffentlichkeit zur Mehrheit davon kein Zugang gewährt wird. Derinkuyu wiederum macht als größter Vertreter seiner Art einen Teil des weit verzweigten Systems für Besucher erlebbar.
Manche Leser könnten diesem liminal angehauchten Ort erst vor einigen Monaten in den Nachrichten begegnet sein: In der stillgelegten City Hall Station unter dem New Yorker Rathaus legte Zohran Mamdani im Januar dieses Jahres seinen Amtseid als Bürgermeister der Millionenmetropole ab. Die Wahl des Schauplatzes war dabei ebenso symbolträchtig wie ungewöhnlich, schließlich handelt es sich um eine seit Jahrzehnten stillgelegte U-Bahn-Station in der Stadt, die ansonsten angeblich niemals schläft.
Die 1904 eröffnete Station gehörte zu den ersten Haltestellen der New Yorker U-Bahn und galt mit ihren Gewölbedecken, Oberlichtern und kunstvollen Fliesenarbeiten seinerzeit als architektonisches Schmuckstück. Allerdings war sie lediglich bis 1945 in Betrieb, da die vorhandenen Bahnsteige für moderne Züge zu kurz und zu stark gekrümmt waren.
Während täglich Millionen Fahrgäste nur wenige Meter entfernt ein- und aussteigen, liegt die historische Station bis heute weitgehend ungenutzt unter der Erde – besichtigt werden kann sie seit 2006 allerdings im Rahmen offizieller Führungen des New York Transit Museum.
Beim fünften Women on Top Award in Düsseldorf rückten Nena Brockhaus und Franca Lehfeldt Bildungsgerechtigkeit neu in den Fokus: Neben der Rückzahlung von Studienkrediten wird künftig erstmals auch eine Meisterausbildung gefördert. Im "Schillings" im Schauspielhaus sprachen prominente Gäste wie Frank Thelen, Anna Loos, Jan Josef Liefers und Heinrich Deichmann über Rückschläge, Freiheit, Verantwortung und die Frage, wie Chancen entstehen.
Vergangene Woche haben deutsche Agenturen ihre internationale Wettbewerbsfähigkeit bei den Cannes Lions unter Beweis gestellt – allen voran Heimat TBWA Berlin, die mit ihrer bereits mehrfach ausgezeichneten Hornbach-Kampagne "Kein Projekt ohne Drama" nun auch an der Côte d’Azur mehrfach triumphierte. Serviceplan, Innocean Berlin und weitere namhafte Kreativhäuser hatten in Frankreich ebenso Grund zur Freude.
Unter dem Motto "Brand Forward" hat sich die deutsche Kommunikations- und Marketingbranche am vergangenen Donnerstag zur Jubiläumsausgabe der German Brand Convention versammelt. Rund 800 Gäste fanden in Berlin zusammen, wo neben Vorträgen auf Rekordniveau und munterem Networking wie gewohnt die Verleihung des German Brand Award im Mittelpunkt stand.
Carat und das dentsu-Netzwerk treiben die Integration von Media, Kreation und Technologie weiter voran: Mit Jennifer Barthe beruft die Agenturgruppe eine international erfahrene Strategin in die Geschäftsführung und schafft zugleich eine neue Position. Als Integrated Client Lead soll Barthe künftig dabei helfen, datengetriebene, kreative und technologische Kompetenzen noch enger miteinander zu verzahnen.
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