"Das geträumte Abenteuer" gewinnt Jurypreis
Cannes: Goldene Palme geht an "Fjord"

| Redaktion 
| 22.05.2026

Mit ihrer Abschlussgala ist die Geschichte der 79. Internationalen Filmfestspiele von Cannes zu Ende erzählt – und wie gewohnt standen die Entscheidungen der Fachjury zum Finale im Fokus. Die war vom rumänisch-norwegischen Drama "Fjord" am meisten überzeugt, hat daneben aber auch das Thomas-Mann-Roadmovie "Fatherland" oder "Das geträumte Abenteuer" der deutschen Regisseurin Valeska Grisebach prominent prämiert.

Zwölf Tage lang haben die 79. Internationalen Filmfestspiele von Cannes den idyllischen Ort an der französischen Côte D’Azur zum Zentrum der globalen Kinogemeinschaft gemacht, das wie selbstverständlich auch branchennahen Begleitevents – von Women in Motion über Magnum bis zur amfAR-Gala – eine Bühne geboten hat.

Traditioneller Fokus des Festivals ist jedoch der Wettbewerb um die Goldene Palme, mit der die zuständige Jury den herausragendsten Beitrag des Jahres auszeichnet. Angeführt wurde das Expertengremium von Regisseur Park Chan-wook, der mit Cannes bestens vertraut ist.

Für "Oldboy" erhielt er 2004 den Großen Preis der Jury, 2022 gab es für "Die Frau im Nebel" den Regiepreis. Vor neun Jahren war der Südkoreaner reguläres Mitglied der Jury, ehe ihm nun die Präsidentschaft zuteilwurde.

Gemeinsam mit Demi Moore, Ruth Negga, Stellan Skarsgård, Laura Wandel, Chloé Zhao, Isaach de Bankolé, Diego Céspedes und Paul Laverty galt es für Park Chan-wook, stolze 22 Filme zu sichten – darunter "Fatherland" mit Sandra Hüller als Erika Mann, Sebastian Stans Arthouse-Debüt in "Fjord" oder die vorrangig deutsche Produktion "Das geträumte Abenteuer" von Regisseurin Valeska Grisebach.

Jury würdigt auch "Das geträumte Abenteuer"

Wie üblich wurde die Entscheidung im Rahmen der feierlichen Abschluss-Gala am Samstagabend verkündet – und mit der diesmal von Schauspielerin Tilda Swinton überreichten Palme D’Or hat die Jury tatsächlich "Fjord" von Christian Mungiu bedacht.

Der Film dreht sich um ein streng religiöses Ehepaar, das einem norwegischen Fjorddorf lebt. Die beschauliche Gemeinde wird in Aufruhr versetzt, als das älteste Kind der beiden (neben Sebastian Stan spielt Renate Reinsve) Spuren von Misshandlungen aufweist.

Bereits nach der Uraufführung erhielt der letztlich zweite Goldene-Palme-Streifen des rumänischen Regisseurs Mungiu (nach "4 Monate, 3 Wochen und 2 Tage") mehrminütige Standing Ovations vom Publikum.

Nachfolgend alle Ausgezeichneten im Hauptwettbewerb der 79. Internationalen Filmfestspiele von Cannes:

  • Goldene Palme: "Fjord"; Regie: Christian Mungiu
  • Großer Preis der Jury: "Minotaur"; Regie: Andrei Swjaginzew
  • Preis der Jury: "Das geträumte Abenteuer"; Regie: Valeska Grisebach
  • Beste Regie: Paweł Pawlikowski für "Fatherland" / Javier Ambrossi und Javier Calvo für "The Black Ball"
  • Bestes Drehbuch: "A Man of his Time" von Emmanuel Marre
  • Beste Darstellerin: Virginie Efira und Tao Okamoto in "All of a Sudden"
  • Bester Darsteller: Emmanuel Macchia und Valentin Campagne in "Coward"

Während Sandra Hüller somit ohne Palme aus Frankreich abreist, wurde "Fatherland" immerhin durch den Regie-Preis für Paweł Pawlikowski berücksichtigt. Er teilt sich die Ehre mit Javier Ambrossi sowie Javier Calvo und ihrer Theater-Adaption "The Black Ball".

Aus deutscher Sicht erfreulich ist außerdem der Preis der Jury, mit dem "Das geträumte Abenteuer" (internationaler Titel: "The Dreamed Adventure") gebührende Anerkennung in Cannes fand.

Barbra Streisand in Abwesenheit geehrt

Eine weitere Person, die zum Abschluss der diesjährigen Filmfestspiele im Fokus stehen sollte, fehlte am Samstag in Cannes: Aufgrund gesundheitlicher Probleme musste Barbra Streisand wenige Tage nach Festivalbeginn bekanntgeben, dass sie die Reise ans Mittelmeer nicht würde auf sich nehmen können. Geplant war, dass sie die Ehrenpalme für ihr Lebenswerk persönlich entgegennimmt.

"Mit Stolz und tiefer Demut fühle ich mich geehrt, in die Riege der bisherigen Preisträger der Ehren-Palme d’Or aufgenommen zu werden, deren Werk mich seit langem inspiriert", ließ Barbra Streisand bereits im Vorfeld ihrer Samstag dennoch erfolgten Würdigung in Cannes wissen.

"In diesen schwierigen Zeiten haben Filme die Kraft, unsere Herzen und unseren Geist für Geschichten zu öffnen, die unsere gemeinsame Menschlichkeit widerspiegeln, und für Perspektiven, die uns sowohl an unsere Verletzlichkeit als auch an unsere Widerstandsfähigkeit erinnern. Das Kino überwindet Grenzen und Politik und bekräftigt die Kraft der Vorstellungskraft, eine mitfühlendere Welt zu gestalten", erklärte die 84-jährige.

Mit weiteren Ehrenpalmen für ihre Verdienste in der Filmwelt wurden im Laufe der diesjährigen Festspiele bereits "Der Herr der Ringe"-Regisseur Peter Jackson und Schauspieler John Travolta ausgezeichnet, wobei letzterer sein Regie-Debüt "Nachtflug nach L.A" (Originaltitel: "Propeller One-Way Night Coach") in Cannes vorstellte.

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