AI Music
Wer ist Sienna Rose – und ist KI-Musik den Hörern längst egal?

| Redaktion 
| 21.05.2026

Die Spotify-Sängerin galt monatelang als Internet-Mysterium. Inzwischen deuten Recherchen klar auf ein KI-Projekt hin. Trotzdem hören Millionen Menschen ihre Musik weiter. Das verändert die Musikindustrie stärker als jede neue Technologie zuvor.

Lange rätselte das Internet über Sienna Rose. Die Neo-Soul-Künstlerin sammelte Millionen Streams auf Spotify und ihre buttrig-weichen Songs wie "Into The Blue" oder "Safe With You" landeten in viralen TikTok-Clip. Doch von der schönen Sängerin gibt es weder Interviews, noch Konzerte, noch eine nachvollziehbare Karrieregeschichte.

Inzwischen gilt der Fall als weitgehend geklärt. Recherchen des BR-Formats "Trasherchiert" deuten darauf hin, dass hinter Sienna Rose ein professionell aufgebautes KI-Projekt steckt.

Die Spur führt zu einem Netzwerk für KI-Musik

Im Zentrum der Recherche stehen das Label "Nostalgic Records" sowie der russische "Produzent" Maksim Muravjov. Auch der Name Hafsteinn Runarsson taucht in den Recherchen auf. Der Unternehmer beschäftigt sich öffentlich mit KI-Avataren und digitalen Content-Systemen und bot zeitweise Online-Kurse zur automatisierten KI-Content-Produktion an. Sowohl Muravjov als auch Runarsson sollen in Oslo verortet sein — so wie zeitweise auch Sienna Rose selbst auf ihren Social-Media-Profilen.

Die Rechercheure stießen zudem auf eine frühere Version von Sienna Rose: ein Country-Pop-Projekt mit gleichem Namen, aber völlig anderem Erscheinungsbild. Kurz nachdem Fragen zu den Hintergründen gestellt wurden, verschwand dieses ältere Profil plötzlich aus sozialen Netzwerken. Ein offizielles Eingeständnis gibt es bis heute aber nicht.

Millionen Streams ohne echte Künstleridentität

Jedenfalls entwickelt sich KI-Musik für Streamingplattformen zunehmend zu einer wirtschaftlichen Realität. Deezer zufolge werden inzwischen täglich zehntausende vollständig KI-generierte Songs hochgeladen. Viele davon seien kaum noch von menschlicher Musik zu unterscheiden. Die Songs von Sienna Rose hat das hauseigene Erkennungssystem von Deezer als KI-generiert eingestuft.

Wobei die BBC schätzt, dass alleine mit Sienna Rose satte 2.000 Euro pro Woche lukriert werden.

Für Plattformen ist das ein sensibles Thema. KI-Musik lässt sich schnell, günstig und nahezu unbegrenzt produzieren — perfekt zugeschnitten auf Playlists und Empfehlungsalgorithmen. Gleichzeitig warnen Musiker, Labels und Verwertungsgesellschaften vor einer Entwertung menschlicher Kreativarbeit.

Haben sich die Hörer schon an KI-Musik gewöhnt?

Der Fall Sienna Rose zeigt ähnlich wie KI-Projekte rund um Lantern Ash, The Velvet Sundown oder anderen virtuellen Musikacts nicht nur, wie leistungsfähig künstliche Intelligenz inzwischen geworden ist. Er zeigt auch, wie es das Verhältnis vieler Menschen zu Musik verändert.

Denn offenbar interessiert es viele Hörer gar nicht so sehr, ob ein Song von einem echten Menschen stammt oder von einem Algorithmus erzeugt wurde. Hauptsache der Sound funktioniert: in emotionaler, atmosphärischer, oder auch playlisttauglicher Hinsicht.

Jedenfalls hören Millionen Menschen längst Musik, ohne überhaupt wissen zu wollen, wer — oder was — sie erschaffen hat.

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