Wachstumsmarkt Verteidigungstechnik
Hannover Messe: Wie sich Siemens und Co. auf das Rüstungsgeschäft ausrichten

| Redaktion 
| 23.04.2026

Die industrielle Landkarte verschiebt sich. Auf der Hannover Messe 2026 wird erstmals ein eigener Bereich für Verteidigungstechnologien das Bild prägen. Im sogenannten "Defense Production Park" präsentieren 54 Unternehmen auf rund 1.200 Quadratmetern ihre Lösungen. Dabei zeigt sich ein klarer Trend: Neben klassischen Rüstungsanbietern besetzen vor allem Schwergewichte aus dem Maschinenbau, der Elektronik und der Softwareindustrie das Feld.

Siemens nutzt die Plattform für einen markanten Auftritt seiner spezialisierten Sparte Siemens Aerospace & Defence. Der Konzern produziert selbst keine Waffen, positioniert sich aber als Enabler der Branche. Gezeigt werden Anwendungen aus den Bereichen Automatisierung, industrielle Software und Robotik.

Das Portfolio umfasst unter anderem hochpräzise Drohnenkomponenten und Fertigungslösungen, die darauf abzielen, die Produktion von Rüstungsgütern auf ein industrielles Skalenniveau zu heben. Ein Mitarbeiter vor Ort beschreibt die Marktlage kurz und prägnant: Die Nachfrage sei derzeit schlicht "enorm". Bisher agierte die Sparte eher im Hintergrund; 2026 tritt sie erstmals mit einem geschärften, eigenständigen Profil an die Öffentlichkeit.

Wachstumsprognose: Verteidigung wird zum Turbo für den Maschinenbau

Nach aktuellen Daten des Branchenverbands Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau e. V. (VDMA) hat sich die Verteidigungsindustrie zu einer der wachstumsstärksten Abnehmerbranchen entwickelt. Während der Anteil am Gesamtumsatz im Maschinenbau derzeit noch bei zwei bis fünf Prozent liegt, zeichnet sich eine steile Kurve ab:

  • Verdopplung erwartet: Der Verband rechnet damit, dass sich dieser Anteil binnen drei bis fünf Jahren verdoppeln wird.
  • Zweistelliges Wachstum: Für die Jahre 2025 und 2026 werden Wachstumsraten im zweistelligen Prozentbereich prognostiziert.

Der strategische Schwerpunkt liegt dabei auf der Skalierung. Ziel der Kooperationen ist es, ehemals manufakturgetriebene Rüstungsprozesse in hochautomatisierte Serienfertigungen zu überführen.

Elektronik und KI: Der steigende Technologie-Anteil in der Defensive

Auch die Elektro- und Digitalindustrie (ZVEI) meldet Rekordwerte. Der Elektronikanteil an moderner Verteidigungsausrüstung ist ein Gradmesser für die technologische Transformation: Lag er vor 25 Jahren noch bei etwa zehn Prozent, erreicht er heute bereits rund 20 Prozent. Bis zum Jahr 2035 wird ein Anstieg auf bis zu 30 Prozent erwartet.

Zu den entscheidenden Technologietreibern gehören:

  • Sensorik und Halbleiter: Die Nervenzentren moderner Aufklärung.
  • Software und Künstliche Intelligenz: Die Basis für autonome Systeme und Datenanalyse in Echtzeit.

Dual-Use im Fokus: Die zivil-militärische Symbiose

Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius verweist in diesem Kontext verstärkt auf die Bedeutung von Dual-Use-Technologien. Dabei handelt es sich um Innovationen, die sowohl im zivilen Sektor als auch im militärischen Umfeld einsetzbar sind. Vor allem in den Bereichen Cyber-Sicherheit, Robotik sowie bei Energie- und Speicherlösungen verschwimmen die Grenzen zusehends. Ziel der Bundesregierung ist es, bestehende industrielle Kompetenzen konsequenter für die nationale Sicherheitsvorsorge nutzbar zu machen.

Rheinmetall: Acht Milliarden Euro als Puffer gegen Lieferengpässe

Trotz des Booms bleiben die Lieferketten die Achillesferse der Industrie. Branchenriese Rheinmetall reagiert darauf mit einer massiven Kapitalbindung: Um zentrale Komponenten abzusichern, hält das Unternehmen kritische Güter im Wert von rund acht Milliarden Euro vor. Diese Strategie der massiven Lagerhaltung soll Engpässe verhindern, erhöht jedoch gleichzeitig den Kostendruck und bindet liquide Mittel in beispiellosem Ausmaß.

Die Entwicklung ist keine Eintagsfliege. Ab 2027 wird mit der "DSEI Germany" eine eigene internationale Fachmesse für Verteidigung und Sicherheit in Hannover etabliert. Dass bereits jetzt rund 50 Prozent der vorgesehenen Ausstellungsfläche reserviert sind, unterstreicht die neue Rolle der Industrie: Die Verteidigungstechnik ist im Mainstream der deutschen Wirtschaft angekommen. Ob wir das nun gut finden oder nicht.

Key Facts: Die Entwicklung in Zahlen

  • 54 Verteidigungsunternehmen auf der Hannover Messe
  • 1.200 m² Ausstellungsfläche im Defense Production Park
  • 2–5 % aktueller Umsatzanteil Verteidigung im Maschinenbau
  • Verdopplung dieses Anteils in 3–5 Jahren erwartet
  • ~20 % Elektronikanteil an moderner Verteidigungstechnik
  • 25–30 % prognostiziert bis 2035
  • 8 Mrd. € Lagerbestand bei Rheinmetall

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Key Facts: Die Entwicklung in Zahlen

  • 54 Verteidigungsunternehmen auf der Hannover Messe
  • 1.200 m² Ausstellungsfläche im Defense Production Park
  • 2–5 % aktueller Umsatzanteil Verteidigung im Maschinenbau
  • Verdopplung dieses Anteils in 3–5 Jahren erwartet
  • ~20 % Elektronikanteil an moderner Verteidigungstechnik
  • 25–30 % prognostiziert bis 2035
  • 8 Mrd. € Lagerbestand bei Rheinmetall

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