Digital statt persönlich
Langzeitstudie: Wir reden immer weniger miteinander

Laut einer Untersuchung der University of Arizona sprechen Menschen im Alltag immer weniger miteinander und verlieren jedes Jahr 338 gesprochene Wörter. Das passiere seit mindestens anderthalb Jahrzehnten. Hauptgrund dafür ist die Zunahme der digitalen Kommunikation.

"Wir hatten 22 Studien aus den Jahren 2005 bis 2019 mit insgesamt etwa 2.200 Teilnehmern. Als wir die täglich gesprochenen Wörter gegen das jeweilige Erhebungsjahr auftrugen, zeigte sich ein konsistenter linearer Rückgang", so Matthias Mehl, Forscher der University of Arizona.

Dem Wissenschaftler zufolge sank die geschätzte Anzahl der gesprochenen Wörter jedes Jahr um 338. "So kommt man von rund 16.000 im Jahr 2005 auf etwa 12.700 im Jahr 2019. 338 Wörter weniger pro Tag summieren sich auf mehr als 120.000 weniger Wörter pro Jahr."

Ältere reden noch mehr

Als die Experten die Stichprobe nach Alter aufteilten, unter 25 versus 25 und älter, zeigte sich bei jüngeren Erwachsenen ein stärkerer Rückgang von etwa 452 Wörtern pro Jahr, verglichen mit 314 bei älteren Erwachsenen. Doch auch ältere Erwachsene sprechen weniger, heißt es.

"Wir haben viele kleine, beiläufige Gespräche verloren: einen Kassierer um Hilfe bitten, nach dem Weg fragen, mit einem Nachbarn plaudern", ergänzt Erstautorin Valeria Pfeifer von der University of Missouri - Kansas City. Präsenz, Tonfall und Spontanität gingen verloren: "Wenn wir weniger sprechen, verbinden wir uns weniger“, so Pfeifer. „Mit jedem verlorenen Wort bröckelt unsere Verbindung zu anderen.“

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