Autozulieferer im Milliardenumbau
Schaeffler baut humanoide Robotik und Rüstungsgeschäft aus

| Redaktion 
| 26.02.2026

Der Industriekonzern Schaeffler treibt seine strategische Neuausrichtung voran. Neben dem klassischen Automotive-Geschäft investiert der Autozulieferer massiv in humanoide Robotik und verteidigungsnahe Anwendungen. Bis 2035 sollen rund zehn Prozent des Umsatzes aus neuen Geschäftsfeldern stammen. Eine Partnerschaft mit dem britischen Technologieunternehmen Humanoid markiert nun den nächsten operativen Schritt im Milliardenumbau.

Die Automobilbranche steht unter strukturellem Druck. Absatzschwäche, Transformation zur Elektromobilität und geopolitische Unsicherheiten erhöhen den Anpassungsdruck auf Zulieferer. Schaeffler reagiert mit einer klaren Diversifizierungsstrategie.

Wie ntv unter Berufung auf dpa berichtet, plant Vorstandschef Klaus Rosenfeld, bis 2035 rund drei Milliarden Euro Umsatz aus neuen Wachstumsfeldern zu generieren. Neben Raumfahrt und Verteidigung rückt insbesondere die humanoide Robotik in den Fokus.

Erst im Januar hatte Schaeffler eine strategische Technologiepartnerschaft mit dem britischen Unternehmen Humanoid vereinbart. Ziel der Kooperation ist die Entwicklung und Lieferung zentraler Aktorik-Komponenten für humanoide Roboter. Die Vereinbarung unterstreicht den nun öffentlich bekräftigten Kurs, neue Umsatzquellen jenseits des klassischen Automotive-Geschäfts aufzubauen.

Strategische Partnerschaft mit Humanoid

Im Rahmen der Vereinbarung entwickelt und liefert Schaeffler zentrale Aktorik-Komponenten für humanoide Roboter. Zudem sollen die Systeme schrittweise in das eigene globale Fertigungsnetzwerk integriert werden.

Schaeffler wird bevorzugter Lieferant von Aktoren für radgestützte Systeme. Zudem sollen in den kommenden fünf Jahren mehrere hundert Humanoide in das globale Fertigungsnetzwerk integriert werden. Ziel ist es, Automatisierung und Effizienz in den Produktionsprozessen weiter zu steigern.

"Als Motion Technology Company wollen wir eine Schlüsselrolle im wachsenden Markt der humanoiden Robotik einnehmen“, sagte Klaus Rosenfeld.

Aktorik als industrieller Hebel

Im Zentrum der Kooperation stehen sogenannte Wellgetriebeaktoren. Diese kommen insbesondere in Oberkörper, Schultern und Armen humanoider Roboter zum Einsatz. Das Design ist laut Unternehmen auf hohe Stückzahlen optimiert und ermöglicht präzise Bewegungen bei geringer Reibung sowie hoher Dauerbelastbarkeit.

Die Kombination aus Entwicklungskompetenz und vertikaler Integration soll Schaeffler eine skalierbare Serienfertigung ermöglichen – ein entscheidender Faktor für den industriellen Einsatz humanoider Systeme.

Verteidigung und resiliente Lieferketten

Parallel baut der Konzern sein Engagement im Verteidigungsumfeld aus. Bereits heute liefert Schaeffler leistungsfähige Elektromotoren für Drohnenanwendungen. Gleichzeitig werden Lieferketten strategisch überprüft, um Abhängigkeiten von einzelnen Märkten zu reduzieren.

Damit adressiert das Unternehmen sowohl technologische als auch geopolitische Herausforderungen.

Drei strategische Säulen des Milliardenumbaus

Schaefflers Transformationskurs stützt sich auf drei klar definierte Handlungsfelder:

1. Technologische Expansion

  • Ausbau humanoider Robotik für industrielle Anwendungen

  • Skalierung von Aktorik und Präzisionsmechanik

  • Entwicklung serienfähiger Robotik-Komponenten

2. Diversifizierung in sicherheitsrelevante Märkte

  • Expansion in verteidigungsnahe Technologien

  • Lieferung leistungsfähiger Elektromotoren für Drohnenanwendungen

3. Operative Resilienz und Eigenanwendung

  • Integration humanoider Systeme in die eigene Produktion

  • Reduktion geopolitischer Lieferkettenrisiken

Bereits 2025 hatte Schaeffler gemeinsam mit Accenture, NVIDIA und Microsoft industrielle Robotik-Konzepte auf der Hannover Messe vorgestellt. Mit der aktuellen Partnerschaft folgt nun der Übergang von der Technologie-Demonstration zur industriellen Skalierung.

Schaeffler beschäftigt weltweit rund 110.000 Mitarbeitende und erwirtschaftet einen Jahresumsatz von etwa 24 Milliarden Euro. Nach der Fusion mit Vitesco zählt das Unternehmen zu den zehn größten Zulieferern weltweit. Mehrheitseigner ist weiterhin die Unternehmerfamilie um Maria-Elisabeth Schaeffler-Thumann und Georg F. W. Schaeffler.

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