KI verändert Recherche
Wikipedia wird 25 und verliert als Online-Lexikon an Relevanz

Seit 25 Jahren ist Wikipedia für viele die erste Anlaufstelle bei der Onlinerecherche. Doch mit dem Aufstieg generativer KI-Modelle wie ChatGPT gerät das weltgrößte Online-Lexikon zunehmend unter Druck. Die Art, wie Wissen gefunden, verarbeitet und bewertet wird, verändert sich – und stellt die Grundidee kollaborativer Enzyklopädien auf die Probe.

Wikipedia feiert Geburtstag – und blickt gleichzeitig in eine ungewisse Zukunft. Vor 25 Jahren revolutionierte die Plattform das digitale Wissensmanagement. Heute hat sie mit einem neuen Konkurrenten zu kämpfen: Künstliche Intelligenz verändert das Nutzerverhalten radikal. In einer Welt, in der Antworten zunehmend generiert statt recherchiert werden, steht das einstige Wissensmonopol auf dem Prüfstand.

Vom Pionierprojekt zur globalen Wissensquelle

Am 15. Januar 2001 ging Wikipedia online – mit dem Ziel, eine frei zugängliche, mehrsprachige Enzyklopädie zu schaffen. Das Konzept war radikal: Jeder Mensch konnte Inhalte beisteuern, verbessern und kontrollieren. Innerhalb weniger Jahre entwickelte sich das Projekt zur weltweit größten Sammlung freier Informationen mit über 60 Millionen Artikeln.

Wikipedia ist heute in mehr als 300 Sprachen verfügbar, zählt zu den meistbesuchten Websites der Welt und gilt als Paradebeispiel für kollaboratives Wissen. Doch dieses Modell steht im Zeitalter der KI vor grundlegenden Herausforderungen.

KI-Modelle verändern die Wissenslandschaft

Generative KI-Systeme wie ChatGPT, Claude oder Gemini haben das Informationsverhalten vieler Nutzer:innen verändert. Statt Wikipedia gezielt anzusteuern, werden Fragen direkt an KI-Modelle gestellt – oft mit schnellen, kontextualisierten Antworten. Die Informationsgewinnung wird dadurch dialogischer, bequemer und personalisierter.

Das Problem für Wikipedia: Auch wenn viele KI-Systeme auf ihre Inhalte trainiert wurden, läuft der Traffic an der Plattform zunehmend vorbei. Die Sichtbarkeit leidet – und mit ihr die Bedeutung als Ausgangspunkt verlässlicher Recherche.

Was KI-Systeme beim Recherchieren attraktiv macht:

  • Antworten erscheinen sofort und in ganzen Sätzen

  • Keine Navigation durch lange Artikel notwendig

  • Personalisierte Antworten je nach Fragestellung

  • Integration mehrerer Quellen in einem Text

  • Keine Werbung oder Ablenkung wie auf klassischen Websites

  • Nutzung über Sprach- oder Texteingabe möglich

Gleichzeitig fehlt es generativer KI an einem Element, das Wikipedia jahrzehntelang ausgezeichnet hat: Transparenz in der Quellenlage.

Zwischen Anpassung und Identitätskrise

Um sich gegenüber der neuen Konkurrenz zu behaupten, setzt Wikipedia auf technische Innovation: KI-unterstützte Tools helfen bei der Qualitätskontrolle, Vandalismus-Erkennung und Redaktionsarbeit. Gleichzeitig will die Plattform ihre Grundprinzipien bewahren: Offenheit, Nachvollziehbarkeit und menschliche Kuration.

Doch auch die Community steht unter Druck. Die Zahl aktiver Autor:innen sinkt, während die Inhalteflut nicht abnimmt. Künstliche Intelligenz mag effizienter schreiben – aber kann sie auch neutral, faktenbasiert und ethisch editieren? Diese Frage wird für Wikipedia zum Schlüsselfaktor der nächsten Jahre.

Langfristig könnte sich entscheiden, ob das Online-Lexikon in einer KI-dominierten Welt als Gegengewicht bestehen bleibt – oder zum stillen Datenlieferanten wird, dessen Relevanz vor allem im Hintergrund liegt.

Wikipedia in Zahlen & Fakten (2026)

  • Startdatum: 15. Januar 2001

  • Erste Sprache: Englisch

  • Erster Artikel: "Hello, World!" (später gelöscht), U2 (erster überlebender Artikel)

  • Artikelanzahl weltweit: >60 Millionen

  • Aktive Autor:innen: ca. 250.000

  • Monatliche Aufrufe: >15 Milliarden Seitenzugriffe weltweit

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Wikipedia in Zahlen & Fakten (2026)

  • Startdatum: 15. Januar 2001

  • Erste Sprache: Englisch

  • Erster Artikel: "Hello, World!" (später gelöscht), U2 (erster überlebender Artikel)

  • Artikelanzahl weltweit: >60 Millionen

  • Aktive Autor:innen: ca. 250.000

  • Monatliche Aufrufe: >15 Milliarden Seitenzugriffe weltweit

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