„Passt einfach nicht zu uns“
Übernahme von DB Schenker: DHL könnte zwar, will aber nicht

| Redaktion 
| 06.03.2024

Seit einigen Monaten sucht die Deutsche Bahn einen Abnehmer ihrer Logistiktochter DB Schenker. Die in Bonn ansässige DHL-Group wurde vielerorts als möglicher Käufer gehandelt – diesen Gedankenspielen erteilt CEO Tobias Meyer nun jedoch eine Absage.

Zum ausgehenden Geschäftsjahr hat Tobias Meyer, seit letztem Mai CEO der DHL-Gruppe, dem US-amerikanischen Sender CNBC ein Interview gegeben. Dabei ging es unter anderem um ein hinter den eigenen Erwartungen zurückgebliebenes vergangenes Halbjahr, das Meyer auf ein mangelndes Anziehen der globalen Wirtschaft und dem damit verbundenen Handel zurückführt. Erst für die zweite Hälfte des nächsten Geschäftsjahres rechnet Meyer mit deutlicher Verbesserung.

Aufgrund der Konfliktlage im Roten Meer ließen sich manche Einnahmequellen nur verspätet anzapfen; vor allem im vierten Quartal habe es bei Transporten aus Asien nennenswerte Verzögerungen gegeben. Auf die unternehmerischen Quartals- oder Jahreszahlen habe das insgesamt jedoch einen kleineren Einfluss als auf die betroffene Kundschaft.

DHL sieht bessere Investmentmöglichkeiten

Seitens CNBC wurde Tobias Meyer außerdem auf die im Jahresvergleich um zwölf Prozent gestiegene Nettoverschuldung der DHL-Group und die Konsequenzen für mögliche Zukäufe angesprochen. Dabei wurde konkreter Bezug zu einer seit längerer Zeit durch die Gerüchteküche geisternden Übernahme von DB Schenker genommen: Die Deutsche Bahn hat sich bereits Ende 2022 zur Veräußerung ihrer Transport- und Logistiksparte entschieden und im vergangenen Dezember eine entsprechende Anzeige im Wall Street Journal geschaltet, um alle potenziellen Käufer auf die Chance aufmerksam zu machen.

DHL möchte diese Gelegenheit jedoch nicht ergreifen, wie Tobias Meyer im CNBC-Interview bestätigt hat. Der CEO führte die erhöhte Nettoverschuldung zunächst auf die Kosten für Mietverträge zurück – da diese vor allem auf Warenhäuser zurückgingen und letztlich das Wachstum des Unternehmens fördern würden, sei das aber "keine schlechte Sache".

"Wir hätten also die Schlagkraft für mergers and acquisitions", erklärte der 49-jährige. "Wir entscheiden und als Management allerdings dafür, unser Kapital so bedacht wie möglich zu nutzen. Wir wollen gute Renditen erwirtschaften und sehen viele Investitionsmöglichkeiten; der E-Commerce-Bereich interessiert uns zum Beispiel. Schenker schien einfach nicht besonders gut zu uns zu passen. Es wird neben uns weitere Interessenten geben, doch als DHL-Group sehen wir bessere Chancen, unser Kapital für unsere Shareholder einzusetzen."

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