Bewegtes Arbeiten
Der Walking-Pad-Boom: Macht Gehen im Homeoffice wirklich produktiver?

Walking-Pads sollen Bewegungsmangel im Homeoffice ausgleichen und nebenbei die Produktivität steigern. Die kompakten Laufbänder gibt es bereits ab rund 100 Euro. Doch die Forschung zeigt: Nicht jede Büroarbeit gelingt im Gehen besser.

Videokonferenzen, E-Mails und Telefonate – und am Abend trotzdem mehrere Tausend Schritte auf der Uhr. Walking-Pads versprechen, Bewegung und Büroarbeit miteinander zu verbinden. Die flachen Laufbänder passen unter einen höhenverstellbaren Schreibtisch und lassen sich nach Feierabend häufig unter dem Bett oder Sofa verstauen. Was nach einem weiteren Fitness-Gadget klingt, trifft einen wunden Punkt der modernen Arbeitswelt: Viele Beschäftigte verbringen einen Großteil ihres Tages im Sitzen.

Doch macht ein Walking-Pad im Homeoffice tatsächlich produktiver? Die kurze Antwort lautet: Es kommt auf die Aufgabe an. Gehen kann die Sitz-Zeit reduzieren, den Kreislauf aktivieren und den Energieverbrauch erhöhen. Bei Tätigkeiten, die präzise Bewegungen oder hohe Konzentration verlangen, kann das Laufband jedoch stören.

Was ist ein Walking-Pad?

Ein Walking-Pad ist ein kompaktes Laufband, das vor allem für langsames Gehen konzipiert wurde. Anders als klassische Fitness-Laufbänder besitzen viele Modelle weder Handlauf noch große Bedienkonsole. Die Geschwindigkeit endet häufig bei sechs Kilometern pro Stunde. Während der Arbeit dürften allerdings rund zwei Kilometer pro Stunde genügen.

Voraussetzung für den Einsatz ist ein höhenverstellbarer Schreibtisch. Der Bildschirm sollte auf Augenhöhe stehen, die Arme sollten locker auf der Arbeitsfläche aufliegen. Wer beim Gehen nach unten auf einen Laptop blickt oder ständig das Gleichgewicht korrigieren muss, tauscht den Bewegungsmangel möglicherweise nur gegen eine ungünstige Körperhaltung.

Was kostet ein Walking-Pad fürs Homeoffice?

Einfache Walking-Pads sind im Onlinehandel bereits für etwa 100 Euro erhältlich. Modelle mit breiterer Lauffläche, stärkerem Motor, besserer Dämpfung oder automatischer Steigung kosten meist zwischen 200 und 400 Euro. Hochwertige Geräte können deutlich darüber liegen.

Der Preis allein sagt allerdings wenig über die Alltagstauglichkeit aus. Entscheidend sind die Größe der Lauffläche, das zulässige Nutzergewicht, die Geräuschentwicklung, die niedrigste einstellbare Geschwindigkeit und die Möglichkeit, das Gerät leicht zu verschieben. Wer in einer Wohnung arbeitet, sollte außerdem auf Trittschall achten. Ein vermeintlich leiser Motor verhindert nicht automatisch, dass Schritte in der darunterliegenden Wohnung zu hören sind.

Walking-Pads verringern die Sitz-Zeit

Der gesundheitliche Nutzen liegt vor allem in der zusätzlichen Bewegung. Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt Erwachsenen pro Woche mindestens 150 bis 300 Minuten Bewegung mit moderater Intensität. Zugleich sollte langes Sitzen möglichst begrenzt werden. Eine fixe Vorgabe von 10.000 Schritten pro Tag gibt die WHO hingegen nicht.

Eine Metaanalyse von 23 randomisierten Studien kommt zu dem Ergebnis, dass aktive Arbeitsplätze die berufliche Sitz-Zeit reduzieren können. Besonders wirksam waren kombinierte Maßnahmen – etwa höhenverstellbare Schreibtische, Laufband-Arbeitsplätze und regelmäßige Erinnerungen an Bewegungspausen.

Walking-Pads können zudem den Energieverbrauch deutlich erhöhen. In einer kleineren Labor-Studie lag er beim Gehen und Tippen ungefähr doppelt so hoch wie bei gewöhnlicher Schreibtischarbeit im Sitzen. Das macht das Gerät allerdings noch nicht zum Ersatz für Sport: Gemächliches Gehen am Schreibtisch trainiert weder Kraft noch Ausdauer in derselben Weise wie eine gezielte Trainingseinheit.

Steigert Gehen die Produktivität?

Gleichwohl gibt es für das häufige Werbeversprechen eines generellen Produktivitätsschubs keine eindeutigen Belege. Eine Metaanalyse von 18 Studien zeigte, dass Laufband-Arbeitsplätze die Tippgeschwindigkeit verringern können. Die selektive Aufmerksamkeit wurde hingegen nicht messbar beeinträchtigt; beim Erinnerungsvermögen fanden die Forschenden teilweise sogar positive Effekte.

Wie stark die Arbeit leidet, hängt offenbar von Geschwindigkeit, Aufgabe und Gewöhnung ab. Eine Untersuchung ermittelte bei Mausbedienung, Tippen und mathematischen Aufgaben Leistungseinbußen von sechs bis elf Prozent. Leseverständnis und Verarbeitungsgeschwindigkeit blieben dagegen weitgehend stabil. Eine andere Studie fand bei einem Tempo von 2,25 Kilometern pro Stunde keinen signifikanten Unterschied zur Tippgeschwindigkeit im Sitzen. Bei langsameren und schnelleren Einstellungen schnitten die Testpersonen schlechter ab.

Das Walking-Pad ist damit weniger ein Produktivitätsbeschleuniger als ein Werkzeug für bestimmte Phasen des Arbeitstages.

Welche Büroarbeiten eignen sich?

Gut kombinieren lässt sich langsames Gehen vor allem mit Telefonaten, internen Videokonferenzen, dem Anhören von Präsentationen oder dem Lesen einfacher Unterlagen. Auch Routineaufgaben, bei denen nur wenige Eingaben nötig sind, können funktionieren.

Für das Schreiben anspruchsvoller Texte, komplexe Berechnungen, Grafik-Arbeiten oder präzise Mausbewegungen ist Sitzen oder Stehen meist geeigneter. Auch bei wichtigen Kundengesprächen kann das sichtbare Auf und Ab vor der Kamera ablenken. Sinnvoller als acht Stunden Dauergehen ist deshalb der gezielte Wechsel zwischen Sitzen, Stehen und Bewegen.

 

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