Internet, Smartphone und Social Media bestimmen heute große Teile der freien Zeit. Gleichzeitig treiben so viele Menschen Sport wie nie zuvor in der Langzeitstudie. Künstliche Intelligenz hat innerhalb kurzer Zeit ebenfalls einen festen Platz im privaten Alltag gefunden. Klassische Gewohnheiten wie Zeitunglesen, Kneipenbesuche oder Treffen mit Nachbarn verlieren dagegen an Bedeutung. Grundlage der aktuellen Ergebnisse ist eine repräsentative Befragung von rund 3.000 Erwachsenen in Deutschland im Juli 2026.
Fast vier Stunden Freizeit – seit Jahrzehnten
3 Stunden und 56 Minuten stehen den Bundesbürgern 2026 durchschnittlich an einem Werktag für Dinge zur Verfügung, die ihnen Spaß und Freude machen. Bemerkenswert ist weniger die Zahl selbst als ihre Beständigkeit.
Bereits 1988 waren es 4 Stunden und 8 Minuten. Den niedrigsten Wert der ausgewiesenen Erhebungen verzeichnete die Stiftung 2003 mit 3 Stunden und 43 Minuten, den höchsten im Pandemiejahr 2020 mit 4 Stunden und 11 Minuten. Über fast vier Jahrzehnte beträgt die Spannweite damit lediglich 28 Minuten.
Hinter dem Durchschnitt verbergen sich allerdings große Unterschiede. Ruheständler kommen auf 4 Stunden und 52 Minuten freie Zeit pro Werktag. Singles zwischen 25 und 49 Jahren haben 4 Stunden und 8 Minuten. Am knappsten ist Freizeit bei Familien mit Kindern bis 15 Jahre: Ihnen bleiben durchschnittlich nur 2 Stunden und 59 Minuten.
Internet und Smartphone bestimmen den Freizeitalltag
Bei den regelmäßigen Freizeitaktivitäten ist die Digitalisierung unübersehbar. 97 Prozent nutzen mindestens einmal pro Woche das Internet. Fernsehen folgt mit 84 Prozent, Musik hören mit 82 Prozent. 81 Prozent spielen, surfen oder chatten regelmäßig mit dem Smartphone, 76 Prozent nutzen PC, Laptop oder Tablet und 71 Prozent Social Media.
Der Zehnjahresvergleich zeigt, wie schnell sich die Gewohnheiten verschoben haben. Die Smartphone-Nutzung für Spielen, Surfen und Chatten stieg von 31 Prozent im Jahr 2016 auf 81 Prozent 2026. Social Media legte von 48 auf 71 Prozent zu, Videospiele von neun auf 33 Prozent.
Auf der anderen Seite verlieren klassische Medien Reichweite. Gedruckte Zeitungen und Zeitschriften wurden 2016 noch von 72 Prozent mindestens wöchentlich gelesen, 2026 sind es 36 Prozent. Beim Radio sank der Wert von 90 auf 70 Prozent, beim Fernsehen von 97 auf 84 Prozent.
42 Prozent nutzen KI jede Woche in ihrer Freizeit
Neu erhoben wurde 2026 die private Nutzung von Künstlicher Intelligenz. Das Ergebnis zeigt, wie schnell die Technologie im Alltag angekommen ist: 42 Prozent nutzen KI mindestens einmal pro Woche in ihrer Freizeit, beispielsweise zum Erstellen von Texten und Bildern oder zum Chatten. Elf Prozent tun dies sogar täglich.
Besonders groß sind die Unterschiede zwischen den Generationen. Bei den 18- bis 34-Jährigen nutzen 64 Prozent KI mindestens wöchentlich. Unter den 35- bis 54-Jährigen sind es 46 Prozent, bei den 55- bis 74-Jährigen 24 Prozent. Männer kommen auf 45 Prozent, Frauen auf 39 Prozent.
Auch bei einer monatlichen Betrachtung ist KI längst keine Nischenaktivität mehr: 60 Prozent der Befragten nutzen die Technologie mindestens einmal im Monat. Bei den 18- bis 34-Jährigen sind es 83 Prozent.
Für Anbieter digitaler Dienste zeigt sich damit, wie schnell KI vom Arbeitswerkzeug zum Bestandteil des privaten Medien- und Freizeitkonsums wird.
Deutschland erreicht beim Sport einen neuen Höchstwert
Digitaler Alltag bedeutet offenbar nicht automatisch weniger Bewegung. 53 Prozent der Bundesbürger treiben mindestens einmal pro Woche Sport – ein neuer Höchstwert der Langzeitstudie. Vor zehn Jahren waren es 36 Prozent, 1986 sogar nur 18 Prozent. Damit hat sich der Anteil der regelmäßig Sporttreibenden innerhalb von 40 Jahren nahezu verdreifacht.
Auch digitale Plattformen reagieren auf die wachsende Bedeutung von Fitness. So hat Spotify mit einem eigenen Fitness-Hub sein Angebot um mehr als 1.400 Peloton-Kurse erweitert.
Der Aufwärtstrend zeigt sich auch bei einzelnen Aktivitäten. 34 Prozent fahren mindestens einmal pro Woche Fahrrad, ebenso viele treiben zu Hause Sport, beispielsweise mit Home-Workouts oder Yoga. 23 Prozent besuchen regelmäßig ein Fitnessstudio. 58 Prozent tun mindestens einmal pro Woche etwas für die eigene Gesundheit.
Freunde bleiben wichtig – klassische Geselligkeit verändert sich
Nicht jede Entwicklung zeigt nach oben. Besonders deutlich hat sich das soziale Freizeitverhalten verändert. 1986 trafen sich 37 Prozent regelmäßig mit Freunden, 2003 waren es 41 Prozent. Heute sind es 19 Prozent. Nach Einschätzung der Stiftung verlagern sich soziale Kontakte stärker in individuell planbare und digitale Formen.
Im Zehnjahresvergleich zeigt sich allerdings ein differenziertes Bild. Außer Haus etwas mit Freunden zu unternehmen, stieg von 15 Prozent 2016 auf 19 Prozent 2026. Freunde und Bekannte zu Hause zu treffen legte von 16 auf ebenfalls 19 Prozent zu.
Zurückgegangen sind dagegen beiläufigere soziale Kontakte. Mit Nachbarn treffen oder plaudern sank von 39 auf 30 Prozent. Auch die regelmäßige gemeinsame Zeit mit dem Partner ging von 71 auf 64 Prozent zurück.
Vom Brettspiel bis Gaming: Freizeit erfindet sich neu
Der Blick über 40 Jahre zeigt zugleich, dass alte Freizeitformen nicht zwangsläufig verschwinden. Gesellschafts- und Kartenspiele erleben beispielsweise eine Renaissance. 1986 spielten 15 Prozent mindestens wöchentlich, Mitte der 2010er-Jahre waren es teilweise nur noch sechs bis acht Prozent. 2026 liegt der Anteil wieder bei 14 Prozent.
Auch Handarbeiten kehren zurück. Nach einem Rückgang von 21 Prozent im Jahr 1986 auf nur drei Prozent 2015 greifen heute wieder zehn Prozent mindestens einmal pro Woche zu Wolle und Nadel.
Parallel dazu hat sich Gaming im Alltag etabliert. 1994 spielten fünf Prozent regelmäßig Videospiele, heute ist es mit 33 Prozent jeder Dritte. Wie groß die Bedeutung der Branche inzwischen ist, zeigt auch die gamescom 2026, die in Köln erneut hunderttausende Gaming-Fans erwartet.
Der Freizeit-Monitor zeichnet damit nach vier Jahrzehnten weniger das Bild einer Gesellschaft mit völlig neuen Bedürfnissen als einer Gesellschaft, die dieselben Bedürfnisse auf neuen Wegen erfüllt. Erholung, Bewegung, Unterhaltung und Gemeinschaft bleiben zentrale Bestandteile der freien Zeit. Für Unternehmen der Medien-, Technologie-, Fitness-, Kultur- und Freizeitwirtschaft verschärft sich damit zugleich der Wettbewerb um eine Ressource, die kaum gewachsen ist: die Aufmerksamkeit der Menschen innerhalb von knapp vier Stunden Freizeit pro Werktag.
Kommentar veröffentlichen