Sixpack zum Anziehen
Muskel-Shapewear wird zum Männertrend – und erntet Spott

| Redaktion 
| 24.08.2026

Ein Sixpack, für den es weder Hanteln noch Bauchmuskeltraining braucht: Muskel-Shapewear soll Männern innerhalb weniger Sekunden einen trainierteren Oberkörper verleihen. Auf Social Media erreichen Shirts mit integrierten Muskelpolstern ein Millionenpublikum. Damit überträgt sich ein etabliertes Prinzip der Damenmode auf eine neue Zielgruppe – allerdings nicht ohne Widerstand. Zwischen Kaufinteresse und Spott entwickelt sich eine Debatte über Männer, Körperbilder und Authentizität.

Muskel-Shapewear für Männer sorgt derzeit auf Social Media für viel Aufmerksamkeit. Die Shirts arbeiten mit integrierten Polstern für Brust, Bauch und teilweise Oberarme und lassen den Oberkörper deutlich muskulöser wirken. Wie 20 Minuten berichtet, reichen die Reaktionen darauf von Zustimmung bis Spott.

Eine der Marken, die mit solchen Produkten besonders viel Reichweite erzielt, ist Forma Teraz. Das Unternehmen präsentiert seine figurformenden Shirts regelmäßig auf Social Media. Ein auf Instagram veröffentlichtes Video kommt mittlerweile auf mehr als 54,1 Millionen Aufrufe. Die enorme Reichweite verschafft dem Nischenprodukt internationale Sichtbarkeit.

Neue Zielgruppe für ein bekanntes Produktprinzip

Aus Handelssicht liegt der interessanteste Aspekt weniger im Produkt selbst als in seiner Positionierung. Figurformende Unterwäsche, Polster und Push-up-Produkte sind im Damenbereich seit Langem etabliert. Muskel-Shapewear überträgt dieses Prinzip auf männliche Körperbilder und schafft damit eine neue Variante innerhalb einer bekannten Produktlogik.

Der Unterschied liegt vor allem in den angesprochenen Körperpartien. Während klassische Shapewear häufig Taille, Hüften oder Brust formt, zielt die Männer-Variante auf Bauch, Brust und Bizeps. Anbieter erschließen damit potenziell eine Zielgruppe, die bislang deutlich seltener mit figurformender Kleidung angesprochen wurde.

Für Marken ist dieser Ansatz strategisch interessant: Statt eine völlig neue Produktkategorie zu entwickeln, wird ein bestehendes Konzept für ein anderes Konsumbedürfnis neu interpretiert. Solche Adaptionen können neue Sortimentsfelder eröffnen – vorausgesetzt, aus Aufmerksamkeit wird auch Nachfrage.

Social Media wird zum Markttest

Die Resonanz zeigt, warum sich Muskel-Shapewear besonders gut für Social Media eignet. Der Effekt ist sofort sichtbar: Ein kurzer Vorher-nachher-Vergleich reicht aus, um zu zeigen, wie stark die integrierten Polster die Silhouette verändern. Gerade auf Instagram und TikTok lässt sich das Produkt deshalb besonders leicht inszenieren.

Für Marken sind dabei nicht nur die Aufrufzahlen interessant. Kommentare und Reaktionen zeigen unmittelbar, wie das Produkt wahrgenommen wird. Zustimmung, Skepsis und Spott liegen eng beieinander – und liefern damit ein direktes Stimmungsbild zur Akzeptanz der Idee.

Reichweite ist noch kein Markt

Für Händler und Anbieter ist dennoch Vorsicht angebracht. Millionen Aufrufe auf Social Media belegen enorme Aufmerksamkeit, aber nicht automatisch Zahlungsbereitschaft. Verkaufszahlen, Umsätze oder Marktanteile sind nicht bekannt. Auch Aussagen über die langfristige Nachfrage lassen sich aus der viralen Resonanz nicht ableiten.

Die Reaktionen zeigen zugleich, dass der Trend mehr berührt als reine Produktästhetik. Während figurformende Hilfsmittel im Damenbereich längst etabliert sind, werden vergleichbare Produkte für Männer deutlich stärker kommentiert und verspottet. Damit rückt auch die Frage in den Fokus, wie offen über männlichen Körperdruck gesprochen wird – und warum optische Hilfsmittel bei Männern anders bewertet werden als bei Frauen.

Für Hersteller und Händler könnte genau darin die eigentliche Entwicklung liegen: nicht im einzelnen Sixpack-Shirt, sondern in der Frage, ob sich figurformende Herrenmode breiter ausdifferenziert. Die aktuelle Aufmerksamkeit liefert dafür zumindest ein deutliches Signal – ob daraus ein dauerhaftes Marktsegment entsteht, ist allerdings noch offen.

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