Gesunde Luft als Infrastrukturprojekt
Stripe, OpenAI und Anthropic investieren 500 Millionen Dollar gegen Erkältungen

| Natalie Oberhollenzer 
| 28.06.2026

Ein Bündnis aus Tech-Konzernen und Investoren erklärt der Erkältung den Krieg: Die Stripe-Gründer Patrick und John Collison finanzieren gemeinsam mit OpenAI, Anthropic und Bill Gates die neue Non-Profit-Organisation "Intercept". Mit einem Startkapital von 500 Millionen US-Dollar soll das Projekt Atemwegsinfektionen drastisch reduzieren. Der Ansatz: Viren werden nicht erst im Körper bekämpft, sondern als Infrastrukturproblem in der Innenraumluft behandelt.

Die Brüder Patrick und John Collison, Gründer des Zahlungsdienstleisters Stripe, stellen ihrer neuen Non-Profit-Organisation namens Intercept 500 Millionen US-Dollar zur Verfügung. Unterstützt wird das Projekt unter anderem von OpenAI, Anthropic, Microsoft-Mitgründer Bill Gates, der Forschungsorganisation Flu Lab sowie weiteren Geldgebern aus Technologie, Wissenschaft und Finanzwelt.

Das Ziel klingt ambitioniert: Atemwegserkrankungen sollen langfristig nicht mehr einfach hingenommen, sondern systematisch verhindert werden.

"Ich glaube, wir betrachten Atemwegsinfektionen derzeit noch als eine Art kleines Ärgernis, unterschätzen aber die Belastung, die sie für die Gesellschaft darstellen", sagt Nan Ransohoff, Führungskraft bei Stripe und eine der Leiterinnen der Initiative in der offiziellen Vorstellung von Intercept.

Fünf Prozent des Lebens krank

Ransohoff verweist darauf, dass der Durchschnittsmensch rund fünf Prozent seines Lebens damit verbringe, gegen Erkältungen oder Grippe anzukämpfen. Für Unternehmen bedeutet das: Krankenstände, Produktivitätsverluste und Mitarbeiter, die zwar arbeiten, aber nicht voll leistungsfähig sind.

Dennoch werde in die Prävention gewöhnlicher Erkältungen bisher vergleichsweise wenig investiert. Ein Grund dafür ist die enorme Vielfalt der Erreger. Mehr als 200 verschiedene Viren können Erkältungssymptome auslösen, Rhinoviren gehören zu den häufigsten Verursachern.

"Aus Sicht der Pharmaunternehmen ist das nicht so attraktiv wie andere Bereiche, an denen sie arbeiten könnten", sagt Ransohoff. Daher würden dafür keine Ressourcen bereitgestellt. Es fehle schlichtweg der Anreiz.

Luft als neue Gesundheitsinfrastruktur

Intercept will hier ansetzen – und zwar nicht nur mit klassischen Impfstoffen. Gefördert werden sollen auch Luftreinigungssysteme für Schulen, Büros und öffentliche Gebäude, UV-Technologien zur Inaktivierung von Viren sowie neue biotechnologische Verfahren.

Die Idee: Viren sollen nicht erst im Körper bekämpft werden, sondern bereits dort, wo sie sich verbreiten – in der Luft. Die Vision der Initiative ist entsprechend groß. Gereinigte Luft soll künftig so selbstverständlich werden wie sauberes Trinkwasser.

Was heute bei Wasser niemand mehr infrage stellt, könnte nach Ansicht der Initiatoren auch für Innenräume gelten: Bevor Menschen Luft in Büros, Schulen, Hotels oder Flughäfen einatmen, soll sie möglichst frei von Krankheitserregern sein.

"Müssen wir das wirklich hinnehmen?"

Zu den wissenschaftlichen Impulsgebern des Projekts zählt David Veesler, struktureller Biologe und Impfstoffentwickler an der University of Washington. Er hält breit angelegte Gegenmaßnahmen gegen viele Viren gleichzeitig für technisch möglich.

"Die meisten Menschen akzeptieren diese Viren einfach als Teil des Lebens, und das brachte uns zum Nachdenken: Müssen wir das wirklich hinnehmen?", sagt Veesler.

Moderne Technologien könnten neue Wege eröffnen. Dazu zählen RNA-Medikamente, Antikörper und computergestütztes Proteindesign. Eine Idee besteht darin, virenbindende Proteine zu entwickeln, die Menschen per Nasenspray aufnehmen könnten, um Erreger abzufangen, bevor sie eine Infektion auslösen.

"Je mehr wir darüber nachdachten, desto mehr wurde uns klar, dass viele dieser Probleme noch nicht mit modernen Technologien angegangen wurden", sagt Veesler.

Ein neuer Markt für gesunde Gebäude

Sollte sich der Ansatz durchsetzen, könnte das weitreichende Folgen haben. Bislang standen bei modernen Gebäuden vor allem Energieeffizienz, Nachhaltigkeit und Klimaschutz im Mittelpunkt. Künftig könnte auch die Qualität der Innenraumluft zu einem zentralen Standort- und Wettbewerbsfaktor werden.

Davon betroffen wären Büroimmobilien, Schulen, Krankenhäuser, Hotels, Flughäfen und Veranstaltungsorte ebenso wie Hersteller von Lüftungs-, Filter- und Gebäudetechnik.

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