AOK-Umfrage
Pflege von Angehörigen belastet jeden zweiten Berufstätigen stark

| Redaktion 
| 11.05.2026

Die Pflege von Angehörigen wird für viele Menschen in Deutschland zur dauerhaften Belastungsprobe. Laut einer aktuellen AOK-Umfrage fühlt sich fast jede zweite berufstätige Pflegeperson körperlich und psychisch stark beansprucht. Gleichzeitig greifen viele Betroffene trotz hoher Belastung kaum auf bestehende Entlastungsangebote der Pflegeversicherung zurück. Besonders häufig übernehmen Frauen die tägliche Betreuung von Eltern oder Partner:innen – oft über Jahre hinweg und zusätzlich zum Job.

Pflegende Angehörige übernehmen in Deutschland weiterhin den größten Teil der häuslichen Versorgung. Wie WELT unter Berufung auf die Katholische Nachrichten-Agentur (KNA) berichtet, basiert eine aktuelle Forsa-Umfrage im Auftrag der AOK auf den Angaben von rund 1.500 pflegenden Angehörigen.

Demnach sind 59 Prozent der Pflegepersonen zusätzlich berufstätig. Rund ein Drittel arbeitet Vollzeit, weitere 28 Prozent in Teilzeit. Besonders auffällig: Fast jede zweite Teilzeitkraft hat ihre ursprüngliche Arbeitszeit wegen der Pflege reduziert.

Knapp die Hälfte der berufstätigen Pflegenden gab an, sich im Alltag körperlich und psychisch stark belastet zu fühlen. Bei nicht erwerbstätigen Pflegepersonen lag dieser Wert bei rund 38 Prozent.

Pflege belastet viele Berufstätige

Die AOK-Umfrage zeigt, wie stark viele pflegende Angehörige im Alltag beansprucht sind:

  • 59 Prozent der pflegenden Angehörigen sind berufstätig
  • Knapp jede zweite berufstätige Pflegeperson fühlt sich stark belastet
  • Rund 38 Prozent der nicht berufstätigen Pflegenden berichten von hoher Belastung
  • Fast jede zweite Teilzeitkraft reduzierte wegen der Pflege ihre Arbeitszeit
  • Jede fünfte Person pflegt mindestens 30 Stunden pro Woche
  • Fast 40 Prozent kümmern sich seit mindestens fünf Jahren um Angehörige

Die große Mehrheit der Pflegebedürftigen in Deutschland wird zuhause versorgt. Vor allem Frauen übernehmen dabei die Betreuung von Eltern oder Partner:innen. Zwei Drittel der Hauptpflegepersonen sind laut der Umfrage täglich in die Pflege eingebunden.

Entlastungsangebote werden selten genutzt

Trotz der hohen Beanspruchung nutzen viele pflegende Angehörige bestehende Leistungen der Pflegeversicherung kaum. Laut der Umfrage nimmt etwa jede zweite Person, die Pflegegeld bezieht, keine zusätzlichen Unterstützungsangebote in Anspruch.

Dabei stehen unterschiedliche Leistungen zur Verfügung, darunter Verhinderungs-, Ersatz- oder Kurzzeitpflege. Viele Betroffene möchten jedoch nicht, dass Eltern oder Partner:innen von fremden Personen betreut werden. Die Pflege wird deshalb häufig innerhalb der Familie organisiert.

Die Ergebnisse der AOK-Umfrage verdeutlichen die zunehmende gesellschaftliche Bedeutung häuslicher Pflege – insbesondere vor dem Hintergrund des demografischen Wandels und des anhaltenden Fachkräftemangels im Pflegebereich.

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