Künstliche Intelligenz ist allgegenwärtig – doch zwischen Euphorie und Überforderung drohen prägende Fehlentscheidungen. Gregor Schmalzried gehört zu jenen, die KI nicht nur erklären, sondern einordnen: Im LEADERSNET-Interview spricht der Autor und Host von "Der KI-Podcast" darüber, warum die Technologie weder Heilsversprechen noch Jobkiller ist.
KI-Experte und Podcaster Gregor Schmalzried differenziert Hype und Realität, macht kreative Arbeit mithilfe moderner Tools verständlich und erläutert, warum Unternehmen mehr als bloße Experimente mit entsprechenden Werkzeugen brauchen.
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LEADERSNET: In Ihrem Antenne.de-Interview sprachen Sie darüber, wie KI unser Leben verändert. Angesichts der aktuellen Euphorie, aber auch der Ängste: Wo stehen wir Ihrer Meinung nach wirklich? Ist das, was wir erleben, ein Hype à la Dotcom-Blase oder sehen wir den Beginn einer fundamentalen Umwälzung, vergleichbar mit der industriellen Revolution?
Gregor Schmalzried: Beides. Auf die Dotcom-Blase folgte ja nicht nur heiße Luft, sondern der globale Siegeszug des Internets. Und auch während der industriellen Revolution war nicht jede Spekulation gerechtfertigt. Wichtig ist aber: Nur weil man erkannt hat, dass KI wichtig ist, hat man noch nicht die richtigen Entscheidungen für die Zukunft getroffen. Man hat höchstens gemerkt, dass diese Entscheidungen jetzt anstehen.
LEADERSNET: Sie sprechen von den Entscheidungen, die jetzt anstehen – eine davon haben Sie selbst mit "Der KI-Podcast" (hier auf Spotify) getroffen, mit dem Sie wöchentlich ein breites Publikum erreichen. Wie misst man eigentlich Erfolg in einem Medium, das komplexe Themen wie Alignment, Datenethik oder KI-Risiken behandelt, ohne sie zu vereinfachen?
Gregor Schmalzried: Erfolg messen wir einmal an der Zahl der Hörer – aktuell erreicht kein Podcast über KI im deutschsprachigen Raum mehr Menschen. Aber auch an der Breite des Publikums. Uns hören Lehrerinnen, Studenten, Führungskräfte, IT-Experten... immer wieder schreiben uns auch Menschen, denen unser Podcast dabei geholfen hat, sich beruflich neu zu orientieren – das freut uns natürlich besonders.
Wann immer wir es schaffen, ein technisches Thema so begreiflich zu machen, dass es auch dort ankommt, wo es sonst vielleicht nicht gelandet wäre, ist das ein Erfolg. Ähnliches gilt für Tools: Dass es auch die europäische ChatGPT-Alternative von Mistral gibt, haben viele, so schreiben sie uns, erst über den Podcast gehört.
LEADERSNET: Diese Vermittlerrolle zwischen Technologie und Menschen ziehen Sie konsequent durch. In Ihrem Buch "Wir, aber besser" argumentieren Sie, dass wir KI aktiv gestalten müssen und nicht bloß konsumieren sollten. Könnten Sie das mit einem konkreten Beispiel untermauern – etwa ein KI-Tool oder einen Use-Case, der zeigt, wie diese aktive Gestaltung in der Praxis funktioniert?
Gregor Schmalzried: Das Schöne am Prompten ist ja, dass es komplett von uns abhängt. Anders als bei Social Media, wo wir schnell nur apathisch scrollen, verlangt die KI konstant nach unserem Input. Und hier können wir steuern, wie sich die KI verhält – was sie tun soll.
Durch gezieltes, manchmal sogar ganz beiläufiges Prompting, können wir selbst bestimmen, wie unser Denkpartner aussehen soll: Ob er uns kritisch oder optimistisch begegnen soll, wo er unsere Stärken komplementieren und unsere Schwächen kompensieren kann. Das passiert nicht von alleine – sondern nur, indem wir uns aktiv Gedanken über unsere Nutzung machen.
LEADERSNET: Das klingt vielversprechend, wirft aber auch die Frage nach den Grenzen auf. Im Manager Magazin sagten Sie: "KI kann Wissenslücken schließen, aber fehlt ihr die menschliche Intuition". Eine Studie zeigte kürzlich, dass KI extreme Stürme unterschätzt, da sie seltene Ereignisse in Trainingsdaten ignoriert. Wo siegt der Mensch noch klar über Modelle wie GPT-4?
Gregor Schmalzried: Anders als ein Sprachmodell können Menschen kontinuierlich lernen – man braucht uns nur ein oder zweimal einen Prozess zeigen und wir haben ihn verinnerlicht, manchmal über Jahre. Macht man das immer wieder, eine ganze Karriere lang, können wir tiefgreifende spezialisierte Expertise aufbauen und auch intuitiv gute Entscheidungen treffen. Ein Sprachmodell, dem unsere konkrete Perspektive fehlt, tut sich damit notorisch schwer. Es "lernt" deutlich umständlicher und weniger natürlich.
LEADERSNET: Trotz dieser Einschränkungen – oder gerade deswegen – warnten Sie im Manager Magazin auch: KI ersetzt binäre Prozesse, nicht kreative Trends. Gleichzeitig suchen Unternehmen derzeit händeringend KI-Kenner; Stellen mit KI-Bezug boomen regelrecht. Wie können Marketing-Profis diese Situation für konkrete Karrierevorsprünge nutzen?
Gregor Schmalzried: KI liefert viele Antworten – aber genauso wichtig ist es, die richtigen Fragen zu stellen. Fragt man ein Sprachmodell nach zehn kreativen Marketingideen, dann bekommt man solide Ideen, aber nichts Revolutionäres.
Nutzt man das Sprachmodell aber als Denkpartner, kommt man mit dessen Hilfe vielleicht selbst auf eine richtig gute Idee – und kann sie mithilfe von KI auf einmal skalieren. Um vom Einfall zum Konzept zu den ersten Inhalten zu kommen, brauchte man früher ein Team und mehrere Tage. Heute geht das alleine und in Stunden. Menschen mit guten kreativen Ideen kommen also viel weiter als früher.
LEADERSNET: Diese Skalierungsmöglichkeit ist faszinierend. Aber wenn wir ehrlich sind: In vielen Firmen fließen KI-Tools zwar ein, werden oft aber nur oberflächlich genutzt. Was ist – Ihrer Erfahrung nach – der größte Unterschied zwischen Menschen, die KI wirklich produktiv einsetzen, und denen, die sie bloß "ausprobieren"?
Gregor Schmalzried: In meinen Workshops und Beratungstätigkeiten fällt mir immer wieder auf, dass die meisten "casual" Nutzer die KI immer noch als eine Art Google-Ersatz nutzen. Man stellt einfache Fragen und manchmal Rückfragen, bis man irgendwann zufrieden ist.
"Wir, aber besser" bündelt Schmalzrieds Gedanken in Buchform (Bild: Penguin Verlag)
Eine einfache sinnvolle Maßnahme ist es, der KI nicht zurückzuschreiben, wenn man mit der ersten Antwort nicht zufrieden ist. Stattdessen sollte man eher an seinen ursprünglichen ersten Prompt arbeiten, bis man zufrieden mit dem Ergebnis ist. So lernt man ganz von alleine strukturiertes Prompting und entwickelt ganz von alleine reproduzierbare und robustere Workflows.
LEADERSNET: Lassen Sie uns noch den Blick aufs große Ganze werfen. Laut einer Studie von PwC könnte KI bis 2030 weltweit ein zusätzliches Wirtschaftswachstum von 15,7 Billionen US-Dollar generieren. Gleichzeitig warnen Kritiker vor massiven Arbeitsplatzverlusten. Wie balancieren wir zwischen Euphorie und Angst – und welche Narrative halten Sie dabei für besonders gefährlich?
Gregor Schmalzried: Genaue Zahlen kennt natürlich niemand – alle konkreten Prognosen sind letztlich Kaffeesatzleserei. Die gefährlichsten Narrative sind vermutlich die extremen: Sowohl die Vorstellung, dass Generative KI für die meisten Menschen nutzlos sei, aber auch die, dass alle menschliche Arbeit in den nächsten drei Jahren nutzlos wird. Beides ist nicht korrekt – und beides führt zur Blockade. Untersuchungen zeigen: Wer aktiv KI nutzt, hat deutlich weniger Ängste und Sorgen um seinen eigenen Job als wer es nicht tut.
LEADERSNET: Eine ermutigende Beobachtung. Zum Abschluss die vielleicht wichtigste Frage für alle, die uns zuhören: Welche Ratschläge geben Sie Unternehmen, die KI in ihre Geschäftsstrategie integrieren wollen? Welche Fehler sollten sie unbedingt vermeiden, und welche Chancen sollten sie auf keinen Fall verpassen?
Gregor Schmalzried: Meiner Erfahrung nach herrscht in zu vielen Unternehmen immer noch KI-Wildwuchs. Mitarbeitern wird zwar angeraten, KI zu benutzen – aber die besten Tools stellt man ihnen nicht zur Verfügung. Das führt entweder zu veralteten Arbeitsweisen oder zu Schattensystemen, in denen Mitarbeiter nicht-genehmigte Tools verwenden. Beides kann früher oder später auf die Füße fallen. Ein moderner Tech Stack und klare Kommunikation über die Grenzen der Technologie sollte zwar selbstverständlich sein, ist es aber in der Praxis oft immer noch nicht.
Am Montagmorgen wurde der wichtigste Preis für gesellschaftliches Engagement im deutschen Vereinssport vergeben. Dabei konnte sich eine dem Ehrenamt gewidmete Initiative der Turngemeinde Herford von 1860 e.V. gegen die bundesweite Konkurrenz behaupten – ein Triumph, der neben gebührender Anerkennung auch ein fünfstelliges Preisgeld einbringt.
Neun Tage lang haben sich Hersteller, Händler und Destinationen aus aller Welt in Düsseldorf versammelt, um neue Modelle zu präsentieren, Partnerschaften zu schließen, Auftragsbücher zu füllen und bei all dem die Nachhaltigkeit nicht aus dem Blick zu verlieren. Dabei präsentiert sich die Wassersportmesse nach schwierigen Jahren wieder verstärkt als Ort, an dem Zuversicht und Investitionsbereitschaft zurückkehren.
Wer arbeitet zu Hause wirklich – und wer macht nebenbei den Abwasch? Eine aktuelle Umfrage deckt drastische Unterschiede in der europäischen Homeoffice-Mentalität auf. Während jeder dritte Deutsche angibt, keine Sekunde privat zu nutzen, bekennen sich Franzosen und Italiener mutig zur Ablenkung. Ein Blick auf Daten, Disziplin und digitale Ehrlichkeit.
Nicht nur in "Die Höhle der Löwen" bringt Finanzunternehmer Carsten Maschmeyer seine Ansicht meist klar auf den Punkt: In einem aktuellen Zeitungsinterview spricht er sich zugunsten des deutschen Wirtschaftsstandorts dafür aus, dass der hiesige Verwaltungsapparat umfangreich modernisiert – und dadurch massiv verschlankt – wird.
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