Wenn Experten wie der Condé Nast Traveller ihre Prognosen für das kommende Jahr abgeben, blickt die Reisewelt gebannt auf die Karte. 2026 zeigt sich Europa dabei vielseitiger denn je: Es geht weg vom Standard-Luxus, hin zu tief verwurzelter Authentizität und radikaler Entschleunigung. Ob restaurierte Jagdhäuser, diskrete Apartments in Renaissance-Palästen oder Wellness-Oasen in den Design-Metropolen – die kommenden Hotel-Openings sind mehr als nur Unterkünfte; sie sind Destinationen für sich. Hier die Auswahl der europäischen Hotels, die 2026 (neu) aufsperren.
In Madrid verwandelt sich ein Gebäude von 1905 in das Mercer Madrid, das als erstes Haus der Marke in der Hauptstadt mit elegant reduzierter, leicht japanisch inspirierter Handschrift punktet. Dazu kommt ein kulinarisches Setup, das schon vor der Eröffnung Aufmerksamkeit erzeugt: Sternekoch Eneko Atxa verantwortet das Restaurant, während Javier de las Muelas die Bar zur Adresse für präzise gemixte Drinks machen dürfte.
Wer statt Metropole maximale Entschleunigung sucht, findet sie auf Formentera: Vestige Can Jordi setzt auf ein kleines Villen-Ensemble nahe Cala Saona, das Privatsphäre und Ausblick klug balanciert. Helle, klare Räume, natürliche Materialien und mehrere Pools mit wenigen Liegen unterstreichen den Anspruch, die Insel von ihrer ruhigen, ursprünglichen Seite zu erleben – ohne Inszenierung, aber mit viel Gefühl für Atmosphäre.
An der Côte d’Azur heißt das neue Luxusversprechen "Insel statt Innenstadt": Zannier Bendor eröffnet am 1. Mai 2026 auf der Île de Bendor und wirkt wie ein eigenes kleines provenzalisches Dorf – sieben Bootsminuten von Bandol, aber gedanklich weit weg vom Trubel. 93 Zimmer, mehrere Gastronomien, Wellness, Kunst und eine private Bucht machen das Resort zu einer Rundum-Destination, kulinarisch geprägt von Spitzenkoch Lionel Levy.
Venedig spielt 2026 gleich doppelt seine historische Karte aus – einmal in ruhiger Giudecca-Lage mit Airelles Palladio Venezia, das am 1. April 2026 drei geschichtsträchtige Gebäude inklusive restaurierter Kirche aus dem 16. Jahrhundert bespielt.Marmorböden, schwere Stoffe und venezianische Kunst treffen auf zeitgemäßen Komfort, ergänzt um Restaurants, Cicchetti-Bar, Pools und Spa.
Und dann ist da noch der Glamour-Transfer einer Legende: Orient Express Venezia bringt den Geist des berühmten Zugs in einen venezianischen Palast aus dem 15. Jahrhundert – mit 47 Zimmern und Suiten, in denen Murano-Glas, Fresken und venezianisches Handwerk das Storytelling übernehmen.
Florenz wiederum wird diskreter – und damit umso reizvoller. La Réserve Firenze denkt Luxus als privates Zuhause im restaurierten Palazzo, mit nur sechs Apartments und einem Service, der von Concierge bis persönlicher Küche reicht. Historische Elemente wie Deckenfresken werden nicht überdeckt, sondern durch eine ruhige, zeitgemäße Gestaltung in Szene gesetzt – ideal für alle, die Renaissance-Flair ohne klassisches Hotelleben suchen.
Mailand setzt auf Designkompetenz und Wellness-Anspruch: Six Senses Milan eröffnet Ende 2026 im kreativen Brera-Viertel und verbindet Materialien wie Arabescato-Marmor, antikes Messing und Rauchglas zu einer sinnlichen, handwerklich geprägten Ästhetik. 69 Zimmer und 16 Suiten, ein starker Spa-Bereich mit Innenpool und Saunen sowie Rooftop-Bar und Restaurants machen das Haus zur neuen Adresse für alle, die Mailand nicht nur besuchen, sondern erleben möchten.
In der Schweiz zeigt sich, wie viel Wirkung kleine Formate entfalten können. Chesa Marchetta in Sils Maria ist ein Gästehaus aus dem 16. Jahrhundert, das nach umfassender Renovierung mit nur 13 Zimmern und einem Nebenhaus bewusst auf Intimität setzt. Die Mischung aus Engadiner Tradition, lokaler Kunst und saisonaler Küche schafft genau jene kultivierte Ruhe, die das Hochtal seit jeher so besonders macht.
London bekommt 2026 gleich mehrere neue Fixpunkte – vom ikonischen Monument bis zum Boutique-Statement. Im denkmalgeschützten Admiralty Arch zwischen Trafalgar Square und The Mall zieht das Waldorf Astoria London Admiralty Arch ein und verbindet britische Grandezza in den öffentlichen Bereichen mit ruhigeren, modernen Zimmern. Auch gastronomisch wird hoch gepokert, wenn Namen wie Daniel Boulud und Clare Smyth Teil des Konzepts sind.
Mayfair wiederum erhält mit Cambridge House (Auberge Collection) ein Haus, das sich in einem georgianischen Herrenhaus am Piccadilly verankert – historisch aufgeladen, aber mit einer Brasserie-Idee, die auf Energie und Gegenwart setzt.
Und in Fitzrovia entsteht mit The Newman ein bewusst persönliches Boutique-Hotel, dessen reduziertes Design, kunstaffine Atmosphäre und ein ganzer Wellness-Stockwerk-Fokus auf Regeneration die Richtung klar vorgeben.
Wer schließlich Europa in seiner wildesten, ursprünglichsten Version erleben will, findet in den schottischen Highlands eine der spannendsten Neueröffnungen: Hope in Sutherland, das im Mai 2026 als restauriertes Jagdhaus aus den 1870ern an den Start geht. Hier stehen Natur, Abenteuer und ein maßgeschneiderter Tagesrhythmus im Mittelpunkt – von Wasserfällen und Küsten-Kajaks bis zu geführten Erkundungen mit erfahrenen Guides.
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