Altersvorsorge wird zur Kostenfalle
Rentenpunkte 2026 erreichen Rekordhoch

| Redaktion 
| 06.11.2025

Arbeitnehmer:innen mit stagnierenden Löhnen müssen sich auf spürbare Einbußen bei der Rente einstellen. Denn ab 2026 wird der Erwerb eines Rentenpunktes teurer als je zuvor. Warum vor allem Teilzeitkräfte, Geringverdiener:innen und Selbständige betroffen sind – und wie man gegensteuern kann.

Die gesetzliche Rente steht vor einem historischen Wendepunkt: Ab 2026 wird der Erwerb eines Rentenpunktes so teuer wie nie zuvor. Gleichzeitig steigen die Auszahlungswerte nur moderat. Ein wachsendes Ungleichgewicht, das besonders für Arbeitnehmer:innen mit niedrigem Einkommen zur rentenpolitischen Belastungsprobe wird.

Rentenformel unter Druck

Laut eines Berichts von merkur.de wird der Rentenpunkt 2026 so teuer wie nie zuvor – mit weitreichenden Folgen für die gesetzliche Altersvorsorge.

Im deutschen Rentensystem bestimmt die Anzahl der erworbenen Rentenpunkte die Höhe der monatlichen Rente. Ein voller Rentenpunkt entspricht dem Durchschnittsverdienst eines Jahres. Dieser steigt 2026 laut Bundesministerium für Arbeit und Soziales auf 51.944 Euro – ein Plus von 2,97 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Gleichzeitig steigt der Rentenwert – also der monatliche Betrag, den ein Rentenpunkt bringt – nur von 40,79 Euro auf 42,17 Euro. Die Beitragskosten wachsen damit schneller als die Rentenerträge. 2026 kostet ein Rentenpunkt rechnerisch 9.670,58 Euro. Für viele Beschäftigte bedeutet das: mehr einzahlen, weniger herausholen.

Die Rentenformel basiert auf einem Verhältnisprinzip – wer mehr verdient, bekommt auch mehr. Doch durch die Anhebung des Durchschnittseinkommens steigen die Anforderungen für den Erwerb eines vollen Rentenpunkts. Damit entfernt sich die Formel immer weiter von der tatsächlichen Einkommensrealität vieler Arbeitnehmer:innen.

Wer verliert – und wer kann profitieren?

Besonders betroffen von dieser Entwicklung sind:

  • Teilzeitkräfte mit begrenztem Stundenumfang

  • Geringverdiener:innen im Niedriglohnsektor

  • Berufseinsteiger:innen, deren Gehälter unter dem Durchschnitt liegen

  • Selbständige, die freiwillig in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen

Da ihre Einkommen in vielen Fällen nicht proportional zur Durchschnittsentwicklung steigen, erwerben sie für das gleiche Arbeitsvolumen weniger Rentenpunkte als im Vorjahr. Das hat direkte Auswirkungen auf die künftige Rentenhöhe.

Laut der gemeinnützigen Organisation Für soziales Leben e.V. kann sich das in einer Verringerung der Rentenansprüche um mehrere Hundert Euro pro Jahr bemerkbar machen. Besonders gefährdet sind Menschen mit unterbrochenen Erwerbsbiografien, wie etwa Beschäftigte im Einzelhandel, in der Pflege oder Gastronomie. Hier entstehen langfristige Versorgungslücken, wenn keine ergänzende Altersvorsorge vorhanden ist.

Nicht alle gehen jedoch leer aus: Wer überdurchschnittlich verdient und Gehaltssteigerungen erzielt, kann auch 2026 weiterhin volle oder sogar mehr als einen Rentenpunkt pro Jahr erwerben. Dazu zählen:

  • Fach- und Führungskräfte mit dynamischen Gehaltsentwicklungen

  • Tarifgebundene Beschäftigte in stark wachsenden Branchen

  • Top-Verdiener:innen, deren Einkommen deutlich über dem Durchschnitt liegt

Diese Gruppen profitieren trotz höherer Beitragslast langfristig durch höhere Rentenansprüche. Vorausgesetzt, es bestehen durchgängige Erwerbsbiografien und keine Versorgungslücken.

Wie wichtig sind Gehaltsverhandlungen künftig?

Ein Bruttojahresverdienst von 50.000 Euro brachte 2025 fast einen vollen Rentenpunkt – 2026 reicht das nicht mehr. Wer keine regelmäßigen Gehaltsanpassungen durchsetzt, verliert langfristig an Rentenansprüchen. Sozialrechtsexpert:innen sprechen bereits von einem "Rentenpunkt-Schock". Wer nicht gegensteuert, zahlt mehr für weniger Rente.

Neben Gehaltsverhandlungen wird die private Vorsorge immer relevanter. Zu den wichtigsten Instrumenten gehören:

  • Betriebliche Altersvorsorge (bAV)

  • Riester-Rente (insbesondere für Eltern und Ehepaare mit Kindern)

  • Rürup-Rente (für Selbständige)

  • ETF-gestützte Vorsorgepläne

Auch Unternehmen sind gefragt, attraktive Modelle zur betrieblichen Altersvorsorge bereitzustellen. Tarifparteien können über branchenbezogene Regelungen für mehr Ausgleich sorgen. Das gelingt derzeit aber nur in wenigen Sektoren.

Steuerliche Risiken belasten zusätzlich

Der Rentenwert steigt 2026 voraussichtlich um 3,3 bis 3,37 Prozent. Klingt positiv, kann jedoch negative Nebeneffekte haben: Wer durch die Erhöhung den Grundfreibetrag von voraussichtlich 12.348 Euro überschreitet, wird steuerpflichtig. Gleichzeitig steigen die Zusatzbeiträge in der Krankenversicherung.

Welche Folgen hat das für Rentner:innen?

Mehr Senior:innen müssen eine Steuererklärung abgeben – ein bürokratischer und finanzieller Mehraufwand. Vor allem Neurentner:innen sind betroffen, deren steuerfreier Anteil an der Rente geringer ausfällt als bei früheren Jahrgängen. Die Gefahr einer sogenannten "Steuerfalle" steigt.

Expert:innen empfehlen:

  • Frühzeitig individuelle Freibeträge prüfen

  • Steuerberatung in Anspruch nehmen

  • Krankenkassenbeiträge regelmäßig vergleichen

  • Rücklagen für Steuerzahlungen einkalkulieren

Unterm Strich zeigt sich: Die gesetzliche Rente bleibt ein komplexes und zunehmend belastetes System. Wer sich nicht aktiv mit seinen individuellen Vorsorgemöglichkeiten auseinandersetzt, riskiert deutliche Einbußen im Ruhestand. Eine Kombination aus strategischer Gehaltsentwicklung, betrieblicher und privater Vorsorge sowie steuerlicher Weitsicht ist entscheidend, um langfristig auf der sicheren Seite zu stehen.

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