BYD, Geely oder Rivian sind bereit
E-Autos: Deutschland gerät ins Hintertreffen

Eine aktuelle Untersuchung sieht den chinesischen Autobauer Geely hinsichtlich der Innovationsleistungen in der E-Mobilität an der Spitze. Heimische Unternehmen wie VW und Mercedes sind dagegen zurückgefallen. Das Ranking der absatzstärksten Modelle führt nach wie vor Tesla mit seinem Model Y an.

Keine Frage, im Autobau ist Deutschland Weltklasse. Doch wenn es um E-Autos geht, scheinen deutsche Hersteller wie VW und Mercedes zunehmend an Boden gegenüber internationalen Konkurrenten zu verlieren. Das ergibt eine Analyse des Automotive-Forschungsinstituts CAM, deren Daten dem Handelsblatt vorliegen. Demnach erodiert die einstige Dominanz deutscher Ingenieurskunst im Automobilsektor nach und nach, während chinesische und amerikanische Produzenten die Branche dominieren.

Langfristig gesehen führt Tesla aus den USA die Liste der innovativsten Elektroautobauer weltweit an. Dahinter positionieren sich Volkswagen, die chinesischen Konzerne Geely und BYD sowie der südkoreanische Hersteller Hyundai. Diese Bewertung basiert auf einer Langzeitbetrachtung durch CAM, geleitet vom Branchenexperten Stefan Bratzel.

Geely holt auf

Die jüngsten Daten jedoch zeichnen ein anderes Bild: Mit Blick auf die Innovationsleistungen im Jahr 2023 hat der chinesische Autobauer Geely die Spitzenposition erobert, gefolgt von SAIC, einem chinesischen Partner von VW. Volkswagen selbst ist auf den dritten Platz zurückgefallen, während BMW den vierten Rang einnimmt. Tesla und BYD teilen sich punktgleich die nächsten Positionen.

Das volle Innovationsstärken-Ranking der Hersteller nach Indexpunkten:

  1. Geely - 52
  2. SAIC - 35
  3. VW Group - 34
  4. BMW - 31
  5. Tesla - 25
  6. BYD - 25
  7. Hyundai - 24
  8. GAC - 21
  9. Stellantis - 21
  10. Xiaopeng - 17
  11. GM - 12
  12. Rivian - 11
  13. Toyota - 9
  14. Ford - 8
  15. Mercedes-Benz - 8
  16. BAIC - 7
  17. Renault - 7
  18. Tata - 7
  19. Nio - 6
  20. Lucid – 5

Die vom Handelsblatt aufgegriffene Analyse des CAM, die 512 Serieninnovationen aus dem Bereich der Elektromobilität des vergangenen Jahres bewertet hat, offenbart, dass chinesische Hersteller für 45 Prozent dieser Innovationen verantwortlich sind. Demgegenüber haben deutsche Autobauer lediglich 20 Prozent der Neuerungen beigesteuert. Diese Zahlen verdeutlichen, dass Deutschland im internationalen Vergleich der Elektromobilitätstechnologien ins Hintertreffen geraten ist.

Diese Entwicklung kommt zu einem kritischen Zeitpunkt, da die Europäische Union erwägt, Strafzölle auf den Import chinesischer Elektrofahrzeuge einzuführen. Dies könnte den Wettbewerb weiter verschärfen und die Debatte um die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Automobilindustrie neu entfachen.

Chinesischer Staat fördert seine Autobauer großzügig

Die wachsende Dominanz chinesischer Automobilhersteller wird durch umfangreiche staatliche Subventionen des Regimes von Xi Jinping gefördert. Diese Unterstützung aus Peking wird von der Europäischen Union kritisiert, da sie den Wettbewerb verzerre. Laut einer Studie des Kieler Instituts für Weltwirtschaft erhielt der führende chinesische Hersteller BYD in den vergangenen Jahren mindestens 3,4 Milliarden Euro an staatlichen Fördermitteln, hauptsächlich in Form von Kaufprämien.

"Sportlichkeit mit Stil", ermöglicht auch durch Subventionen: Der BYD Seal (Bild: BYD)

Chinas Handelsminister Wang Wentao verteidigte die Position Chinas bei einem Industrietreffen in Paris und betonte, der Erfolg der chinesischen E-Auto-Branche basiere vorrangig auf technologischer Innovation und einem effizienten Produktions- und Lieferkettensystem.

Schon früh mit Investitionen in E-Mobilität begonnen

Stefan Bratzel, Leiter des CAM-Instituts, erklärt, dass chinesische Firmen früh und intensiv in Elektromobilität investiert haben. Ein Beispiel liefert BYD auch hier, da das Unternehmen ursprünglich als Batterieproduzent begann und mittlerweile noch vor VW den chinesischen Markt anführt.

Matthias Schmidt, ein Automobil-Analyst aus Berlin, weist im Handelsblatt darauf hin, dass deutsche Automobilhersteller im Verhältnis zu chinesischen Unternehmen von einer Lehrer-Schüler-Dynamik zu ernsthafter Konkurrenz gewechselt sind. Er merkt an, dass die Entwicklungszeiten in Deutschland im Vergleich zu denen chinesischer Unternehmen relativ lang sind.

Dennoch sollte die technologische Kompetenz deutscher Hersteller nicht unterschätzt werden. Volkswagen wird für seine führenden Head-up-Displays gelobt, während Mercedes-Benz in der Entwicklung des hochautomatisierten Fahrens führend ist. Der Volkswagen-Konzern hat sich vorgenommen, in den nächsten fünf Jahren etwa 120 Milliarden Euro in die Elektrifizierung und Digitalisierung seiner Fahrzeugflotte zu investieren.

Geely bei Reichweiten top, BYD bei Cell-to-Body-Technologie

Das CAM-Institut lobt Geely für den Superakku des neuen Luxusvans Zeekr 009, der eine beeindruckende Reichweite von bis zu 822 Kilometern bietet. BYD wird für seine innovative Cell-to-Body-Technologie gewürdigt, bei der Batterien direkt in die Fahrzeugkarosserie integriert werden. In der Effizienz können aber auch die deutschen Hersteller zunehmend punkten: VWs Elektrolimousine ID.7 etwa verbraucht nur 14,1 Kilowattstunden pro 100 Kilometer, obwohl es zuletzt Probleme bei der Lieferung der E-Motoren gab.

Rivian ist bester Newcomer

Das US-amerikanische Start-up Rivian sticht in der Analyse als bemerkenswerter Newcomer hervor, dessen Pick-up R1T eine größere Reichweite als Konkurrenzmodelle bietet. Innovationskraft ist entscheidend für den geschäftlichen Erfolg; führende Hersteller wie Tesla, BYD und Volkswagen dominieren den Markt für E-Autos, wobei letztere fast die Hälfte aller Neuzulassungen ausmachen. Unter den zehn beliebtesten E-Modellen befinden sich fünf von BYD, während Teslas Model Y an der Spitze des Rankings steht.

Die 20 absatzstärksten Modelle mit E-Antrieb weltweit:

  1. Tesla Model Y - 1.211.601*
  2. BYD Song - 636.533
  3. Tesla Model 3 - 529.287
  4. BYD Qin Plus - 456.306
  5. BYD Yuan Plus / Atto 3 - 418.994
  6. BYD Dolphin - 354.591
  7. BYD Seagull - 254.179
  8. Wuling Hong Guang Mini EV - 237.919
  9. Aion GAC Aion Y - 235.861
  10. BYD Han - 228.007
  11. GAC Aion S - 220.915
  12. Wuling Bingo - 169.157
  13. BYD Tang - 141.581
  14. VW ID.3 - 139.268
  15. Changan Lumin - 139.193
  16. VW ID.4/ID.5 - 135.000
  17. Li Xiang L7 - 134.089
  18. Denza D9 - 118.671
  19. Li Xiang L8 - 117.990
  20. Audi Q4 e-tron - 111.700

*Absatzvolumen im Jahr 2023, Quelle: Handelsblatt, CAM

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