Die frisch gekürte Miss Germany 2024 im Interview
Apameh Schönauer: "Auf Hasstiraden gehe ich nicht ein“

| Dagmar Zimmermann 
| 28.02.2024

Eine junge, schlanke Frau mit blonden, langen Haaren, unter 30 Jahren – solch ein Bild wird oft mit einer Gewinnerin einer Miss-Wahl in Verbindung gebracht. Apameh Schönauer aus Berlin ist die neue Miss Germany – und entspricht nicht diesen Vorstellungen. Sie soll es auch nicht – schließlich ist die Wahl der Miss Germany unter der Führung von CEO Max Klemmer kein klassischer Schönheitswettbewerb mehr, sondern eine Plattform für Frauen, die gesellschaftliche Verantwortung übernehmen.

Apameh Schönauer, die im Iran geboren wurde, engagiert sich für Frauenrechte und Gleichberechtigung – unter anderem mit ihrem Netzwerk Shirzan. Im Netz gibt es nun Kritik, dass sie Miss Germany geworden ist. Im Leadersnet Interview spricht sie über ihren Sieg als neue Miss Germany und ihre Vision für Frauen in der Gesellschaft.

LEADERSNET: Wie geht es Ihnen wenige Tage nach Ihrem Sieg?

Apameh Schönauer: Mir geht es sehr gut. Im Moment bin ich dabei, mich zu sammeln und alles zu realisieren. Es ist eine sehr emotionale Zeit.

LEADERSNET: Wir reagieren auch Sie auf die aktuellen Reaktionen im Netz, die darauf abzielen, dass Sie "nicht schön genug“ sind und keine "richtige“ Miss Germany seien, weil Sie einen Migrationshintergrund haben?

Apameh Schönauer: Um ehrlich zu sein, habe ich mit solchen Reaktionen gerechnet – aber nicht in diesem Ausmaß. Die Reaktionen zeigen mir jedoch, wie wichtig es ist, dass ich mich dafür einsetze, dass Frauen – insbesondere Frauen mit Migrationshintergrund – ihren eigenen Weg gehen und ihre Visionen und Träume verwirklichen. Das stärkt mich nur noch mehr, und meine Familie sowie meine Freunde, die stehen sowieso hinter mir.

LEADERSNET: Was würden Sie diesen Menschen gerne sagen?

Apameh Schönauer: Auf Hasstiraden werde ich nicht eingehen und reagieren. Konstruktives Feedback nehme ich gerne an, alles andere blende ich aus.

LEADERSNET: Was halten Sie von Schönheitswettbewerben?

Apameh Schönauer: Wer an klassischen Schönheitswettbewerben teilnehmen möchte, soll das tun. Für mich bedeutet Schönheit in erster Linie innere Schönheit. Viele haben noch nicht verstanden, dass Miss Germany kein Schönheitswettbewerb mehr ist. Sie haben nicht verstanden, dass es um die innere Schönheit und die Stärke geht, die nach außen getragen wird. Es geht um Verantwortung, die wir in der Gesellschaft übernehmen. Mit dem Konzept von Miss Germany wollen wir ein Vorbild für generell Misswahlen auf der Welt sein, dass Frauen nicht mehr auf Basis von Äußerlichkeiten, sondern Charakter, Werte und Mission gehört werden. 

LEADERSNET: Weg vom Bikini-Walk, hin zur Präsentation von starken Frauen mit Botschaft. Kann Deutschland hier ein Vorbild für Miss-Wettbewerbe auf der ganzen Welt sein?

Apameh Schönauer: Auf jeden Fall. Die Umsetzung des neuen Miss Germany-Konzepts durch Geschäftsführer Max Klemmer und sein Team hat eine vorbildliche Funktion. Die Art und Weise, wie Frauen hier dazu ermutigt werden, ihre Mission zu leben und Verantwortung in der Gesellschaft zu übernehmen, ist ganz, ganz besonders.

LEADERSNET: Was treibt Sie an?

Apameh Schönauer: Meine Mission ist es, junge Frauen darin zu bestärken, die beste Version ihrer selbst zu werden. Sie sollen ihre Stärke, ihre Leidenschaft und ihre Denkweise leben und zum Ausdruck bringen dürfen. Als Frau mit Migrationshintergrund habe ich viele Hürden überwunden und möchte zeigen, dass es möglich ist und wie es möglich ist! 

LEADERSNET: Miss Germany geht mit der aktuellen Ausrichtung einen neuen Weg. Kann das einen positiven Einfluss auf die Wirtschaft haben?

Apameh Schönauer: Absolut, Miss Germany möchte die Rolle der Frauen - gesellschaftlich und wirtschaftlich - stärken. In der Wirtschaft wird sie leider immer noch von Männern dominiert, und es ist für Frauen schwierig, sich durchzusetzen. Es ist an der Zeit, dass Frauen eine größere Rolle spielen.

LEADERSNET: Wie vereinen Sie Beruf und Miss Germany?

Apameh Schönauer: Struktur, klare Terminplanung und Wille. Während wir telefonieren, bin ich in meinem Architekturbüro. Gleich nach unserem Interview geht es auf die Baustelle, und heute Nachmittag kümmere ich mich um meine Töchter.

LEADERSNET: Welche Termine stehen nun an?

Apameh Schönauer: Bevor wir uns um alle Anfragen kümmern, steht nun erstmal ein Termin mit dem Team von Miss Germany an, indem wir besprechen, wohin die Reise genau gehen soll und indem wir eine Strategie festlegen. Bevor die Strategie nicht steht, werden auch keine Termine vereinbart, denn es geht darum, dass die Anfragen zu 100% zu mir und meiner Mission passen.

LEADERSNET: Was haben Sie bei Miss Germany gelernt?

Apameh Schönauer: Miss Germany hat mir dabei geholfen, meine Mission und Vision zu präzisieren. Ich kann Frauen, die Verantwortung übernehmen wollen, nur raten: Wenn ihr eine Idee im Kopf habt und diese weiter vorantreiben wollt, dann nutzt Miss Germany als Plattform. Coachings, Mental Training, Haltung, Präsenz und Selbstbewusstsein auf der Bühne – ich nehme aus der Zeit so viel mit. 

LEADERSNET: Wenn Sie in die Glaskugel schauen: Welche Welt wünschen Sie sich für Ihre Tochter?

Apameh Schönauer: Ich werde die Welt nicht ändern können. Ich wünsche mir jedoch, dass sie eine starke Frau wird, die im Leben keine Kompromisse eingeht, die sich immer traut, ihre Meinung zu sagen, die sich traut, alle Hürden zu nehmen und diese auch meistert.

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