DEUTSCHE SOLAR-BRANCHE EXISTENZBEDROHT
Solarwatt: Grünes Licht für Produktions-Aus möglich

Der Chef eines deutschen Solarunternehmens gibt eine verheerende Prognose für den Stand der gesamteuropäischen Produktion ab. Unfaire Wettbewerbsbedingungen und eifrige Konkurrenz aus Asien ebnen möglichen Fabrikschließungen den Weg.

Solarwatt produziert und vertreibt Photovoltaikanlagen. Das in Dresden ansässige Unternehmen wurde 1993 gegründet und sieht sich dieser Tage einer existenzbedrohenden Lage ausgesetzt, wie Geschäftsführer Detlef Neuhaus im Interview mit dem Handelsblatt verrät. So könne er die fortlaufende Produktion im Betrieb derzeit nur für das erste Halbjahr garantieren, danach müsse situationsabhängig über eine Schließung nachgedacht werden.

Durch eine breite Aufstellung als Komplettanbieter sieht er eine Zukunft für Solarwatt auch ohne eigene Produktion gesichert. Grundsätzlich warnt Neuhaus allerdings, dass es bereits in einem Jahr "keine nennenswerte produzierende Solarindustrie in Europa" mehr geben wird, sofern eine zeitnahe Lösung aus der Politik ausbleibt.

"In sechs bis zehn Jahren werden wir sehen, dass alles in der Entwicklung in asiatischer Hand ist", erklärt er. "Das würden wir bei keiner anderen Technologie erlauben. Wenn das den Bach runtergeht, ist die Politik maßgeblich dafür verantwortlich."

England als negatives Vorbild

Besonders die Preisgestaltung der asiatischen Konkurrenz bereitet Neuhaus Kopfzerbrechen. "Innerhalb der vergangenen sechs Monate sind die Preise um über 50 Prozent gefallen" schildert er mit Blick auf Anbieter, die ihre Ware mitunter "20 Prozent unter ihren Produktionskosten" verkaufen würden. Gepaart mit etwas geringerer Nachfrage als noch 2022 könne man den preislichen Wettbewerb so nicht mehr dauerhaft bestreiten.

Neuhaus betont, dass er nichts von Strafzöllen hält und sich stattdessen faire Rahmenbedingungen von der Politik wünscht. Dabei gehe es keineswegs darum, dass man vom "verbleibenden Nukleus der deutschen Solarindustrie zur Nummer drei der Welt" werden wolle – vielmehr unterstreicht er die Notwendigkeit, die Fähigkeit zur "Forschung, Entwicklung und Produktion im Bereich der erneuerbaren Energien" auf deutschem Boden zu bewahren.

Im Interview mit dem Handelsblatt mahnt er: "Wenn wir sagen, das brauchen wir alles nicht mehr, reicht ein Blick nach England, um zu sehen, was Deindustrialisierung bedeutet. Die Frage ist, ob wir das wollen. Ich beantworte für mich die Frage mit Nein."

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