Für Autohersteller geht es längst nicht mehr nur darum, Fahrzeuge zu verkaufen. Abo- und Nutzungsmodelle gewinnen an Bedeutung, Technologieunternehmen treiben autonomes Fahren voran, Versicherer müssen neue Risiken bewerten und Verkehrsunternehmen ihre Geschäftsmodelle weiterentwickeln. Genau an diesen Schnittstellen setzt der Smart Mobility Summit 2026 im Allianz Forum Berlin an. Das Institut für Mobilität der Universität St. Gallen versteht die Mobilitätswende dabei als wirtschaftliche Transformationsaufgabe, die Wachstum, Innovation, Nachhaltigkeit und gesellschaftliche Veränderungen miteinander verbindet.
Wenn aus Autobesitz ein Mobilitätsgeschäft wird
Wie stark sich die wirtschaftliche Logik der Branche verändert, zeigt bereits der Vormittag. Unter "Automotive's Road Ahead“ treffen mit Olaf Schick, Vorstandsmitglied der Mercedes-Benz Group, Michael Hörig, Senior Vice President Technology & Engineering bei Bosch, und der früheren Porsche-Vorständin Barbara Frenkel Vertreter:innen aus unterschiedlichen Teilen der automobilen Wertschöpfung aufeinander. Moderiert wird die Runde vom ehemaligen Volkswagen-Vorstand Jürgen Stackmann.
Wie stark sich Geschäftsmodelle verändern, zeigt das Panel "From Ownership to Usage“. Dort geht es um die Verschiebung vom Fahrzeugbesitz zur Fahrzeugnutzung. Mit Jürgen Lobach, Chief Fleet Officer und Managing Director von FINN, Anthony Bandmann, CEO von Volkswagen Financial Services, und Vinzenz Pflanz, Chief Business Officer und Vorstandsmitglied bei Sixt, sitzen drei Unternehmen am Tisch, deren Geschäftsmodelle direkt von dieser Entwicklung betroffen sind.
Für Hersteller, Finanzdienstleister, Flottenbetreiber und Mobilitätsanbieter stellt sich damit dieselbe strategische Frage aus unterschiedlichen Perspektiven: Welche Erlösmodelle entstehen, wenn Kund:innen ein Fahrzeug nicht mehr zwingend besitzen müssen, um es zu nutzen?
Dass dieses Thema auch für Unternehmen außerhalb der Mobilitätsindustrie relevant ist, zeigt eine aktuelle Untersuchung des PwC Lab for Smart Mobility am Institut. Auf Basis von 35 Interviews mit Mobilitätsverantwortlichen, Dienstleistern und Beratungsunternehmen untersucht sie, wie Firmen Mobilitätsangebote an Standort, Tätigkeiten und Bedürfnisse ihrer Mitarbeiter:innen anpassen können. Corporate Mobility wird damit ebenfalls zu einer Managementfrage.
Robotaxis schaffen neue Geschäftsfelder – und neue Risiken
Am Nachmittag rückt mit Waymo ein Unternehmen ins Zentrum, das die traditionelle Rollenverteilung in der Automobilbranche zusätzlich verändert. Tilia Gode, Head of Risk & Insurance bei Waymo, hält die Keynote zur Session "Autonomous Vehicles – Trust & Safety“. Anschließend diskutiert sie mit Christian Sahr, Managing Director des AZT Allianz Center for Technology, und Jillian Slyfield, Global Chief Innovation Officer bei Aon. Moderiert wird das Panel von John Moavenzadeh, Director der MIT Mobility Initiative.
Die Zusammensetzung zeigt, dass autonomes Fahren nicht nur eine technologische Frage ist. Sobald Fahrzeuge ohne Fahrer:in unterwegs sind, werden Risikobewertung, Versicherung und Schadenmanagement zu zentralen Bestandteilen des Geschäftsmodells. Für Versicherer und Mobilitätsanbieter entstehen damit neue Schnittstellen.
Für den deutschen Markt ist das Thema besonders aktuell. Waymo bereitet derzeit den Robotaxi-Start in Berlin vor. Zugleich zeigt der Robotaxi-Report des Instituts für Mobilität, dass Europa bei kommerziellen Angeboten bislang hinter den USA und China liegt.
Mobilität wird zum Geschäft mehrerer Branchen
Auch der öffentliche Verkehr wird auf dem Summit ausdrücklich unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten betrachtet. Unter "New Business in Public Transport“ diskutieren Tom Buchhold von FlixTrain, Kim Mengering von der BVG und Sabine Stock, Vorstandsmitglied bei ÖBB-Personenverkehr. Die Moderation übernimmt Björn Bender, CEO von Rail Europe.
Der technologische Wandel reicht allerdings längst über den Personenverkehr hinaus. Auch Handel und Logistik testen autonome Systeme bereits im laufenden Betrieb. Lidl setzt gemeinsam mit Einride bei der Filialbelieferung auf fahrerlose Lkw auf deutschen Straßen – ein Beispiel dafür, wie automatisierte Mobilität auch Lieferketten und Transportprozesse verändert.
Damit wird eine zentrale Entwicklung sichtbar: Der Wettbewerb um Mobilität findet nicht mehr ausschließlich innerhalb einzelner Verkehrsträger statt. Auto-Abos, Mietwagen, Bahnangebote, öffentlicher Nahverkehr, Logistik und künftig autonome On-Demand-Dienste wachsen zunehmend zu einem gemeinsamen Mobilitätsmarkt zusammen.
Welche Rolle Städte dabei spielen, behandelt ein weiteres Panel. Mit Anna König Jerlmyr, der früheren Bürgermeisterin von Stockholm, Heidi Aakre Juvik vom norwegischen Verkehrsunternehmen Ruter, Goran Dautović von Verne und Andy Deacon vom Global Covenant of Mayors treffen kommunale und unternehmerische Perspektiven aufeinander.
KI und China erhöhen den Transformationsdruck
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf künstlicher Intelligenz. Elke Anderl, Chief Commercial Officer und Vorstandsmitglied von T-Systems, und Olga Nevska, Chief Commercial Transformation Officer bei T-Systems, befassen sich am Nachmittag mit "Artificial Intelligence in Mobility“.
Direkt danach richtet sich der Blick nach China. Jiazeng Wang von Pony.ai, Yong Gessner von Neolix und Wenpei Lin Brachwitz von CATL Europe diskutieren gemeinsam mit dem früheren Bundesminister Hans-Peter Friedrich über Erkenntnisse aus dem chinesischen Markt.
Die Platzierung dieser Themen hintereinander macht den wirtschaftlichen Zusammenhang deutlich: KI, autonomes Fahren und neue Mobilitätsdienste verändern nicht nur Produkte, sondern auch den internationalen Wettbewerb. Für europäische Unternehmen geht es deshalb um Technologie ebenso wie um Geschwindigkeit, Partnerschaften und die Positionierung innerhalb neuer Wertschöpfungsketten.
Geopolitik wird zur Managementfrage
Zum Ende des Summits erweitert sich der Blick auf die politischen Rahmenbedingungen. Unter "Global Shifts, Local Impact“ diskutieren der frühere Bundesverteidigungsminister Rudolf Scharping, James Davis von der Universität St. Gallen, der ehemalige UN-Botschafter und Nationale Sicherheitsberater Christoph Heusgen sowie Nikolaus Lang von Boston Consulting Group. Moderiert wird die Runde von Focus-Chefredakteur Georg Meck.
Damit verbindet das Programm technologische Veränderungen mit ihren wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen. Für Unternehmen der Mobilitätsbranche reichen strategische Entscheidungen inzwischen von Software und autonomen Systemen über Finanzierung und Versicherung bis zu internationalen Märkten und Regulierung.
Um 18:10 Uhr folgen die Mobility Trailblazers Awards. Die Laudatio hält der frühere Vizekanzler Philipp Rösler. Schirmherrin der Auszeichnung ist Berlins Mobilitätssenatorin Ute Bonde. Nach den Schlussworten beginnt um 18:30 Uhr das Networking, das laut Programm bis 20:00 Uhr angesetzt ist.
Der Smart Mobility Summit 2026 zeigt damit weniger eine einzelne Zukunftstechnologie als eine Verschiebung der gesamten Mobilitäts-Wertschöpfung. Wenn Softwareunternehmen Fahrzeuge steuern, Versicherer neue autonome Risiken kalkulieren, Finanzdienstleister Nutzung statt Besitz ermöglichen und chinesische Technologieanbieter auf europäische Märkte drängen, verändern sich auch die Rollen etablierter Unternehmen. Für Entscheider:innen dürfte deshalb weniger die Frage entscheidend sein, ob sich Mobilität verändert – sondern an welcher Stelle der neuen Wertschöpfung ihr Unternehmen künftig stehen will.
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