Longevity statt Prunk
Wie der Wunsch nach einem langen Leben Luxusimmobilien verändert

Aufzüge, schwellenlose Bäder und gefilterte Luft verdrängen Marmor, Weinkeller und Heimkino zwar nicht – entscheiden aber immer häufiger über den Kauf. Wohlhabende Kunden suchen Immobilien, die Gesundheit und Selbstständigkeit bis ins hohe Alter unterstützen.

Der Luxusimmobilienmarkt hat das Thema Longevity entdeckt. Vermögende Käufer wollen nicht mehr nur großzügig und repräsentativ wohnen. Häuser und Wohnungen sollen ihnen ein langes, gesundes und selbstständiges Leben ermöglichen.

Das verändert sowohl die Grundrisse als auch die Ausstattung hochpreisiger Objekte. Gefragt sind Aufzüge, Wohnen auf einer Ebene, breite Durchgänge und schwellenlose Badezimmer. Hinzu kommen moderne Systeme zur Luft- und Wasserfilterung, viel natürliches Licht und ein direkter Zugang zur Natur.

Fast 38 Prozent der Immobilienexperten, die Objekte ab zehn Millionen US-Dollar vermitteln, sehen das selbstständige Wohnen im Alter inzwischen als wichtiges Kaufkriterium. Das geht aus dem aktuellen Mid-Year Luxury Outlook von Sotheby’s International Realty hervor.

Luxusimmobilien werden für das Leben mit 80 geplant

Viele wohlhabende Käufer wollen später weder in eine Seniorenresidenz noch zu ihren Angehörigen ziehen. Sie investieren deshalb frühzeitig in Häuser, die auch bei eingeschränkter Beweglichkeit funktionieren.

"Sie kaufen für das Leben, das sie mit 80 führen werden – und nicht nur für das Leben, das sie heute führen", sagt Brad Nelson, Marketingchef von Sotheby’s International Realty.

Für Projektentwickler, Architekten und Makler hat das Folgen. Barrierearme Planung wird vom funktionalen Zusatz zum Verkaufsargument. Gesundheitsangebote wandern aus gemeinschaftlich genutzten Spa-Bereichen direkt in die Wohnungen und Villen.

"Wellness ist keine zusätzliche Annehmlichkeit mehr, sondern das grundlegende Gestaltungsprinzip", erklärt Nelson.

Aus dem Fitnessraum wird ein privates Gesundheitszentrum

Ein Laufband im Keller reicht vielen Käufern nicht mehr. Infrarotsaunen, Kältebecken, Pilates-Studios und eigene Räume für Krafttraining gehören zunehmend zur Ausstattung besonders hochwertiger Immobilien.

Dabei geht es nicht allein um Sport. Die neuen Wellnessbereiche sollen Regeneration, Prävention und körperliche Leistungsfähigkeit fördern. Hochwertig gestaltete Geräte machen das Fitnessstudio zugleich zu einem repräsentativen Teil des Hauses. So verschwimmen die Grenzen zwischen Luxusresidenz, Wellnesshotel und privatem Longevity-Retreat.

Ein wachsender Markt hinter dem Immobilientrend

Die Entwicklung folgt einem größeren wirtschaftlichen Trend. UBS Global Wealth Management schätzt, dass der weltweite Longevity-Markt von 5,3 Billionen US-Dollar im Jahr 2023 auf acht Billionen US-Dollar im Jahr 2030 wachsen könnte.

Auch Wellness-Immobilien entwickeln sich zu einem bedeutenden Marktsegment. Ihr weltweites Volumen hat sich in den vergangenen fünf Jahren mehr als verdoppelt. Bis 2029 soll es die Marke von 1,1 Billionen US-Dollar überschreiten.

Millennials definieren die Luxusimmobilie neu

Nicht nur ältere Käufer treiben den Wandel voran. 66 Prozent der von Sotheby’s befragten Makler beobachten eine steigende Zahl vermögender Millennials auf dem Luxusimmobilienmarkt.

Viele von ihnen betrachten Wohneigentum weniger als sichtbares Statussymbol. Die Immobilie soll vielmehr den gewünschten Lebensstil ermöglichen – mit Platz für Bewegung, Erholung und Gesundheitsvorsorge.

Damit verändert sich auch das sogenannte Trophy Home. Das begehrteste Objekt muss nicht mehr das größte oder auffälligste Anwesen sein. Zum neuen Statussymbol wird eine Luxusimmobilie, die ihren Bewohnern verspricht, länger gesund und selbstständig zu leben.

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