Wohnungsbau-Krise
1,4 Millionen Wohnungen fehlen – Gropyus setzt auf Holz statt Beton

Deutschland steckt weiterhin in einer Wohnungsbaukrise. Schätzungen zufolge fehlen bundesweit rund 1,4 Millionen Wohnungen, während Neubauprojekte vielerorts an hohen Kosten, Fachkräftemangel und langwierigen Genehmigungsverfahren scheitern. Das Start-up Gropyus verfolgt deshalb einen anderen Ansatz: Gebäude werden weitgehend digital geplant, industriell vorgefertigt und anschließend vor Ort montiert. Durch seriellen Holzbau sollen Bauzeiten sinken und neuer Wohnraum schneller entstehen.

Der Druck auf den Wohnungsmarkt wächst seit Jahren. Obwohl Politik und Branche regelmäßig neue Maßnahmen ankündigen, bleibt die Zahl der fertiggestellten Wohnungen deutlich hinter dem tatsächlichen Bedarf zurück. Wie die tagesschau berichtet, fehlen in Deutschland derzeit rund 1,4 Millionen Wohnungen. Gleichzeitig steigen die Mieten in vielen Städten weiter. Innovative Baukonzepte gelten daher zunehmend als möglicher Schlüssel, um schneller neuen Wohnraum zu schaffen und Baukosten langfristig zu senken.

Holzbau trifft industrielle Fertigung

Während auf klassischen Baustellen Beton und Stahl dominieren, setzt Gropyus überwiegend auf Holz. Das Unternehmen plant Gebäude digital bis ins kleinste Detail und produziert zahlreiche Bauelemente in einer eigenen Fertigung. Wände, Installationsschächte und weitere Komponenten werden bereits im Werk vorbereitet und anschließend auf die Baustelle geliefert.

Aktuell entsteht in Berlin-Charlottenburg-Wilmersdorf ein mehrgeschossiges Wohngebäude nach diesem Prinzip. Auftraggeber ist Vonovia. Das Projekt gilt als wichtiger Praxistest für die industrielle Holzbauweise in innerstädtischer Lage.

Das Wohnprojekt in Berlin-Wilmersdorf umfasst 27 Wohnungen und wird von Gropyus mithilfe serieller Holzbauweise realisiert. © Gropyus

Die Besonderheit des Bauvorhabens liegt nicht nur im verwendeten Material, sondern vor allem im Produktionsprozess. Viele Arbeitsschritte werden von der Baustelle in die Fabrik verlagert. Dadurch verkürzen sich Bauzeiten und Abläufe lassen sich besser standardisieren. Gerade in Ballungsräumen mit hoher Wohnraumnachfrage könnte dieser Ansatz an Bedeutung gewinnen.

Digitalisierung und KI sollen Kosten senken

Gropyus kombiniert Planung, Fertigung und Bauausführung innerhalb einer Wertschöpfungskette. Grundlage jedes Projekts ist ein digitaler Zwilling, der sämtliche Gebäudedaten bündelt und die Produktion steuert.

Gropyus setzt in seiner Smart Factory auf Automatisierung, Robotik und digitale Planung, um Baukosten langfristig zu senken. © Gropyus

Die einzelnen Bauteile werden weitgehend automatisiert gefertigt und anschließend auf der Baustelle montiert. Nach Angaben des Unternehmens liegt der Quadratmeterpreis beim Berliner Projekt derzeit bei rund 3.600 Euro Wohnnutzfläche und bewegt sich damit auf dem Niveau vergleichbarer konventioneller Neubauten.

Langfristig sollen Skaleneffekte sowie der Einsatz von Automatisierung, Digitalisierung und Künstlicher Intelligenz die Kosten weiter reduzieren. Für die Bauwirtschaft ist das ein interessanter Ansatz. Denn viele Unternehmen kämpfen mit Produktivitätsproblemen, steigenden Materialkosten und einem Mangel an Fachkräften. Industriell organisierte Bauprozesse könnten hier neue Effizienzpotenziale schaffen.

Kann serieller Holzbau den Wohnungsmarkt entlasten?

Die entscheidende Frage bleibt, ob sich das Modell im großen Maßstab wirtschaftlich durchsetzen lässt. Fest steht: Der Wohnungsbedarf bleibt hoch. Statt der politisch angestrebten 400.000 Neubauwohnungen pro Jahr wurde zuletzt nur etwa die Hälfte erreicht.

Gelingt es Anbietern wie Gropyus, Wohngebäude schneller und kosteneffizienter zu errichten, könnte der serielle Holzbau künftig eine größere Rolle auf dem deutschen Wohnungsmarkt spielen. Für Investoren, Wohnungsunternehmen und Kommunen wächst damit die Zahl möglicher Lösungen für eines der drängendsten Probleme des Landes.

Auch Vonovia beobachtet die Entwicklung aufmerksam. Der Wohnungsanbieter gehört mittlerweile zu den Investoren von Gropyus und sammelt mit dem Berliner Projekt praktische Erfahrungen im seriellen Holzbau. Sollten sich die erwarteten Vorteile bei Bauzeit und Kosten bestätigen, könnte das Modell künftig auch bei weiteren Wohnbauprojekten zum Einsatz kommen.

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