stern-Preis 2026
stern ehrt die besten journalistischen Arbeiten des Jahres

| Redaktion 
| 20.05.2026

Es sind Geschichten, die lange nachwirken: Recherchen über einen möglichen Justizirrtum, Einblicke in den Alltag psychiatrischer Patient:innen oder Reportagen über Jugendliche mit inhaftierten Eltern. Für genau solche Arbeiten hat der stern am Dienstagabend in Hamburg den stern-Preis 2026 verliehen. Die ausgezeichneten Beiträge stammen aus unterschiedlichen Mediengattungen, eint jedoch ein gemeinsamer Anspruch: Journalismus, der genau hinsieht, komplexe Wirklichkeit verständlich macht und Menschen nicht auf Schlagzeilen reduziert.

Durch den Abend führten stern-Chefredakteur Gregor Peter Schmitz und RTL-Journalistin Pinar Atalay, Hamburgs Kultursenator Carsten Brosda begrüßte die Gäste. Geehrt wurden Arbeiten von Journalist:innen und Redaktionsteams der ARD, von DIE ZEIT, DER SPIEGEL und der Braunschweiger Zeitung – Beiträge, die mit investigativer Recherche, erzählerischer Präzision und gesellschaftlicher Relevanz überzeugten.

Journalismus in all seinen Formen

Der stern-Preis versteht sich bewusst als Auszeichnung für die gesamte Bandbreite journalistischer Arbeit – unabhängig vom Medium oder Veröffentlichungsformat. Prämiert werden Beiträge aus Print, TV, Radio, Web und Fotografie. Entscheidend sei nicht die Plattform, sondern die publizistische Qualität. Die unabhängigen Jurys bewerten Arbeiten, die Missstände sichtbar machen, komplexe Zusammenhänge verständlich erzählen oder gesellschaftliche Entwicklungen präzise einordnen.

Dass dabei klassische Reportagen ebenso berücksichtigt werden wie Podcasts, Dokumentationen oder crossmediale Projekte, zeigt auch, wie stark sich journalistisches Erzählen in den vergangenen Jahren verändert hat. Der Anspruch des stern-Preises bleibt dabei unverändert: ausgezeichnet werden Arbeiten, die recherchieren, berühren und Relevanz nicht mit Lautstärke verwechseln.

Recherchen mit gesellschaftlicher Fallhöhe

In der Kategorie "Dokumentation“ wurde Katrin Wegner für die Produktion "Akutstation Psychiatrie“ ausgezeichnet, die in der ARD Mediathek veröffentlicht wurde. Die Dokumentation basiert auf einer mehrwöchigen Recherche innerhalb einer psychiatrischen Klinik. Wegner arbeitete zeitweise selbst im Klinikalltag mit und führte Gespräche ohne klassisches Kamerateam. Die Jury hob hervor, dass die Produktion einen seltenen Einblick in den Alltag psychiatrischer Patient:innen ermögliche.

Der Preis in der Kategorie "Investigation“ ging an Nicole Rosenbach für die Recherche "Der Kinderpsychiater – Die Macht des Dr. Winterhoff“, ebenfalls veröffentlicht in der ARD Mediathek. Thematisiert wird der Einfluss des Kinderpsychiaters Michael Winterhoff auf Einrichtungen der Jugendhilfe. Die Jury würdigte insbesondere die systematische Aufarbeitung institutioneller Strukturen und Methoden.

Geschichten über Macht, Zweifel und Wirklichkeit

In der Kategorie "Lokal“ gewann Erik Westermann mit der Recherche "Im Bann des Opfers. Anatomie eines Justizirrtums“, die in der Braunschweiger Zeitung in Kooperation mit DER SPIEGEL erschien. Der Beitrag analysiert die Entwicklung eines Verfahrens, das sich im Nachhinein als Justizirrtum herausstellte. Laut Jury zeichnet sich die Arbeit durch investigative Tiefe sowie die kritische Reflexion journalistischer Verantwortung aus.

Die Auszeichnung für die "Fotogeschichte des Jahres“ erhielt Emile Ducke für seine Bildserie "Die Schatten des Sieges“ in DIE ZEIT. Die Fotografien entstanden während einer Reise durch Syrien nach jahrzehntelanger Assad-Herrschaft. Ducke dokumentiert gesellschaftliche Spannungen zwischen Hoffnung auf politische Veränderungen und den Folgen des Bürgerkriegs.

Reportage als präzise Beobachtung

Den Egon Erwin Kisch-Preis für die beste geschriebene Reportage erhielt Philipp Daum von DIE ZEIT. Seine Reportage "Du bist wie ein Vater für mich. Nicht so ein Arsch wie mein letzter“ begleitet Jugendliche, deren Eltern inhaftiert sind, während eines Feriencamps.

Die Jury hob hervor, dass die Reportage Nähe zu den Jugendlichen herstelle, ohne journalistische Distanz aufzugeben. Dadurch entstehe ein differenzierter Einblick in soziale Lebensrealitäten und familiäre Belastungssituationen.

Die ausgezeichneten Arbeiten zeigen, wie vielfältig journalistisches Erzählen heute sein kann – und wie relevant gründliche Recherche in einer zunehmend beschleunigten Medienöffentlichkeit bleibt.

Die Gewinner:innen des stern-Preises 2026

  • Dokumentation:
    Katrin Wegner – "Akutstation Psychiatrie“ (ARD Mediathek)
  • Lokal:
    Erik Westermann – "Im Bann des Opfers. Anatomie eines Justizirrtums“ (Braunschweiger Zeitung / Recherchekooperation mit DER SPIEGEL)
  • Fotogeschichte des Jahres:
    Emile Ducke – "Die Schatten des Sieges“ (DIE ZEIT)
  • Investigation:
    Nicole Rosenbach – "Der Kinderpsychiater – Die Macht des Dr. Winterhoff“ (ARD Mediathek)
  • Egon Erwin Kisch-Preis (geschriebene Reportage):
    Philipp Daum – "Du bist wie ein Vater für mich. Nicht so ein Arsch wie mein letzter“ (DIE ZEIT)

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Die Gewinner:innen des stern-Preises 2026

  • Dokumentation:
    Katrin Wegner – "Akutstation Psychiatrie“ (ARD Mediathek)
  • Lokal:
    Erik Westermann – "Im Bann des Opfers. Anatomie eines Justizirrtums“ (Braunschweiger Zeitung / Recherchekooperation mit DER SPIEGEL)
  • Fotogeschichte des Jahres:
    Emile Ducke – "Die Schatten des Sieges“ (DIE ZEIT)
  • Investigation:
    Nicole Rosenbach – "Der Kinderpsychiater – Die Macht des Dr. Winterhoff“ (ARD Mediathek)
  • Egon Erwin Kisch-Preis (geschriebene Reportage):
    Philipp Daum – "Du bist wie ein Vater für mich. Nicht so ein Arsch wie mein letzter“ (DIE ZEIT)

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