Neuwagen-Test
ADAC analysiert Chemikalien im Auto-Innenraum von Neuwagen

| Redaktion 
| 12.05.2026

Der typische Neuwagenduft gilt für viele Käufer:innen als Zeichen eines fabrikneuen Autos. Tatsächlich entsteht er jedoch durch Chemikalien im Auto-Innenraum, die aus Kunststoffen, Klebern und Verkleidungen ausgasen. Der ADAC hat gemeinsam mit dem Fraunhofer-Institut für Bauphysik untersucht, wie hoch die Schadstoffbelastung in aktuellen Neuwagen ausfällt. Die Ergebnisse zeigen deutliche Unterschiede zwischen Herstellern – besonders bei jungen Fahrzeugen und hohen Temperaturen.

Für die Untersuchung analysierten die Expert:innen fünf Fahrzeuge unterschiedlicher Hersteller in einer klimatisierten Messkammer. Getestet wurden ein Hyundai Kona Hybrid, ein Dacia Spring, ein BYD Seal 6 Touring sowie zwei VW Golf eTSI unterschiedlichen Alters. Im Mittelpunkt stand dabei der sogenannte TVOC-Wert. Dieser Summenwert flüchtiger organischer Verbindungen gilt als wichtiger Indikator für die Luftqualität im Auto-Innenraum.

Mehr Chemikalien im Innenraum junger Fahrzeuge

Die Untersuchung zeigt: Je jünger ein Fahrzeug ist, desto höher fällt die Konzentration der Chemikalien im Innenraum aus. Besonders deutlich wurde dies beim Vergleich der beiden getesteten VW Golf-Modelle. Beim rund einen Monat alten Fahrzeug lag die Konzentration der Kohlenwasserstoffe laut ADAC mehr als fünfmal höher als beim etwa 200 Tage alten Vergleichsmodell.

Auch der BYD Seal 6 Touring erreichte vergleichsweise hohe Werte. Insgesamt lagen zwar alle getesteten Fahrzeuge über dem Referenzwert des Umweltbundesamts für Innenraumluft, allerdings noch unterhalb gesundheitsgefährdender Konzentrationen. Einen gesetzlich verpflichtenden Grenzwert gibt es bislang nur für Formaldehyd – dieser wird jedoch erst ab 2027 verbindlich.

Hohe Temperaturen verschlechtern die Luftqualität

Besonders kritisch wird die Situation bei Hitze. In einem zusätzlichen Test simulierten die Prüfer:innen einen aufgeheizten Fahrzeuginnenraum, wie er etwa nach längerem Parken in der Sonne entsteht. Dabei stiegen die Schadstoffwerte bei allen Fahrzeugen deutlich an. Die höchste Konzentration wurde erneut beim jüngeren VW Golf gemessen.

Positiv fiel hingegen der Effekt der Lüftung aus: Bereits das Einschalten der Belüftung reduzierte die gemessenen Werte deutlich. Der ADAC empfiehlt deshalb insbesondere bei neuen Fahrzeugen ein gründliches Durchlüften vor Fahrtantritt – vor allem an heißen Tagen.

Herstellungsdatum oft wichtiger als Erstzulassung

Für Käufer:innen kann laut ADAC auch das tatsächliche Herstellungsdatum eines Fahrzeugs relevant sein. Dieses findet sich nicht im Fahrzeugschein, sondern ausschließlich im sogenannten COC-Dokument. Zwischen Produktion und Erstzulassung können mehrere Monate liegen – mit entsprechendem Einfluss auf die Ausgasung der Materialien.

Sollte ein Fahrzeug auch nach mehreren Wochen noch ungewöhnlich stark riechen, empfiehlt der Automobilclub eine schriftliche Reklamation beim Händler.

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