Ein Leben im Gleichgewicht
Die Länder mit der besten Work-Life-Balance

Die gute Nachricht: Deutschland findet sich unter den ersten zehn. 'Am besten kriegen es jedoch die Meister des "dolce far niente" hin. Ihnen könnten nur noch die Bewohner:innen eines Landes am anderen Ende der Welt etwas vormachen.

Die Work-Life-Balance-Daten der OECD geben Aufschluss darüber, wie viele Stunden die Mitarbeiter arbeiten, und wie viel Zeit die Menschen sich für Freizeit und persönliche Pflege nehmen. Außerdem berücksichtigt werden Aspekte wie der gesetzliche Jahresurlaub, den Mindestsatz für gesetzliches Krankengeld und die Dauer des bezahlten Mutterschaftsurlaubs.

Und siehe da: Deutschland schafft es auf Platz acht!

Hier die Top 10 Länder in Europa mit der besten Work-Life-Balance:

  1. Italien
  2. Dänemark
  3. Norwegen
  4. Spanien
  5. Niederlande
  6. Frankreich
  7. Schweden
  8. Deutschland
  9. Russland
  10. Belgien

Quelle: OEDC

Doch was machen die Bewohner:innen dieser Staaten richtig? Wir haben vier Beispiele abseits der Bundesrepublik aus den Top 10 herausgepickt:

Italien – Spitzenreiter in Sachen Lebensfreude

Die Italiener leben nach dem Prinzip "dolce far niente", was so viel bedeutet wie "die Süße des Nichtstuns". Dieser Lebensstil, der die Balance zwischen Arbeit und Freizeit betont, scheint in Italien tief verwurzelt zu sein. Andres Uribe-Orozco, ein Anwalt aus Kolumbien, merkt gegenüber 20 Minuten an, dass Italiener eine natürliche Neigung zur Work-Life-Balance haben, ohne sich in die Hektik der Arbeitswelt zu verlieren. OECD-Statistiken stützen diese Beobachtung: Nur 3 % der italienischen Arbeitskräfte leisten Überstunden im Vergleich zum OECD-Durchschnitt von 10 %. Italienische Vollzeitbeschäftigte widmen durchschnittlich 69 % ihres Tages, oder 16,5 Stunden, der persönlichen Pflege und Freizeitaktivitäten – deutlich mehr als in anderen Ländern.

Dänemark – Ein Land, das den Feierabend heiligt

In Dänemark klingt der Arbeitstag regelmäßig um 16 Uhr aus, erzählt Helen Russell, eine britische Auswanderin und Autorin. Der Schwerpunkt liegt klar auf der Zeit mit der Familie und auf der Freizeit nach Feierabend. In Dänemark übersteigt der Anteil der Menschen, die übermäßig lange arbeiten, nicht 1 %, ein signifikanter Unterschied zum OECD-Durchschnitt. Unterstützt wird diese Kultur durch flexible Arbeitsmodelle wie das Flexjobs-Programm, das seit 1998 individuelle Arbeitszeitanpassungen ermöglicht. Mit insgesamt 36 Urlaubstagen pro Jahr genießen Dänen zudem eine der großzügigsten Urlaubsregelungen.

Spanien - Eine entspannte Lebensweise prägt das Arbeitsleben

Nach Ansicht der Reiseleiterin Isabelle Kliger zeichnet sich Spanien durch eine entspanntere Lebenshaltung aus. „Hier lebt man nicht, um zu arbeiten, sondern arbeitet, um zu leben“, erklärt sie. Seit 2016 endet der Arbeitstag um 18 Uhr, woraufhin es üblich ist, dass viele Spanier noch gemeinsam etwas trinken gehen. Kliger beobachtet zudem, dass Arbeit außerhalb des Büros selten Gesprächsthema ist. Laut Daten der EU arbeiten Spanier durchschnittlich 37,8 Stunden pro Woche – nur geringfügig mehr als der europäische Durchschnitt. Vollzeitarbeitnehmer widmen im Durchschnitt täglich 66 Prozent ihrer Zeit – also etwa 15,7 Stunden – persönlichen Angelegenheiten und der Freizeit, was den OECD-Durchschnitt von 15,1 Stunden übersteigt.

Russland – Vermächtnisse der Sowjetunion

Laut OECD trägt Arbeit nicht nur zur wirtschaftlichen Sicherheit bei, sondern fördert auch den sozialen Kontakt, das Selbstbewusstsein und die persönliche Entwicklung. In Russland sind 70 Prozent der Personen im arbeitsfähigen Alter erwerbstätig, was über dem OECD-Durchschnitt von 66,3 Prozent liegt. Dies schließt eine signifikante Anzahl arbeitender Mütter ein, was die Work-Life-Balance-Bewertung der OECD positiv beeinflusst. Russland-Experte Ulrich Schmid merkt an, dass in Russland traditionell ein größerer Anteil der Frauen arbeitet – ein Vermächtnis der Sowjetunion – und dass die Kinderbetreuung gut organisiert ist. Darüber hinaus liegt der Einkommensverlust bei Arbeitslosigkeit in Russland bei 4,5 Prozent, was unter dem OECD-Durchschnitt von 5,1 Prozent liegt.

Neuseeland weltweit auf Platz 1 

Die BBC hat die OECD-Daten mit dem Global Life-Work Balance Index 2023 der HR-Tech-Firma Remote abgeglichen und attestiert Neuseeland die absolut beste Balance zwischen Arbeits- und Freizeitleben. Die Kiwis übertreffen demnach sogar die Italiener.

Die Hauptprioritäten der Menschen in dem Land seien ihre Familie, ihr Wohlbefinden, Erholung und Reisen, heißt es in dem Bericht. Arbeit werde dort ganz pragmatisch als Mittel zum Zweck angesehen – und nicht als das ganze Leben.

Harald Preyer
Vermutlich wurde Österreich übersehen, weil es mit einem Umlaut "Ö" beginnt. In anderen Studien führt das zur Reihung auf Platz 1. Tu Felix Austria...
Ehrlich gesagt verstehe ich aus österreichischer Sicht die Riesenfreude über Deutschlands "gute" Platzierung ist. Da könnten uns ja etliche der genannten Länder mindestens genauso nahe stehen. "Journalismus" sollte außer in Kommentaren generell mehr ein neutrales Berichten als ein ständiges Bewerten sein!
...ich verstehe die Riesenfreude nicht sollte es natürlich heißen....
derselbe Autor
Korrektur zu meinem Kommentar: Ich verstehe die Riesenfreude NICHT sollte es natürlich heißen...

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