Star-Philosoph Slavoj Žižek sorgt für Wirbel bei Eröffnungsrede auf Frankfurter Buchmesse

| Natalie Oberhollenzer 
| 18.10.2023

Der Denker sieht ein „Analyseverbot“ rund um den Israel-Konflikt – was einige Besucher dazu veranlasste sich aus dem Saal zu entfernen.

Die Rede des slowenischen Philosophen Slavoj Žižek hat bei der Eröffnung der Frankfurter Buchmesse für Aufsehen gesorgt. Žižek verurteilte die terroristischen Angriffe der Hamas auf die israelische Bevölkerung, betonte jedoch gleichzeitig die Notwendigkeit, den Hintergrund der Palästinenser zu berücksichtigen, um den Konflikt besser zu verstehen.

Relativierung von Verbrechen?

Während seiner Rede verließen einige Gäste den Saal. Der hessische Antisemitismusbeauftragte Uwe Becker widersprach Žižek zunächst aus dem Publikum und trat später direkt auf der Bühne in einen Dialog. Becker warf Žižek vor, die Verbrechen der Hamas zu relativieren, verließ mehrmals den Saal, kehrte jedoch schließlich in Begleitung von Frankfurter Lokalpolitikern zurück. Auch der Direktor der Buchmesse, Juergen Boos, versuchte, die Gemüter zu beruhigen.

Žižek betonte, dass er keineswegs die Terroranschläge relativiere. Diese seien schreckliche Verbrechen, und Israel habe jedes Recht, sich zu verteidigen. Dennoch sei es wichtig, den Hintergrund der Palästinenser zu verstehen, um den Konflikt zu lösen. Er kritisierte auch das sogenannte "Analyseverbot" in Bezug auf dieses Thema und bezeichnete die Entscheidung, die palästinensische Autorin Adania Shibli nicht auf der Buchmesse auszuzeichnen, als "skandalös".

„Wichtig, dass wir uns zuhören“

Der Vorfall während der Rede sorgte für Diskussionen, auch hinsichtlich der Bedeutung der Meinungsfreiheit und des Dialogs. Während einige die Rede verurteilten, betonten andere die Wichtigkeit, sich zuzuhören und unterschiedliche Standpunkte zu respektieren. "Es ist die Freiheit des Wortes. Und die müssen wir hier stehen lassen, das ist mir wichtig. Eine Rede zu unterbrechen, muss möglich sein", kommentierte Juergen Boos, Direktor der Buchmesse nach der Rede. Er sei aber auch froh, "dass wir die Rede zu Ende gehört haben, auch wenn sie uns nicht gefallen mag. Auch wenn wir sie sogar verurteilen. Es ist wichtig, dass wir uns zuhören."

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