KI in der Produktion
Wie Eli Lilly vom Digitalen Zwilling profitiert

| Redaktion 
| 09.03.2026

Um die gestiegene Nachfrage nach seinen Blockbuster-Medikamenten Mounjaro und Zepbound zu bedienen, setzt der Pharmariese Eli Lilly auf zeitgemäße Produktionsmethoden: Ein sogenannter Digital Twin hilft inzwischen zählbar dabei, Fertigungsprozesse mithilfe von Künstlicher Intelligenz zu optimieren – an anderer Stelle sei die Erwartungshaltung gegenüber KI jedoch übertrieben.

Den Marktkapitalisierungs-Spezialitäten von Companies Martkecap zufolge ist Eli Lilly das 13.-wertvollste Unternehmen des Planeten, als dieser Artikel entsteht: Rund 894 Milliarden US-Dollar ist der amerikanische Konzern derzeit wert, was insbesondere dem wachsenden Erfolg den GLP-1-Medikamenten Zepbound und Mounjaro geschuldet ist.

Dabei ist die Unterscheidung vor allem regulatorischer und weniger pharmakologischer Natur. Schließlich enthalten beide Medikamente mit Tirzepatid denselben Hauptwirkstoff, sind aber für unterschiedliche Indikationen zugelassen: Mounjaro zur Behandlung von Diabetes und Zepbound gegen Übergewicht.

Diese Trennung betrifft Zulassung, Vermarktung und Erstattung durch Versicherungen. In der medizinischen Praxis kommt sie jedoch weniger strikt zum Tragen: Ärzte können Medikamente auch off-label verschreiben, weshalb Mounjaro ebenfalls zur Gewichtsreduktion eingesetzt wird – speziell in Märkten wie zum Beispiel Deutschland, in denen Zepbound nicht offiziell erhältlich ist.

Das Unternehmen selbst spricht sich offiziell "nachdrücklich gegen die Verwendung von Mounjaro als Lifestylemedikament zur kosmetischen Gewichtsabnahme aus" und betont, dass es "nicht außerhalb der zugelassenen Anwendungsgebiete eingesetzt werden" sollte.

Motiviert durch Mangel

Um einer weltweit steigenden Nachfrage gerecht zu werden, verlässt sich Eli Lilly nicht auf bewährte Methoden und Optimismus, wozu ein von der US-Behörde FDA festgestellter Mangel der entsprechenden Medikamente zwischen 2022 und 2024 beigetragen hat.

"Für uns war es ein zentrales Anliegen, nicht auf der Engpassliste zu stehen", erklärt Diogo Rau, seit knapp sechs Jahren Chief Information and Digital Officer von Lilly, gegenüber Forbes.

"Wir hatten einen Prozess, von dem wir alle glaubten, dass er bereits optimiert war. Doch das Risiko eines Engpasses brachte uns dazu, noch einmal genau hinzusehen – obwohl wir dachten, der Prozess sei bereits so gut wie möglich."

Das ist Eli Lillys Digital Twin

Zur Optimierung des eigenen Fertigungsprozesses hat Eli Lilly daraufhin auf einen sogenannten Digital Twin zurückgegriffen, also einen digitalen Zwilling. Bekommen hat ihn in diesem Fall eine Fabrik des Konzerns, die samt ihrer Maschinen und Prozesse virtuell nachgebildet wurde.

Anschließend lässt sich die digitale Fabrik mit Echtzeit-Daten aus dem physisch existierenden Vorbild füttern. Anhand des identischen Abbilds am Computerbildschirm und mithilfe Künstlicher Intelligenz können Justierungen aller Art risikofrei getestet werden; seien es grundlegende Konzepte oder kleine Verbesserungen bestehender Abläufe.

"Wir dachten zunächst: Das sieht zu gut aus, um wahr zu sein – aber die physische Realität entsprach weiterhin dem digitalen Zwilling", freut sich Diogo Rau, der entsprechend zufrieden resümiert: "Wir haben im vergangenen Jahr buchstäblich mehr Produkt hergestellt, als ohne KI überhaupt möglich gewesen wäre."

Rau warnt vor überzogener Erwartungshaltung

Im Gespräch mit Forbes ist Rau auch auf die Rolle von Künstlicher Intelligenz in der eigentlichen Entwicklung von Arzneimitteln eingegangen.

"Das ist eines der Themen, das am meisten übertrieben wird", befindet er mitsamt der Prognose, dass von der KI entdeckte, biologische Medikamente noch bis spät in die 2030er-Jahre auf sich warten lassen dürften.

Dass sich manche Leute fragen, ob entsprechende Mittel bereits in sechs oder zwölf Monaten erhältlich sind, berge "ein ernstes Risiko, das Vertrauen in KI in dieser Branche zu untergraben, weil das nicht unsere Erwartungshaltung sein sollte."

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