Neuer Flugsteig für Fernziele
Flughafen München startet Testbetrieb im neuen Terminal 1

| Redaktion 
| 16.11.2025

Mit einem neuen Flugsteig für Non-Schengen-Verbindungen geht der Flughafen München den nächsten Schritt in Richtung Zukunft. Der Erweiterungsbau am Terminal 1 soll ab 2026 den internationalen Luftverkehr effizienter und komfortabler gestalten – aktuell läuft der Probebetrieb. Was Passagiere erwartet, welche Airlines profitieren und wie weit die Bauarbeiten sind.

Der Flughafen München treibt den Ausbau seines Terminal 1 gezielt voran, um dem wachsenden Bedarf an internationalen Flugverbindungen gerecht zu werden. Herzstück des Projekts ist ein neuer Flugsteig, der künftig ausschließlich Non-Schengen-Flüge abfertigen wird. Aktuell testen hunderte Freiwillige die Abläufe im Rahmen des Probebetriebs. Die Inbetriebnahme ist für Mitte 2026 vorgesehen. Ziel ist es, die Servicequalität für internationale Reisende deutlich zu verbessern und die Wettbewerbsfähigkeit des Flughafens im globalen Vergleich zu stärken.

Passagierkomfort und Kapazität im Fokus

Der neue Flugsteig ist 360 Meter lang und auf dem westlichen Vorfeld von Terminal 1 errichtet. Er bietet Platz für sechs Gates, die für Großraumflugzeuge wie den Airbus A380 ausgelegt sind. Ist kein Widebody am Gate, können zwei kleinere Maschinen gleichzeitig abgefertigt werden. Insgesamt erweitert der Bau die Kapazität des Flughafens um bis zu sechs Millionen Passagiere pro Jahr. Damit reagiert der Flughafen auf die rasant steigenden Passagierzahlen im Interkontinentalverkehr.

Im Inneren erwartet Reisende ein "Marktplatz" mit Geschäften, Gastronomie und Lounges. Eine neue Emirates-Lounge auf zwei Etagen sowie eine Flughafen-eigene Lounge bieten Komfort für Premiumkund:innen. Die Anbindung an Terminal 2 erfolgt per Shuttlebus mit vier Bus-Gates plus einem Besatzungs-Gate. Auch USB- und Stromanschlüsse sowie Liegesessel in den Wartebereichen sollen das Reiseerlebnis aufwerten. Durch faltbare Glaswände kann flexibel auf unterschiedliche Sicherheitsanforderungen reagiert werden, etwa für US-Destinationen.

Auch in puncto Aufenthaltsqualität will der Flughafen Maßstäbe setzen: Tageslicht, weite Sichtachsen und modernes Design schaffen ein angenehmes Ambiente. Hinzu kommen digitale Informationssysteme und ein verbessertes Leitsystem zur intuitiven Orientierung.

Welche Airlines profitieren von dem Ausbau?

Im neuen Terminalbereich werden künftig Airlines abgefertigt, die nicht zur Lufthansa Group oder Star Alliance gehören – etwa US-Carrier, Nahost-Airlines und asiatische Netzbetreiber. Damit schafft der Flughafen Raum für wachsende Interkontinentalverbindungen, ohne die bestehenden Kapazitäten zu belasten. Die gezielte Entzerrung soll auch die Abläufe für Schengen-Reisende verbessern.

Die Sicherheitskontrolle wurde mit CT-Handgepäckscannern modernisiert, die Passkontrolle umfasst zehn Spuren für Aus- und Einreise, zusätzlich zwei Spuren für Umsteiger. Eine biometrische Abfertigung ist perspektivisch möglich. Wie in vielen internationalen Flughäfen üblich, wird das konkrete Abfluggate erst kurz vor dem Boarding angezeigt – das fördert den Aufenthalt im Marktplatz. Die Betreiber erhoffen sich davon höhere Umsätze im Einzelhandel und eine gleichmäßigere Auslastung der Infrastruktur.

Testbetrieb mit hunderten Teilnehmer:innen

Die Flughafen München GmbH prüft derzeit alle Abläufe mit Testpassagieren. An sechs Tagen nehmen jeweils 110 Personen teil, an zwei Tagen sogar 300. Parallel werden die Brandschutzsysteme getestet. Die Baukosten belaufen sich auf knapp 700 Millionen Euro.

Die Erprobung umfasst den gesamten Abfertigungsprozess: vom Boardingpass-Scan über die Sicherheitskontrolle bis hin zur simulierten Einreise. Dabei werden auch digitale Systeme und Personalprozesse validiert. Der Flughafen will mit diesem aufwendigen Verfahren sicherstellen, dass zur Eröffnung im Jahr 2026 alle Prozesse reibungslos funktionieren.

Zudem laufen Gespräche mit potenziellen Airline-Partnern, die Interesse an einer Verlagerung in den neuen Flugsteig signalisiert haben. Gerade für Langstrecken- und Low-Cost-Anbieter könnten die neuen Flächen attraktiv sein, da sie moderne Infrastruktur ohne die Premiumpreise der Allianz-Terminals bieten.

Laut eines Berichts von aero.de wurden die neuen Anlagen kürzlich einer Journalistengruppe vorgestellt. Die Resonanz fiel durchweg positiv aus: Besonders hervorgehoben wurden die klare Architektur, die gute Orientierung und die angenehme Atmosphäre.

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