Klassiker in der Krise
Kaufhäuser in Deutschland: Über ein Drittel weniger Umsatz als 2003

| Redaktion 
| 11.03.2024

Über Jahrzehnte hinweg waren Kaufhäuser eine obligatorische Anlaufstelle beim innerstädtischen Shoppingbummel. Neben regelmäßigen Filialschließungen untermauern aktuelle Destatis-Zahlen, dass die besten Tage dieser Ära lange gezählt sind.

Berlin, Bielefeld, Darmstadt, Krefeld, Mönchengladbach, Wuppertal und diverse weitere deutsche Städte: Allein im Januar dieses Jahres sind insgesamt 18 Galeria-Kaufhäuser geschlossen worden. Die wirtschaftliche Schieflage der zuständigen Signa Holding und das damit verknüpfte Insolvenzverfahren spielen dabei eine entscheidende Rolle – allerdings legen Zahlen aus dem Statistischen Bundesamt (Destatis) nahe, dass sich das Modell der klassischen Warenhäuser in der heutigen Zeit schlicht deutlich weniger rentiert als noch zu Beginn des Jahrtausends.

So haben Kauf- und Warenhäuser im Jahre 2003 real und preisbereinigt Umsätze erzielt, die mehr als ein Drittel (34,8 Prozent) über dem heutigen Niveau lagen. Die größte Verschiebung der Kaufgewohnheiten, die im selben Zeitraum stattgefunden hat, dürfte niemanden überraschen: Der Versand- und Onlinehandel erzielte im vergangenen Jahr 170,1 Prozent mehr Umsatz als vor zwei Dekaden.

Diese Werte bescheren Zuständigen einen nüchternen Blick auf die Realität, nachdem für 2022 noch ein Umsatzplus von über 13 Prozent gegenüber dem Vorjahr verzeichnet werden konnte. Nun wird umso deutlicher, dass dieser positive Ausschlag lediglich den desaströsen Zahlen des Pandemiejahres 2021 geschuldet war. Im letzten Jahr wiederum sanken die Umsätze im direkten Vorjahresvergleich um 3,9 Prozent.

Einzelhandel: Keinesfalls ein grundsätzliches Sorgenkind

Beim Vergleich mit 2003, den das Statistische Bundesamt angestellt hat, schneidet nur der Einzelhandel mit Büchern noch unvorteilhafter ab: Um 44,1 Prozent sind die Umsätze dort innerhalb der letzten beiden Jahrzehnte geschrumpft.

Gleichzeitig geht die Gegenüberstellung mit den frühen Nullerjahren keinesfalls ohne Lichtblick für den Einzelhandel über die Bühne. Während Bekleidung (4,6 Prozent), Spielwaren (6,0 Prozent) oder Uhren und Schmuck (9,1 Prozent) einstelliges Umsatzwachstum ausweisen, verbesserten sich Schuhen und Lederwaren sogar um 40,5 Prozent. Allerdings verblassen auch diese Zahlen gegen das 175,7-prozentige Umsatzplus, das auf Unterhaltungselektronik entfällt.

Hinsichtlich der Kauf- und Warenhäuser hat Destatis außerdem ein Auge auf die Personallage geworfen. Der Stellenabbau bleibt zumindest ein gutes Stück unter den Werten des Umsatzrückgangs – 2003 waren etwas über ein Fünftel mehr Menschen (21,7 Prozent) in den einstigen Hotspots deutscher Innenstädte beschäftigt.

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