Erster Tag der Proteste: Bauern verschaffen sich bundesweit Gehör

Der erste Tag der „Aktionswoche", mit dem Beschäftigte aus der Landwirtschaft gegen die Haushalts- und Agrarpolitik der Bundesregierung demonstrieren, war in ganz Deutschland sichtbar. Trotz weitgehend friedlicher Maßnahmen gibt es einen Schwerverletzten.

Wie in der vergangenen Woche vom Deutschen Bauernverband (DVB) in Aussicht gestellt worden ist, haben „Landwirtinnen, Landwirte, das Transportgewerbe, Spediteure und Lkw-Fahrer" am Montagmorgen eine sogenannte Aktionswoche eingeläutet. Angekündigt waren vorab „Demonstrationen, Sternfahrten oder Kundgebungen" im gesamten Bundesgebiet, um gegen existenzbedrohende Beschlüsse der Ampelparteien zu protestieren. Besonders die inzwischen teilweise zurückgezogene Streichung von Subventionen sorgte in den letzten Wochen für Unmut.

Während derzeit noch keine verlässlichen Schätzungen zur bundesweiten Teilnehmerzahl verfügbar sind, dürfte sie den DVB-Prognosen („Zehntausende") absolut entsprechen: Wie die örtlichen Polizeidienststellen melden, versammelten sich schon um 10 Uhr morgens mehr als 500 Fahrzeuge, viele von ihnen Traktoren und LKWs, am Brandenburger Tor von Berlin. In München hingegen begleiteten die Beamten sogar deutlich über 5000 Traktoren auf ihrem Weg in die Stadt.

Kilometerlange Konvois, ein (mutmaßlicher) Unfall

In Norddeutschland führten die Bauernproteste nicht nur ebenfalls zu massiven Verkehrseinschränkungen, sondern außerdem zu einer schwerverletzten Person. Polizeiangaben zufolge erreichte ein Konvoi in Stralsund (Mecklenburg-Vorpommern) mit knapp 1000 Fahrzeugen eine Länge von etwa 20 Kilometern; auch in Hamburg und Bremen wurde der Verkehr auf vergleichbare Weise blockiert.

Bislang sind keine Meldungen über nennenswerte Gewaltausbrüche im Rahmen der Bauernproteste bekannt. Die schwerverletzte Person ist in Thülsfelde bei Friesoythe, westlich von Bremen, zu beklagen und geht auf deren Zusammenstoß mit einem Auto zurück, wie die Oldenburger Polizei auf X mitteilt. Ein PKW-Fahrer habe eine Straßenblockade umfahren wollen und sei dazu auf den Geh- und Radweg ausgewichen, wo er einen Demonstranten erfasste. Dieser musste mit einem Rettungshubschrauber abtransportiert werden; der Fahrer dagegen wurde nach anfänglicher Flucht von der Polizei gefasst. Ob er fahrlässig oder absichtlich gehandelt hat, ist derzeit ungewiss.

Brandenburg von Außenwelt abgeschnitten

Polizeiangaben zufolge war Brandenburg an der Havel zeitweise – zumindest auf dem Straßenweg – von der Außenwelt abgeschnitten, da protestierende Landwirte sämtliche Zufahrtsmöglichkeiten blockiert haben. Ein weiterer, ebenfalls an die 20 Kilometer Länge erreichender Konvoi bahnte sich derweil seinen Weg über die A63 in Richtung Mainz, weshalb die vielfrequentierte Autobahn voll gesperrt wurde.

In Ostfriesland musste das Automobil gleich in mehrerlei Hinsicht ruhen: Wie eine Unternehmenssprecherin bestätigte, kam die Produktion im Emdener Volkswagen-Werk am Montag zum Erliegen. Aufgrund der Bauernproteste waren die Zufahrtswege zum Werk nicht mehr zugänglich, sodass viele Beschäftigte gar nicht erst zum Dienst antreten konnten. Bei VW geht man davon aus, die Arbeit am Dienstag wieder in gewohnter Weise aufzunehmen.

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