Zahlungsmoralbarometer: Trotz steigender Umsätze erwarten osteuropäische Unternehmen sinkende Gewinne

| Redaktion 
| 25.06.2023

Immer mehr Firmen sichern sich gegen Zahlungsausfälle ab.

Eine aktuelle Umfrage des internationalen Warenkreditversicherers Atradius zeigt: Die Sorge vor Liquiditätsproblemen wächst bei Unternehmen in Osteuropa. Für das diesjährige Zahlungsbarometer Osteuropa wurden Unternehmen in Polen, Ungarn, Tschechien, der Slowakei, Bulgarien, Rumänien und der Türkei befragt.

Trotz aktuell steigender Umsätze sehen die Studienteilnehmer ihre Profitabilität gefährdet. Zwar erwarten die Unternehmen eine steigende Nachfrage auf der Verbraucherseite, diese reicht jedoch nicht aus, um den anhaltend hohen Kostendruck auszugleichen. Während laut Umfrage 55 Prozent der Unternehmen steigende Umsätze erwarten, gehen nur 39 Prozent davon aus, dass auch die Gewinne in den kommenden Monaten steigen werden.

Schlechtere Zahlungsmoral erwartet

Verstärkt wird diese Sorge dadurch, dass sich das Zahlungsverhalten der Kunden im B2B-Geschäft verschlechtern dürfte: 79 Prozent der Befragten gehen davon aus, dass ihre durchschnittliche Forderungslaufzeit (Days-Sales-Outstanding, DSO) in den kommenden Monaten stagnieren oder sich allenfalls nur leicht verbessern wird. 21 Prozent rechnen mit einer Verschlechterung der DSO und möglichen Liquiditätsengpässen.

Außer der Inflation und den hohen Energie- und Materialpreisen führt auch die Verschlechterung des Zahlungsverhaltens von B2B-Kunden zu höheren Kosten: Unternehmen in ganz Osteuropa stellen sich darauf ein, mehr Zeit und Ressourcen für das Eintreiben überfälliger Rechnungen und die Überprüfung der Zahlungsfähigkeit ihrer Abnehmer aufzuwenden.

Externe Unterstützung beim Risikomanagement

Die durchschnittliche Forderungslaufzeit (DSO) osteuropäischer Unternehmen war bereits in der Vergangenheit relativ hoch, was viele Unternehmen dazu veranlasst hat, die Zahlungsfristen zu verkürzen und ihr Inkasso zu verbessern. Auf diese Weise wollen die Unternehmen ihre interne Liquidität verbessern und den Bedarf an externen Krediten verringern, der sich zusätzlich auf ihre Kosten auswirken würde.

Um die Rentabilität in einem Umfeld steigender Forderungsausfallrisiken zu sichern, geben viele Unternehmen zudem an, dass sie der Bedeutung des Kreditrisikomanagements im B2B-Handel mehr Bedeutung beimessen werden. 49 Prozent der befragten Unternehmen in Osteuropa planen, dass sie das Kreditrisiko ihrer Kunden weiterhin intern halten und managen werden.

Ein potenzieller Nachteil dieses Ansatzes ist jedoch die Herausforderung, genügend Reserven vorzuhalten, um die Auswirkungen eines großen Forderungsausfalls aufzufangen, der die Existenz des Unternehmens gefährdet. Dies kann erklären, warum 20 Prozent mehr befragte Unternehmen als im Vorjahr angaben, dass sie in den nächsten zwölf Monaten eine Kreditversicherung abschließen wollen, um sich vor den Auswirkungen von Forderungsausfällen zu schützen und ausreichende Liquidität für den Geschäftsbetrieb sicherzustellen.

Übermäßiger Kostendruck droht

Thomas Langen, Senior Regional Director, Deutschland, Mittel- und Osteuropa bei Atradius, erklärt: "Auch, wenn die Inflation nachlässt und ihre Auswirkungen durch die Stärke der lokalen Währungen in Osteuropa etwas abgemildert werden, bleibt das Geschäftsumfeld stark belastet. Es besteht die Gefahr eines übermäßigen Kostendrucks, der die Gewinnmargen schrumpfen lässt und die Rentabilität der Unternehmen gefährdet. Vor diesem Hintergrund ist der Schutz von Forderungen für Unternehmen aller Branchen von entscheidender Bedeutung. Ein strategischer Ansatz im Lieferantenkreditmanagement, der die Kreditversicherung einschließt, hilft Unternehmen, die Auswirkungen von Forderungsausfällen auf ihr Geschäft zu minimieren und in diesen wirtschaftlich schwierigen Zeiten durch sicheren Handel zu wachsen."

www.atradius.de

Über die Umfrage

Die Umfrage des Atradius-Zahlungsmoralbarometers für Osteuropa wurde zwischen Ende des ersten und Mitte des zweiten Quartals 2023 durchgeführt.

Die Ergebnisse geben einen Überblick darüber, wie Unternehmen von ihren B2B-Kunden bezahlt werden und wie sie mit Problemen umgehen, die durch eine schlechte Zahlungsmoral im derzeit schwierigen wirtschaftlichen und geschäftlichen Umfeld entstehen.

Sowohl der Osteuropa-Report als auch die einzelnen Länderberichte können auf der Atradius-Website im Bereich "Publikationen" eingesehen werden.

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Über die Umfrage

Die Umfrage des Atradius-Zahlungsmoralbarometers für Osteuropa wurde zwischen Ende des ersten und Mitte des zweiten Quartals 2023 durchgeführt.

Die Ergebnisse geben einen Überblick darüber, wie Unternehmen von ihren B2B-Kunden bezahlt werden und wie sie mit Problemen umgehen, die durch eine schlechte Zahlungsmoral im derzeit schwierigen wirtschaftlichen und geschäftlichen Umfeld entstehen.

Sowohl der Osteuropa-Report als auch die einzelnen Länderberichte können auf der Atradius-Website im Bereich "Publikationen" eingesehen werden.

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