Unterschätzter Faktor
Welt-Linkshändertag: Was im Job zur Hürde werden kann

| Redaktion 
| 13.08.2026

Der Welt-Linkshändertag macht auf ein Thema aufmerksam, das Unternehmen im Arbeitsalltag leicht übersehen: Viele Arbeitsmittel und Abläufe sind auf Rechtshänder ausgerichtet. Für Linkshänder kann das zu unnötigen Umwegen, unergonomischen Bewegungen und eingeschränkter Bedienbarkeit führen. Für Arbeitgeber stellt sich deshalb die Frage, wie flexibel Arbeitsplätze tatsächlich gestaltet sind.

Für Rechtshänder ist es meist kein Thema, auf welcher Seite die Computermaus liegt oder für welche Hand ein Werkzeug konstruiert wurde. Linkshänder begegnen solchen Details dagegen regelmäßig. Der Welt-Linkshändertag am 13. August erinnert daran, dass viele Produkte und Arbeitsumgebungen noch immer vorwiegend für die rechtshändige Mehrheit gestaltet sind.

Der Aktionstag geht auf den Left-Handers Club zurück und wird seit 1992 begangen. Er soll auf die Erfahrungen von Linkshänder aufmerksam machen. Im Berufsleben bekommt das Thema eine praktische Dimension: Dort, wo Menschen täglich dieselben Geräte, Werkzeuge oder Instrumente bedienen, kann deren Gestaltung Einfluss auf Bewegungsabläufe und Ergonomie haben.

Das macht Linkshändigkeit nicht automatisch zu einem großen Problem für Arbeitgeber. Sie ist aber ein anschauliches Beispiel dafür, dass ein Arbeitsplatz, der für die Mehrheit problemlos funktioniert, nicht zwangsläufig für alle Beschäftigten gleich gut geeignet ist.

Schon die Computermaus macht einen Unterschied

Am Büroarbeitsplatz lässt sich das besonders einfach beobachten. Maus und Tastatur gehören zu den meistgenutzten Arbeitsmitteln und können in der Regel ohne großen Aufwand individuell positioniert werden. Trotzdem befindet sich die Maus häufig standardmäßig rechts neben der Tastatur.

Welche Auswirkungen bereits eine andere Position haben kann, untersuchte eine in Applied Ergonomics veröffentlichte Studie mit 27 Personen. Die Forscher verglichen die Nutzung einer Maus rechts und links neben einer Standardtastatur.

Bei der Bedienung auf der linken Seite reduzierten sich in der Versuchsanordnung unter anderem bestimmte Bewegungen von Schulter und Handgelenk. 16 Teilnehmer wechselten anschließend für einen Monat zur Bedienung mit links. Sie berichteten danach von weniger wahrgenommenem Unbehagen und einer leichteren Nutzung, benötigten für die Aufgabe allerdings weiterhin mehr Zeit als mit der rechten Hand.

Die Untersuchung liefert keine allgemeingültige Empfehlung, Computer-Mäuse künftig links zu platzieren. Sie zeigt vielmehr, dass bereits die Position alltäglicher Arbeitsmittel einen Unterschied für Bewegungsabläufe machen kann.

Bei speziellen Werkzeugen wird es deutlicher

Größere Bedeutung kann die dominante Hand dort bekommen, wo Beschäftigte mit Instrumenten arbeiten, die für präzise Bewegungen konstruiert wurden. Ein aktuelles Beispiel kommt aus der Medizin.

Eine 2026 veröffentlichte Studie untersuchte die Erfahrungen von 77 linkshändigen Chirurg und Personen in chirurgischer Ausbildung im indischen Bundesstaat Karnataka. 85,7 Prozent der Befragten berichteten von praktischen Schwierigkeiten während ihrer Ausbildung. 57,1 Prozent gaben an, sich unter Druck gesetzt gefühlt zu haben, beidhändig arbeiten zu können.

Auffällig war auch die Verfügbarkeit entsprechender Instrumente. Zwar kannten 81,8 Prozent der Befragten spezielle Instrumente für Linkshänder, lediglich 10,4 Prozent hatten solche jedoch zur Verfügung gestellt bekommen. Die Studienautor sehen deshalb unter anderem im Zugang zu geeigneten Instrumenten und in einer gezielteren Unterstützung Möglichkeiten, die Ausbildung zu verbessern.

Die Ergebnisse stammen aus einem sehr spezifischen beruflichen Umfeld und lassen sich nicht pauschal auf Büros, Handwerksbetriebe oder die Industrie übertragen. Sie verdeutlichen aber, dass Händigkeit relevanter werden kann, sobald Arbeitsmittel eine bestimmte Bedienrichtung vorgeben.

Flexibilität statt Sonderlösung

Für Unternehmen folgt daraus nicht, dass jeder Arbeitsplatz eine eigene Linkshänder-Ausstattung benötigt. Entscheidend ist vielmehr, ob Beschäftigte ihre Arbeitsumgebung dort anpassen können, wo die dominante Hand tatsächlich eine Rolle spielt.

Im Büro kann das bereits die freie Positionierung von Maus und anderen Eingabegeräten betreffen. Bei Werkzeugen, Maschinen oder spezialisierten Instrumenten ist relevant, ob Bedienelemente ausschließlich für eine bestimmte Hand ausgelegt sind. In Deutschland ist das auch rechtlich relevant: Arbeitgeber müssen bei der Bereitstellung und Nutzung von Arbeitsmitteln ergonomische Grundsätze berücksichtigen und diese an die körperlichen Eigenschaften der Beschäftigten anpassen. Besteht bei Linkshänder ein konkreter Bedarf, kann daraus auch die Pflicht entstehen, geeignete Arbeitsmittel bereitzustellen.

Ergonomie ist dabei nur ein Baustein eines gesunden Arbeitsumfelds. Auch betriebliches Gesundheitsmanagement kann dazu beitragen, gesundheitliche Belastungen im Arbeitsalltag frühzeitig zu erkennen und präventiv zu handeln.

Für Unternehmen ist der Welt-Linkshändertag deshalb vor allem ein Anlass, auf Details zu schauen, die im Arbeitsalltag leicht übersehen werden. Nicht jeder Arbeitsplatz braucht spezielle Lösungen. Entscheidend ist, dass Arbeitsmittel und Abläufe dort anpassbar sind, wo die dominante Hand tatsächlich eine Rolle spielt.

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