Mehr Tempo beim Boarding
AIDA Self Check-in: Wie digitale Einschiffung das Boarding in der Kreuzfahrt verändert

AIDA Cruises testet am Cruise Center Hamburg-Steinwerder erstmals einen digitalen Self Check-in für Kreuzfahrtgäste. Das Pilotprojekt soll zeigen, ob sich Identitätsprüfung, Bordkartenausgabe und Einschiffung stärker automatisieren lassen. Auch wenn es sich zunächst um einen Pilotversuch handelt, zeigt das Projekt, wohin sich die digitale Passagierabfertigung entwickeln könnte – mit schnelleren Abläufen, kürzeren Wartezeiten und neuen Anforderungen an die Terminaltechnik.

Die Digitalisierung der Passagierabfertigung erreicht zunehmend auch die Kreuzfahrtbranche. AIDA Cruises hat Ende Juli am Cruise Terminal Hamburg-Steinwerder erstmals einen umfassenden Pilotversuch mit einem digitalen Self Check-in durchgeführt. Sämtliche Gäste der AIDAprima konnten ihre Einschiffung eigenständig an Self-Service-Terminals erledigen.

Auch wenn das Projekt zunächst Testcharakter hat, verdeutlicht es einen Trend, der in vielen Bereichen des Reisens bereits zu beobachten ist: Standardisierte Abläufe sollen stärker automatisiert werden, ohne dabei den klassischen persönlichen Service vollständig zu ersetzen.

Automatisierte Identitätsprüfung

Beim Pilotprojekt identifizierten sich die Reisenden mithilfe ihres Ausweisdokuments sowie eines biometrischen Gesichtsabgleichs. Die aufgenommenen Daten wurden automatisch mit dem Ausweisfoto verglichen. Zusätzlich entstand ein aktuelles Foto für das jeweilige Schiffssystem, das laut AIDA während der Reise unter anderem sicherheitsrelevanten Zwecken dient.

Die Bordkarte wird direkt RFID-codiert und übernimmt mehrere Funktionen. Sie dient an Bord nicht nur als Kabinenschlüssel, sondern auch als Zahlungsmittel.

Nach Angaben des Unternehmens können Gäste weiterhin den klassischen Check-in-Schalter nutzen oder sich beim digitalen Prozess von Mitarbeitenden unterstützen lassen.

Der Self Check-in fügt sich in die breitere Innovationsstrategie von AIDA ein. Die Reederei arbeitet auch in anderen Bereichen mit neuen Technologien, künstlicher Intelligenz und digitalen Anwendungen, um Abläufe effizienter zu gestalten und die Kreuzfahrt weiterzuentwickeln.

Digitalisierung soll Abläufe beschleunigen

Entwickelt wurde das System gemeinsam mit der Lufthansa Industry Solutions AS GmbH. Das IT-Unternehmen arbeitete nach Angaben von AIDA rund zwei Jahre daran, ein Self-Service-Konzept aus der Luftfahrt auf die Anforderungen der Kreuzfahrt zu übertragen. Der Schritt fällt in eine Phase, in der auch die digitale Fluggastabfertigung an deutschen Flughäfen deutlich vorangetrieben wird. Dort sollen biometrische Identitätsprüfungen und automatisierte Check-in-Prozesse künftig flächendeckend für schnellere Abläufe sorgen. Damit stellt sich auch für die Kreuzfahrtbranche die Frage, ob digitale Einschiffung langfristig zu einem breiteren Standard werden könnte.

Für die Übertragung auf die Kreuzfahrt mussten unter anderem Bordkartendrucker integriert und Schnittstellen zu den schiffseitigen Systemen geschaffen werden. Anders als am Flughafen übernimmt die Bordkarte auf einem Kreuzfahrtschiff mehrere zentrale Funktionen. Dadurch entstehen zusätzliche technische Anforderungen.

Die Self-Check-in-Terminals wurden im Rahmen des Pilotprojekts für die Anforderungen der Kreuzfahrt entwickelt und an die schiffseitigen Systeme angebunden. © AIDA Cruises

Für Reedereien bietet eine stärkere Digitalisierung der Abfertigung vor allem die Möglichkeit, Passagierströme effizienter zu steuern und Wartezeiten in den Terminals zu reduzieren. Gleichzeitig bleiben persönliche Serviceangebote insbesondere für Gäste erhalten, die Unterstützung benötigen oder den klassischen Check-in bevorzugen.

Pilotphase liefert Erkenntnisse

Der Test in Hamburg dient zunächst der Bewertung des Systems im laufenden Betrieb. Während der Pilotphase sammelt AIDA Cruises Erfahrungen zur Nutzung und Zuverlässigkeit der Technologie. Auf dieser Grundlage will das Unternehmen über einen möglichen weiteren Einsatz entscheiden.

Ob und wann der digitale Self Check-in auf weitere Schiffe oder Standorte ausgeweitet wird, ist derzeit noch offen. Der Pilotversuch zeigt jedoch, dass digitale Identitätsprüfung und Self-Service-Lösungen zunehmend auch in der Kreuzfahrt Einzug halten und künftig eine größere Rolle bei der Passagierabfertigung spielen könnten.

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