Gewinneinbruch um 54 Prozent
Daimler Truck-CEO Karin Rådström setzt trotz schwacher Quartalszahlen auf Comeback in Übersee

| Redaktion 
| 06.05.2026

Einbruch auf der einen Seite, Aufbruch auf der anderen: Daimler Truck startet mit einem deutlichen Gewinneinbruch ins Jahr 2026 – doch hinter den schwachen Quartalszahlen zeichnet sich bereits eine überraschend dynamische Gegenbewegung ab. CEO Karin Rådström setzt auf eine spürbare Erholung im wichtigen US-Markt und baut auf einen stark steigenden Auftragseingang, der den Konzern in den kommenden Monaten wieder auf Kurs bringen soll.

Die Zahlen sind deutlich: Das bereinigte Konzern-EBIT von Daimler Truck ist im ersten Quartal 2026 um 54 Prozent auf 498 Millionen Euro gefallen. Das Ergebnis je Aktie ging sogar um rund 80 Prozent zurück. Hauptgrund ist die anhaltende Schwäche in Nordamerika, die nun zeitverzögert voll auf Absatz und Ergebnis durchschlägt. Gleichzeitig zeigt sich jedoch eine spürbare Belebung auf der Nachfrageseite.

"Wir sind gut aufgestellt, um im weiteren Jahresverlauf trotz eines herausfordernden ersten Quartals weitere Verbesserungen zu erzielen“, sagt CEO Karin Rådström. "Der globale Auftragseingang ist gegenüber dem Vorjahr um 50 Prozent gestiegen, getragen von einer deutlichen Erholung in den USA.“

Nordamerika-Delle trifft auf neue Dynamik

Das erste Quartal spiegelt vor allem die Schwächephase des vergangenen Jahres wider. In Nordamerika, dem wichtigsten Gewinnbringer des Konzerns, schlugen die historisch niedrigen Auftragseingänge aus 2025 nun voll auf den Absatz durch. Nur noch 29.432 Einheiten verließen die Bänder – ein Rückgang von 25 Prozent.

Diese Entwicklung drückte spürbar auf die Profitabilität: Die bereinigte Umsatzrendite im Industriegeschäft fiel auf 5,0 Prozent nach 9,6 Prozent im Vorjahr. Auch der Umsatz ging auf 9,1 Milliarden Euro zurück.

Gleichzeitig entsteht jedoch ein gegenläufiges Bild. Der globale Auftragseingang zog im ersten Quartal deutlich an und stieg um 50 Prozent auf 114.043 Einheiten. Besonders dynamisch entwickelte sich das Geschäft in Nordamerika, wo die Bestellungen um 86 Prozent zulegten. Für Daimler Truck ein klares Signal, dass sich die Nachfrage in seinem wichtigsten Markt wieder belebt.

Stabile operative Basis trotz Gegenwind

Trotz geringerer Volumina und zusätzlichem Druck durch Zölle spricht der Konzern von einer robusten operativen Entwicklung. CFO Eva Scherer verweist auf die finanzielle Stabilität und die Widerstandsfähigkeit des Unternehmens im aktuellen Marktumfeld.

"Vor diesem Hintergrund hat sich die operative Performance als widerstandsfähig erwiesen und wird durch eine starke Auftragsdynamik gestützt“, sagt Scherer. "Unsere Bilanz ist nach wie vor sehr solide, und die industrielle Nettoliquidität ist robust.“

Auch im Cashflow zeigen sich die Belastungen des Quartals: Der Free Cash Flow im Industriegeschäft lag bei minus 445 Millionen Euro. Neben dem schwächeren Ergebnis wirkte sich hier insbesondere ein gezielter Lageraufbau im Zuge der steigenden Auftragseingänge aus.

Strategischer Umbau nimmt Form an

Parallel zum operativen Geschäft treibt Daimler Truck den strukturellen Umbau weiter voran. Mit der Integration von Mitsubishi Fuso und Hino in die neue ARCHION Corporation hat der Konzern einen zentralen Meilenstein erreicht. Die Entkonsolidierung von Fuso verändert die Konzernstruktur spürbar und schärft den Fokus auf die verbleibenden Kernsegmente.#

Top-Manager von Toyota, Hino, Fuso und Daimler Truck präsentieren die neue ARCHION Corporation, mit der der Nutzfahrzeugkonzern seine Struktur neu ausrichtet. © Daimler Truck

Während Mercedes-Benz Trucks in Europa eine stabile Entwicklung zeigt und den Absatz sogar steigern konnte, bleibt das Umfeld in Lateinamerika herausfordernd. Daimler Buses wiederum behauptet sich trotz rückläufiger Stückzahlen mit einer vergleichsweise hohen Marge.

Auch bei der Transformation hin zur Elektromobilität gibt es Fortschritte: Der Absatz batterieelektrischer Trucks und Busse stieg im ersten Quartal auf 742 Einheiten – ein Plus gegenüber dem Vorjahr, wenn auch weiterhin auf niedrigem Niveau.

Elektromobilität im Einsatz: Daimler Buses liefert acht eCitaro-Gelenkbusse an die Stadt Regensburg und treibt damit den Ausbau emissionsfreier Mobilität voran. © Daimler Truck

Ausblick bestätigt – zweite Jahreshälfte im Fokus

Trotz des schwachen Jahresauftakts bestätigt Daimler Truck seine Prognose für 2026. Der Konzern erwartet weiterhin eine bereinigte Umsatzrendite im Industriegeschäft zwischen 6 und 8 Prozent sowie einen Absatz von bis zu 360.000 Einheiten.

Die Grundlage dafür bildet vor allem der deutlich gestiegene Auftragseingang, der sich in den kommenden Quartalen zunehmend im Absatz niederschlagen soll.

Ein Jahr der Umsetzung

Für CEO Karin Rådström wird 2026 damit zum entscheidenden Jahr. Der Konzern muss die steigende Nachfrage in Volumen, Profitabilität und Cashflow übersetzen – und das in einem Umfeld, das von geopolitischen Unsicherheiten, Handelskonflikten und volatilen Märkten geprägt bleibt.

Der Optimismus speist sich aus klar messbaren Signalen: steigende Orders, stabilisierte Kostenbasis und ein bestätigter Ausblick. Ob daraus tatsächlich eine nachhaltige Erholung wird, entscheidet sich in den kommenden Quartalen.

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