KI-Offensive
SAP kauft Dremio und Prior Labs – doppelte AI-Strategie

| Redaktion 
| 04.05.2026

SAP treibt seine Transformation zum KI-Plattformanbieter massiv voran – und greift gleichzeitig an zwei entscheidenden Punkten an: Daten und Intelligenz. Mit den geplanten Übernahmen von Dremio und Prior Labs will der Konzern fragmentierte Datenlandschaften aufbrechen und gleichzeitig neue KI-Modelle für strukturierte Unternehmensdaten etablieren. Zusammengenommen entsteht eine Infrastruktur, die den Weg für "Agentic AI“ ebnen soll.

SAP adressiert mit den beiden Deals ein Kernproblem vieler Unternehmen: Daten sind verteilt, schwer zugänglich und oft ohne konsistenten Kontext. Gleichzeitig stoßen klassische KI-Modelle an Grenzen, wenn es um strukturierte Geschäftsdaten geht. Die Kombination aus Dremio und Prior Labs zielt darauf ab, genau diese Lücke zu schließen.

Offene Datenarchitektur als Fundament

Mit Dremio integriert SAP eine offene Lakehouse-Plattform in seine Business Data Cloud. Ziel ist es, SAP- und Non-SAP-Daten ohne Migration oder Duplikation zusammenzuführen und in Echtzeit nutzbar zu machen.

Technologisch setzt SAP dabei auf offene Standards wie Apache Iceberg. Daten können in ihren Ursprungssystemen verbleiben, während Abfragen systemübergreifend erfolgen. Ergänzt wird dies durch eine semantische Schicht, die Beziehungen, Zugriffsrechte und Datenherkunft abbildet und als Grundlage für einen unternehmensweiten Knowledge Graph dient.

KI-Modelle für strukturierte Daten

Parallel dazu stärkt SAP mit Prior Labs seine Kompetenzen im Bereich sogenannter Tabular Foundation Models. Diese sind speziell darauf ausgelegt, strukturierte Unternehmensdaten zu analysieren und belastbare Vorhersagen zu treffen.

Im Gegensatz zu klassischen Sprachmodellen verfügen diese Systeme über ein tieferes Verständnis für Zahlen, Tabellen und statistische Zusammenhänge. Sie ermöglichen unter anderem Prognosen zu Zahlungsausfällen, Lieferkettenrisiken oder Kundenverhalten – ohne aufwendiges Modelltraining.

SAP plant, mehr als eine Milliarde Euro in den Ausbau von Prior Labs zu investieren und ein führendes KI-Forschungslabor in Europa aufzubauen. Das Unternehmen soll als eigenständige Einheit weitergeführt werden.

Architektur für "Agentic AI“

Im Zusammenspiel entsteht eine durchgängige Architektur:
Dremio sorgt für den Zugriff auf alle relevanten Datenquellen, während Prior Labs die Fähigkeit liefert, diese Daten intelligent zu interpretieren.

Diese Kombination bildet die Grundlage für sogenannte "Agentic AI“ – KI-Systeme, die nicht nur analysieren, sondern eigenständig handeln können.

Die technologische Basis umfasst:

  • Offene Datenintegration: Zugriff auf SAP- und Non-SAP-Daten
  • Semantischer Kontext: Verständnis von Beziehungen und Geschäftslogik
  • Spezialisierte KI-Modelle: Analyse strukturierter Daten
  • Skalierbare Infrastruktur: Integration mit SAP HANA Cloud

Damit rückt eine neue Generation von Anwendungen in den Fokus, die Daten direkt in operative Entscheidungen überführen.

Strategischer Schritt im globalen KI-Wettbewerb

Mit den beiden Übernahmen verschiebt SAP seine Positionierung deutlich. Der Konzern entwickelt sich vom klassischen Anbieter von Unternehmenssoftware hin zu einem integrierten Plattformanbieter für datengetriebene KI-Anwendungen.

Während viele Wettbewerber entweder auf Dateninfrastruktur oder auf Modelle fokussieren, kombiniert SAP beide Ebenen. Die Kontrolle über Daten, Kontext und KI-Logik wird damit zum zentralen Hebel für zukünftige Wertschöpfung.

Die Transaktionen stehen noch unter regulatorischem Vorbehalt. Der Abschluss der Dremio-Übernahme wird für das dritte Quartal 2026 erwartet, jener von Prior Labs für das zweite oder dritte Quartal.

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