Logistik
Treppensteigende Zustellroboter: Amazon schluckt Schweizer Tech-Pionier Rivr für die teure "letzte Meile"

Amazon treibt die Automatisierung seiner Logistik weiter voran und hat das Schweizer Robotikunternehmen Rivr übernommen. Dessen vierbeinige, treppensteigende Roboter sollen Zustellkräfte künftig auf den letzten Metern entlasten – also genau dort, wo Lieferungen besonders aufwendig und personalintensiv sind.

Der US-Konzern machte die Übernahme nicht offiziell publik, informierte laut einem Bericht von CNBC jedoch seine externen Zustellpartner über den Deal. Zuvor hatte bereits The Information über den Kauf berichtet.

Rivr entwickelt Robotersysteme, die Pakete eigenständig vom Lieferfahrzeug bis an die Haustür transportieren können. Laut Amazon soll die Technologie in Zukunft gemeinsam mit den Zustellkräften eingesetzt werden, um Auslieferungen schneller, sicherer und effizienter zu machen – vor allem auf den letzten Metern der Zustellung.

Die diskrete Akquisition: Treppensteiger für das globale Netzwerk

In einer Mitteilung an seine externen Lieferpartner schreibt Amazon demnach, man habe "vor Kurzem RIVR übernommen", ein Unternehmen mit Fokus auf Technologien für die Zustellung bis zur Haustür. Weiter heißt es, man sei überzeugt, dass die Lösung "im Zusammenspiel mit den delivery associates" sowohl die Sicherheit als auch das Kundenerlebnis verbessern könne.

Eine Amazon-Sprecherin erklärte gegenüber CNBC, die Übernahme unterstreiche das Bekenntnis des Unternehmens zu zusätzlichen Investitionen in Forschung und zu mehr Sicherheit für Zustellkräfte.

Strategiewechsel unter Andy Jassy: KI-Investitionen vs. Personalabbau

Die Akquisition passt in eine Phase, in der Amazon seine Automatisierungsstrategie konsequent ausbaut. Während der Konzern massiv in Robotik und Künstliche Intelligenz investiert, wurden zuletzt auch Stellen gestrichen: Im Januar trennte sich Amazon von 16.000 Beschäftigten in Büropositionen, im März fielen in der Robotiksparte weitere 100 Jobs weg. CEO Andy Jassy betonte zuletzt, Künstliche Intelligenz komme inzwischen "in nahezu jedem Bereich des Unternehmens" zum Einsatz.

Amazon arbeitet im Zustellgeschäft mit einem Netzwerk aus Tausenden unabhängigen Vertragspartnern zusammen, die ausschließlich Sendungen des Konzerns ausliefern. Mit der Rivr-Technologie könnten diese Zustellerinnen und Zusteller künftig Unterstützung durch treppensteigende Roboter bekommen, die Pakete direkt vom Fahrzeug bis vor die Tür bringen.

 

Die 53-Prozent-Hürde – Warum die "letzte Meile" so teuer ist

Die "letzte Meile" beschreibt den Weg vom finalen Verteilzentrum bis zur Haustür des Kunden. In der Logistikbranche gilt sie als das ineffizienteste und teuerste Teilstück.

  • Der Kosten-Faktor: Rund 53 % der gesamten Versandkosten entfallen allein auf die letzte Meile. Zum Vergleich: Der Ferntransport per Lkw oder Flugzeug macht oft weniger als 20 % aus.
  • Das Haustür-Paradoxon: Die letzten 50 Meter (Parkplatz bis zur Wohnungstür, inkl. Treppensteigen) verursachen bis zu 25 % der Zeit eines Zustellers, aber die größte Anstrengung.
  • Fehlzustellungs-Kosten: Jede missglückte Zustellung (Kunde nicht angetroffen) kostet den Dienstleister im Schnitt zwischen 12 und 15 Euro – ein massiver Margen-Killer.
  • Das Rivr-Potenzial: Durch den Einsatz treppensteigender Roboter könnte Amazon die Effizienz pro Stopp um geschätzte 15–20 % steigern, da der menschliche Bote das Fahrzeug seltener verlassen muss oder schwere Lasten autonom transportiert werden.

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  • Der Kosten-Faktor: Rund 53 % der gesamten Versandkosten entfallen allein auf die letzte Meile. Zum Vergleich: Der Ferntransport per Lkw oder Flugzeug macht oft weniger als 20 % aus.
  • Das Haustür-Paradoxon: Die letzten 50 Meter (Parkplatz bis zur Wohnungstür, inkl. Treppensteigen) verursachen bis zu 25 % der Zeit eines Zustellers, aber die größte Anstrengung.
  • Fehlzustellungs-Kosten: Jede missglückte Zustellung (Kunde nicht angetroffen) kostet den Dienstleister im Schnitt zwischen 12 und 15 Euro – ein massiver Margen-Killer.
  • Das Rivr-Potenzial: Durch den Einsatz treppensteigender Roboter könnte Amazon die Effizienz pro Stopp um geschätzte 15–20 % steigern, da der menschliche Bote das Fahrzeug seltener verlassen muss oder schwere Lasten autonom transportiert werden.

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