Der Rechtsstreit rund um den "Subnautica"-Entwickler Unknown Worlds dient als Lehrstück über die Risiken KI-getriebener Entscheidungsfindung: Mit Unterstützung von ChatGPT hat Krafton eine Strategie entworfen, die dem südkoreanischen Publisher eine Bonuszahlung in dreistelliger Millionenhöhe ersparen sollte – vor Gericht hat sie jedoch nicht standgehalten.
Acht Jahre ist es her, seit der US-amerikanische Entwickler Unknown Worlds in Form von "Subnautica" eines der populärsten Survival-Games überhaupt veröffentlicht hat. Darin stürzt das Raumschiff der Spielerfigur auf einem fast vollständig von Wasser bedeckten Planeten ab, dessen Geheimnisse auf der Suche nach einer Fluchtmöglichkeit aufgedeckt werden. Mehr als sechs Millionen Exemplare des mehrfach preisprämierten Titels wurden verkauft.
Der Erfolg von "Subnautica" motivierte den südkoreanischen Publisher Krafton dazu, Unknown Worlds im Jahre 2021 für etwa 500 Millionen US-Dollar zu erwerben. Seit geraumer Zeit arbeitet das Studio an einem Nachfolger zum Unterwasser-Hit, der ursprünglich für eine Early-Access-Veröffentlichung im vergangenen Jahr angekündigt war.
Dazu kam es nicht – stattdessen entfaltete sich unter dem Dach von Krafton einer der ungewöhnlicheren Rechtsstreits, den die Gaming-Branche seit einer Weile erlebt hat.
Dreistelliger Millionenbonus steht auf dem Spiel
Im Juli 2025 wurde bekannt, dass Krafton die drei Unknown-Worlds-Führungskräfte Ted Gill (CEO), Charlie Cleveland (Mitgründer und Game Director) sowie Max McGuire (Mitgründer und Technical Director) vor die Tür gesetzt hat. Vorgeworfen wurde dem Trio unter anderem, nicht ausreichend an der Fertigstellung von "Subnautica 2" gearbeitet und insgesamt zu wenig Zeit am Arbeitsplatz verbracht zu haben.
Die Entlassenen reichten Klage ein, wobei sie nicht "nur" ihren Job im eigenen Studio behalten wollten: Im Zentrum des Rechtsstreits stand ein vertraglich vereinbarter Earnout-Mechanismus, der ihnen im Falle eines kommerziellen Erfolgs von "Subnautica 2" innerhalb eines bestimmten Zeitraums Bonuszahlungen in Höhe von 250 Millionen US-Dollar zugesichert hätte.
Das Trio argumentierte, dass die Entlassung nicht wirklich leistungsbedingt erfolgt, sondern ganz gezielt herbeigeführt worden sei, um genau diese Bonuszahlung zu umgehen.
Wenn ChatGPT zum Anwalt wird
Bisherige Einträge in unserer inoffiziellen Kategorie "Wie man Künstliche Intelligenz lieber nicht einsetzen sollte" haben vergleichsweise unschuldige Vorfälle behandelt – etwa ein begeistertes Publikum, das Will Smith wie in besten Zeit zujubelt, leider jedoch nicht real ist.
Der Konflikt zwischen Krafton und der Führung von Unknown Worlds hebt die zweifelhafte Nutzung von KI dagegen auf ein millionenschweres, unternehmerisches Level: Im Zuge des Verfahrens kamen interne Strategiepapiere und Kommunikationsprotokolle ans Licht, die auf eine konkrete Vorbereitung der Entlassungen hindeuten.
Krafton-CEO Changhan Kim sei von seiner Rechtsabteilung verdeutlicht worden, dass dieser Schritt mit legalen Schwierigkeiten und einer Rufschädigung einhergehen könnte – also hat sich die Unternehmensführung dem Prozessverlauf zufolge auf die juristische Zusatzkompetenz von ChatGPT verlassen.
Richterin hat ihr Urteil gesprochen
Auch der KI-Assistent sah demnach einige Probleme im Umgehen der Bonuszahlung, hat Kim letztlich jedoch motiviert, eine interne Arbeitsgruppe ins Leben zu rufen – und selbst deren recht generischer Name, Project X, spricht womöglich für das Zutun der OpenAI-Entwicklung.
"Im Laufe des folgenden Monats befolgte Krafton die meisten Empfehlungen von ChatGPT", wird Vizekanzlerin Lori Will vom zuständigen Chancery Court in Delaware von The Guardian zitiert. "Der Auftrag der Arbeitsgruppe bestand darin, entweder eine Einigung bezüglich der Earnout-Klausel auszuhandeln oder eine Übernahme von Unknown Worlds durchzuführen. Sie wollten Zeit gewinnen."
Ihre Einschätzung erfolgte im Rahmen eines Urteils, das diese Woche gesprochen wurde: Die Richterin kam zu dem Schluss, dass die Kündigungen nicht durch die von Krafton angeführten Leistungsargumente gedeckt waren und somit gegen vertragliche Vereinbarungen verstoßen.
Schwer wog insbesondere die Einschätzung des Gerichts, dass zentrale Maßnahmen innerhalb des Konzerns – einschließlich der Planung und Umsetzung der Entlassungen – in der Tat strategisch motiviert waren und darauf abzielten, finanzielle Verpflichtungen gegenüber den Führungskräften zu vermeiden.
Gefeuerter CEO bekommt operative Kontrolle zurück
Infolgedessen ordnete Lori Will an, dass die operative Kontrolle über Unknown Worlds wieder an den einstigen CEO Ted Gill übertragen werden muss; seine beiden mit ihm entlassenen Kollegen haben genauso wieder Anspruch auf ihre alten Rollen. Den Zeitraum, in dem die Earnout-Kriterien erfüllt werden können, verlängerte Will ebenfalls.
Krafton äußerte in einem Statement sein Missfallen an der Entscheidung, fokussierte sich aber größtenteils darauf, Spielern (und Investoren) unermüdliche Arbeit an "Subnautica 2" zu versichern.
Und tatsächlich sollte es nicht lange dauern, ehe das unrühmliche Kapitel wieder mit positiveren Nachrichten überstrichen werden konnte: Jüngst hat IGN berichtet, dass das langerwartete Sequel im Mai endlich in den Early Access entlassen werden soll.
"Wir freuen uns darauf, gemeinsam mit Ted Gill für einen reibungslosen Übergang zu sorgen und auf einen erfolgreichen Start hinzuarbeiten", heißt es seitens Unknown Worlds.
"Unser oberstes Ziel ist es, dieses Spiel der Community zur Verfügung zu stellen, die schon sehnsüchtig darauf gewartet hat – und das bedeutet, die Arbeit zu würdigen, die ihr bereits geleistet habt, um dies zu ermöglichen."
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